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Der LesePeter |
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Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel. |
geht an Andreas Venzke |
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| für das Sachbuch | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Die Brüder Grimm und das Rätsel des Froschkönigs | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Andreas Venzke
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Dieses
Buch ist hochaktuell im Brüder-Grimm-Jahr 2012.
An vielen Orten und kulturellen Einrichtungen
gibt es Veranstaltungen zum 200.Jahrestag des
Erscheinens der Erstausgabe der Kinder- und
Hausmärchen, wahrscheinlich macht es sich auch
im Deutschunterricht an Schulen bemerkbar. Neben
kurzen Infotexten in Schulbüchern und Karteien
und stärker fachwissenschaftlichen Biografien
(z. B. von Schede und Grothe) ist es sehr
erfreulich, dass jetzt eine für junge Leute gut
lesbare und interessante Taschenbuchausgabe des
Arena-Verlages vorliegt.
Die
vorliegenden Illustrationen stammen von Klaus
Puth, der sich wie Luca Novelli mit
karikaturartigen Zeichnungen schon mehrfach in
dieser Reihe einen Namen gemacht hat, und zudem
zur inhaltlichen Thematik „Märchen“ mit dem
satirischen Band „Grimmige Märchen“ Erfahrungen
mitbringt. Die Bilder sind in dieser Reihe quasi
ein Markenzeichen gegen Langeweile. Auch wenn der Aufbau des Buches nicht extra erläutert wird, findet man beim Lesen rasch heraus, dass unterschiedliche Schrifttypen und graue bzw. schwarze Randstreifen Textsorten und unterschiedliche Funktionen begleiten. Sachkapitel sowie Glossar und Zeittafel werden im Inhaltsverzeichnis (hinten) extra aufgelistet. Dadurch lässt sich die Biografie leichter als Nachschlagewerk nutzen. Die eigentliche Lebensgeschichte wird von Jakob und Wilhelm abwechselnd in Ich-Erzählform geschildert – zum Glück in modernem Gegenwartsdeutsch und in serifenfreiem Druck. Kleine Vorstellungen von der zeitgenössischen Sprache und älteren Forschungstexten gewinnt man nur aus Zitaten (z. B. gedichteter Brief an die Mutter, S. 24) und Berichten. Sie erzählen ihre Lebensgeschichte von der Kindheit bis ans Lebensende. “Eine heile Welt“, „Die paradiesische Zeit“ und „Lernen und Lernen“ heißen die ersten Kapitelüberschriften. Durch die Figurensicht, zahlreiche Episoden und Quellen und Bilder u. a. ihres „Malerbruders“ Ludwig Emil rücken uns die beiden ganz nah und die Darstellung wirkt authentisch. Auch wenn Andreas Venzke das Rätsel des Froschkönigs nicht wirklich löst, so gelingt es ihm doch, Interesse für Leben und Werk der Brüder Grimm zu wecken. Schon früh wird bei Kindern als Beitrag zum Weltwissen aufgebaut, dass die beiden hessischen Brüder ein literarisches Meisterwerk durch die Sammlung volkstümlicher Märchen geschaffen haben. Die Familien- und Hausmärchen wurden von Anfang an von „Kunstmärchen“ abgegrenzt. In diesem Band nun wird deutlich, dass das scheinbare Hauptwerk quasi Produkt einer PR-Kampagne ist, denn die angeblich aus dem Volk stammenden Märchen wurden fast ausschließlich von Frauen aus dem Bürgertum erzählt und waren stark vom kulturellen Vorbild Frankreich beeinflusst (z. B. durch hugenottische Wurzeln und frühe französische Sammlungen). Erst Wilhelm verhalf den Texten zu dem ganz bestimmten Märchenton, indem er sie auf eine kindliche Zielgruppe hin umschrieb. Er nahm altertümliche Wörter auf, fügte Verkleinerungen und Reime ein, veränderte alles, was sittlich und moralisch anstößig empfunden werden konnte. Die Märchen wurden damit zugleich unpolitisch und züchtig. Das wird im Jahre 2012 in der Märchenforschung zum Brüder-Grimm-Jahr überdeutlich. Vielleicht gelingt mit dieser kritischen Sichtweise, Märchen wieder für Jugendliche und Erwachsene interessant zu machen (z. B. Märchen als Adoleszenz- und Liebesgeschichten, Sprachanalysearbeit und Vergleich verschiedener Fassungen in der Sekundarstufe). Die beiden Brüder Jakob und Wilhelm Grimm werden hier ins rechte Licht gerückt. In den abwechselnden Ich-Erzähltexten schildern sie ihr armseliges Leben als rastlosen Forscherdrang nach den Wurzeln der deutschen Sprache. Die beiden kleinen, kränklichen Männer würde man heute als lebensfremde Workaholics bezeichnen. Die Vorstellung, dass tage- und nächtelang Texte abgeschrieben wurden, weil man die alten Originale nicht kaufen konnte, ist heute unglaublich. Solche Enthüllungen und die Alltagsbeschreibungen sind in mitwachsendem Ich-Erzählton geschrieben. Auch wenn sich der größte Teil des Buches auf den Bildungsweg, die familiäre Entwicklung, die Arbeit an den Märchen bezieht, wird deutlich, dass das Lebenswerk der Brüder im leidenschaftlichen Sammeln und Aufarbeiten alter Sprache und Texte bestand und somit neben den Märchen-, Lied- und Sagensammlungen grundlegende germanistische Forschung mit ihnen begann. Mit ihrer Arbeit an deutscher Sprache, Grammatik und einem Wörterbuch wollten sie zu einer deutschen Identität und Einheit beitragen, die bekanntlich politisch nicht existierte. Aus heutiger Sicht sind z. B. zwei Teilaspekte interessant: Sie wandten sich dagegen, dass der gleiche Laut unterschiedlich geschrieben wird, und Jakob wollte die „philistrische Erfindung der Großschreibung“ abschaffen (vergl. S. 69).
Andreas
Venzke schildert den Lebensweg der beiden Brüder
im Spiegel ihrer Zeit (siehe dazu die Zeittafel
am Ende des Buches) sowohl in den
Ich-Erzählabschnitten als auch in den Sachtexten
schreibt er über die Kleinstaaterei, den
Untertanengeist und die großen Schwierigkeiten
einer Großfamilie, ihren Lebensunterhalt zu
sichern. Die Familie bleibt von
Kindersterblichkeit und Krankheiten nicht
verschont. Die späten Lebensabschnitte in
Göttingen und Berlin werden nur kurz erwähnt. Das aufschlussreiche Buch informiert sachlich, desillusioniert manche Mythenbildung, wirft viele weitere Fragen auf und hinterlässt ein glaubhaftes Bild der beiden eifrigen und zeitlebens unzertrennlichen Brüder Grimm.
Der
Autor stellt sich selbst im Buch vor:
Der
Illustrator:
(verh für die AJuM der GEW) |
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