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Der LesePeter |
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Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel. |
geht an Beate Teresa Hanika |
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| für das Jugendbuch | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Rotkäppchen muss weinen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Beate Teresa Hanika: Rotkäppchen muss weinen |
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Malvina ist steht kurz vor ihrem vierzehnten Geburtstag und hat im Jahr zuvor noch Bandenkrieg gegen die Jungs gespielt. Jetzt lernt sie deren Anführer ganz anders kennen und es entwickelt sich eine zarte erste Liebesgeschichte, die aber überschattet wird von einem Geheimnis, das Malvina vor allen bewahren will – selbst vor sich selbst. Dafür sorgt ihr Unterbewusstsein, das sich weigert, Erinnerungslücken zu füllen: der mit Ekel besetzte jahrelange Missbrauch durch ihren Großvater. Unter ihrer beredten Erzählung des pubertären Erlebens tritt immer deutlicher werdend eine Geschichte von verlogener Erpressung und Wegblicken und Ignorieren seitens der gesamten Familie zutage. Beate Teresa Hanika verleiht der Missbrauchten eine glaubhafte Stimme mit durchaus poetischen Anklängen. Dass der weitaus größte Anteil an sexuellem Missbrauch innerhalb der Familie oder dem nächsten Freundeskreis stattfindet, ist inzwischen Allgemeinwissen, dass deswegen unbedingt mehr darüber gesprochen würde, weniger. Und das Nicht-Sprechen-Können ist das eigentliche Thema der Autorin. Das Ekelpaket des Großvaters ist hier allerdings auch eindeutig. Eines der Hauptprobleme der Opfer ist, dass sie nicht so recht wissen, ob sie den Täter nun eigentlich hassen oder lieben, meist ist es eine dem Opfer völlig undurchschaubare Gemengelage. Hier verlagert sich dieses Gefühl auf den Vater Malvinas. Der missbraucht sie zwar nicht, wird aber durch sein Wegsehen zum Mitschuldigen, bedrohlich wirkt er durch seine brutale Aggressivität auf jeden Fall. Eine Spätfolge vom eigenen Missbrauch, eventuell verbalem, durch den Vater? Das wird offengelassen. Die Mutter weiß fast alles, flüchtet sich aber bei jeder, buchstäblich jeder Form von Anspruch in ihre Migräne, die sie völlig passiv werden lässt. Weder der große Bruder noch die attraktive (und für Malvina damit als das Gegenbild von ihr selbst empfundene) ältere Schwester wollen die zaghaften Äußerungen Malvinas ernst nehmen. Der Großvater selbst nutzt meisterhaft alles, was ihm zur Verfügung steht: Er stellt sich als hilflos dar, als Verlassenen, als Einsamen, als Opfer, als Kumpel, als Freund - jeweils verbunden mit dem Anspruch, dass Malvina nichts weiter erzählen dürfte, weil ihr sowieso niemand etwas glauben würde. Hier haben wir eine starke, wiederkehrende Metapher im Buch: Auch Malvina fliegt in eine Art Freiheit, als sie von der Schaukel springt und sich so das Befremden, aber auch die Bewunderung der Jungenbande sichert. Flucht nach vorn, Flucht in die Luft, einmal schwerelos sein, ohne Bodenhaftung und den naturgegebenen Gesetzen nicht länger gehorchen müssen: Dafür steht der Flug durch die Luft. Zugleich ist die Luft physikalisch das Gegenteil von Wasser, ein hier verhasstes Element. Denn Malvinas Missbrauch beginnt in der Badewanne, bei erzwungenen Gemeinschaftsbädern mit dem Großvater. Sie flüchtet sich in schroffes, aggressives Gebaren, für sie ist das ohnehin die richtige Verhaltensweise gegenüber dem Jungen der gegnerischen Bande. Aber jetzt ist sie fast 14, er 16, und es entwickelt sich ganz anders. Ihre Kindheit begraben sie gemeinsam in einer Ruine, die sie als ihr Domizil angesehen haben, die aber jetzt abgerissen wird. Und damit auch die Naivität des Kindseins.
(c) Florian Lehmer (mit frdl. Genehmigung von Fischer Schatzinsel)
(cjh & tk für die AJuM der GEW)
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