Der LesePeter
des Monats
Mai 2010

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Hilke Rosenboom

 
      für das Kinderbuch  
      Olli wird großer Bruder  
         
         
         
         
     

Hilke Rosenboom: Olli wird großer Bruder
Illustrationen von Ute Krause
Köln: Boje  2010
64 S * geb. * 9,95 € * ab 5 J
 

 
 

 

Olli hat nichts dagegen, für ein paar Tage zu verreisen, aber doch nicht sieben Unterhosen lang. Mama will in Ruhe auf das neue Baby warten und Papa hat extra Urlaub genommen, um mit ihr zu warten. Olli soll zum dritten Opa fahren, obwohl die beiden sich nicht einmal kennen. Ob der Opa auch irgendwie übrig ist?
Nach einer Woche ist jedoch alles anders, denn nun wird Olli wirklich ein großer Bruder.

Bevor der kleine Olli großer Bruder wird, wie es der Titel des posthum veröffentlichten Buches von Hilke Rosenboom (1957 – 2008) verspricht, muss er erst mal auf Ausquartierung zu seinem „dritten Opa“. Und das soll dann auch noch sieben Unterhosen lang dauern! In dieser Zeit wollen sich seine schwangeren Eltern auf ihr neues Baby vorbereiten. Olli ist das eigentlich viel zu lang. Aber der dritte Opa ist nett und wahrscheinlich „auch mal irgendwo übrig geblieben. So wie er selbst jetzt gerade.“ Allerdings spricht der alte Herr mit den Pflanzen!

Olli hat Glück, er ist Teil einer intakten Familie, die nun größer wird. Die moderne Form der Patchworkfamilie lernt er nur aus der Großelterngeneration kennen, ziemlich verwirrend. Aber selbst die normale Familie stellt den kleinen Jungen vor enorme Herausforderungen. Seine Welt wird sich drastisch verändern und er muss damit leben lernen. Noch weiß er nicht, ob diese Veränderungen gut oder unangenehm für ihn werden. Er hat natürlich Vorstellungen und Wünsche, aber vor allem möchte er eins: Seinen Platz in der Familie unverändert behalten. Er fürchtet, dass das nicht so einfach funktionieren wird.
Olli kann Veränderungen nur schwer akzeptieren, ist aber dennoch bereit, darauf einzugehen. Er möchte gern Neues erleben, deshalb aber keine alten Sicherheiten aufgeben. Dafür gibt ihm der dritte Opa Raum, die Eltern konnten oder wollten das  nicht. Hier darf er auch endlich das werden, was er werden soll: ein großer Junge.
Es ist eine Woche, in der Olli sich beweisen kann und vieles lernt: Über (und von!) Pflanzen, den unscheinbaren Tieren im Garten. Er pflanzt, beobachtet die Natur, wartet natürlich ungeduldig auf „seine“ Blumen und entdeckt jede Menge kleiner Wunder. Im Laufe der Tage bekommt der Junge letzten Endes zudem einen Blick auf seine Mitmenschen, den er bisher nicht hatte.
Ollis Erkenntnisse nach der Woche beim dritten Opa reichen viel weiter, als dass er nun die sieben Tage einer Woche zählen kann. Sie sind schon philosophischer Natur. Er möchte nämlich in sich ruhen wie Carmen die Primel und immer selbst blühen. Und mit Mama, Papa und Opa an seiner Seite ist das ganz einfach, auch mit dem neuen Baby. Denn er wird seinen Platz in der Familie dort behalten, wo er immer war, in den Herzen seiner Familie.

Es ist vor allem die Sprache, die einen sofort verzaubert. Man hat tatsächlich den Eindruck, die Gedanken des kleinen Jungen zu lesen, mit seinen Augen zu sehen. Man hört die Worte eines Vierjährigen, die bei genauerem Hinsehen niemals die Worte eines Vierjährigen wären, oder doch? Kinder sehen die Welt einfach mit anderen Augen. Wir entdecken diese Welt in den kleinen feinen Sprachbildern, die nicht erklärt werden müssen, weil sie nur etwas Fantasie benötigen. Denn wer von uns misst schon den Weg oder die Zeit in halben Unterhosen. Besonders zauberhaft ist der Nachtspaziergang geschildert, auf dem Olli im Garten die ersten Weidenkätzchen entdeckt – und natürlich auch mit ihnen spricht.
Nebenbei erlaubt uns Hilke Rosenboom, auch die vielen liebenswerten Kleinigkeiten wahrzunehmen, die den Erwachsenen aus der Seele sprechen. Die Gradwanderung von naiver Kindersprache und anspruchsvoller sprachlicher Kunstfertigkeit beherrscht die Autorin offenbar mühelos.

Hilke Rosenboom ist das gelungen, woran sie selbst immer geglaubt hat: „. . . dass man alle noch so schweren Botschaften federleicht verpacken muss, damit man einen Text wirklich gerne liest.“

Ute Krause unterstreicht mit ihren comicartigen Illustrationen den Eindruck der kindlichen Sicht besonders herzlich und witzig.

Rundum ein großes Buch über kleine Leute, das kleine und große Leute begeistern wird.

 

Hilke Rosenboom (1957 – 2008) verbrachte ihre Kindheit auf den Inseln Juist und Baltrum. Sie studierte in Kiel Linguistik und besuchte dann die Journalistenschule in Hamburg. Nach 15 Jahren als Reporterin beim „Stern“ und ausgedehnten Reisen in viele Ecken der Welt begann sie, Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu schreiben. Mit dem Buch „Ein Pferd namens Milchmann“ gelang ihr der Durchbruch in der Kinderliteratur. Ihr Name steht für spannende und humorvolle Kinderbücher, die mit psychologischem Feingefühl geschrieben sind.

 

Ute Krause, geboren 1960 in Berlin, wuchs unter anderem in der Türkei, Nigeria, Indien, den USA und Deutschland auf und studierte Visuelle Kommunikation an der Berliner Kunsthochschule sowie Film und Fernsehspiel in München. Sie dreht Kurz- und Dokumentarfilme sowie Werbespots, zeichnet Cartoons, schreibt Drehbücher und hat mehr als 60 Bilder- und Kinderbücher veröffentlicht. Bei ihren Veranstaltungen liest sie vor, veranstaltet Zeichenworkshops, malt mit den Kindern und spricht darüber, wie Bücher entstehen. Sie lebt in Berlin und arbeitet als Regisseurin, Drehbuchautorin und Illustratorin. (Copyright für das Foto © T. Poslada)

 

 

(bj&lr für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

  (bj&lr)
Jugendbuch     (02/06/10)   (cjh&tk)
Sachbuch     (03/07/11)   (gas)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
 
         
     

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