Der LesePeter
des Monats
Dezember 2008

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Lorenz Pauli & Kathrin Schärer

 
      für das Bilderbuch  
      ich mit dir, du mit mir  
         
         
         
         
     

Lorenz Pauli & Kathrin Schärer: ich mit dir, du mit mir
Zürich: Atlantis bei Orell Füssli  2008
32 Seiten * geb. * 13,90 € * ab 4 J
 

 
 

 

Herrliche Skizzen, tolle Bilder, eine schöne kleine Geschichte um Vereinbarungen, bei denen beide gewinnen – jedenfalls wird das in der Geschichte immer wieder behauptet und mehr oder weniger auch geglaubt. Die „beiden“, das ist ein riesiger, tapsiger, fröhlicher Braunbär und ein kleiner, pfiffiger, lebenslustiger Siebenschläfer. Die beiden begegnen sich eher zufällig und können oder wollen dann nicht mehr voneinander lassen.

für dich ein Gewinn,
für mich ein Gewinn

Ein warmer, lieber, optimistischer und fröhlicher Grundton liegt von Beginn an über und in der Geschichte der beiden ungleichen Wesen. Man kennt Beispiele der Freundschaft des Großen, Tapsigen mit dem Kleinen, Pfiffigen aus der Welt der Literatur oder des Films: Terence Hill & Bud Spencer, George & Lennie 1937 aus John Steinbecks „Of Mice & Men“, Heinz Rühmann als Lehrer & Gert Fröbe als Catcher 1958 in „Der Pauker“, Stan Laurel & Oliver Hardy sowie Carl Schenstrøm als Pat & Harald Madsen als Patachon in vielen Filmen der Anfangszeit. Selbst „Harold and Maude“ ließe sich hier heranziehen, wenn auch mit anderen Vorzeichen.

Obwohl, wenn man es genau nimmt, der gemütliche Bär ein bisschen trottelig ist und sich mehrfach übervorteilen lässt, geht es ihm gut. Er selbst beginnt mit Tauschgeschäften, die mit den Worten: „Für dich ein Gewinn, für mich ein Gewinn“ begleitet werden. Sein Partner ist ein kleiner Siebenschläfer, etwa so lang wie das Gesicht des Bären. Der Vorspann auf dem Vorsatz zeigt, wie er zu seiner Flöte gekommen ist, auch hier ein erstes Tauschgeschäft. Den Holunderzweig bricht er ab und höhlt ihn mit einem dünneren aus. Aus dem dünneren wird anschließend das Mundstück gefertigt, jetzt fehlen noch die Löcher für die Flöte. Da hilft der Specht. Während dieser Arbeit sehen wir den Bären mit seinem Kopf auf seinem roten Lieblingskissen mit den vier Troddeln an den Ecken selig schlummern. Bestimmt träumt er etwas Schönes.
Er erwacht durch die liebliche Musik der Siebenschläfer-Flöte und möchte das – sofort – auch können. Das erste Tauschgeschäft zwischen den beiden ist perfekt: Flöte gegen Kissen. Aber ach, sowohl die Tatzen als auch der Mund sind nicht gemacht zum Flöten! Kathrin Schärer skizziert im Hintergrund die vergeblichen Bemühungen des Bären und malt im Vordergrund aus, dass der Kleine vom Hineinpusten fast weggeblasen wird, während die Feuchtigkeit aus der Flöte heraustropft. Jetzt ist es am Siebenschläfer, ein Geschäft vorzuschlagen: Flöte gegen Musik. „Für dich ein Gewinn, für mich ein Gewinn.“

Und so geht es fort. Der Bär trägt den Nager auf dem Kissen auf seinem Kopf, dafür zeigt dieser ihm den, seinen Weg. Für das ausgelassene Tanzen mit dem Bären schenkt ihm der Siebenschäfer einen Kiesel, einen „Glückskiesel“, wie er sagt. Und so geht es noch eine Weile weiter.

Bereits der erste Tausch war offensichtlich der „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“.

Als eine Art „Nachwort“ sieht man auf der Innenseite des hinteren Einbanddeckels einige Episoden gemeinsamen Erlebens, wobei auch der Specht noch einmal mitspielen darf.

 

Geschäfte auf Gegenseitigkeit müssen gar nicht fair sein. Es reicht aus, wenn die beiden „Geschäftspartner“ ohne Lug sind und sich gegenseitig akzeptieren. Daraus kann sogar Liebe werden.

Kinder mit Geschwistern kennen ähnliche Situationen. Die Kleinen schauen zunächst immer auf wie die etwas Größeren, möchten auch so werden wie diese. Bald aber sind sie es, die vom älteren Geschwister vorgeschickt werden, die mutiger sind und sich mehr zutrauen. Die Großen gehen dann mit unter dem Vorwand, das kleinere Geschwister beschützen zu müssen. Ein Vorteil für den einen, ein Vorteil für den anderen.

Hier kann das betrachtende Kind den Unterschied lernen zwischen „ausnutzen“ und „liebevoll lenken“, aber auch, dass der Stärkere nicht immer der Größere sein muss. Und man kann wunderbar feststellen, dass sich Gegensätze nicht ausschließen müssen, dass sie sich vielleicht auch anziehen, bestimmt aber wunderbar ergänzen können.

 Wenn wir zuvor einige besondere Partnerschaften aufzählten, so kann man jetzt also eine weitere hinzufügen. Leider haben die beiden keine Namen.

 

Lorenz Pauli
ist Jahrgang 1967; er wuchs in Bern auf, machte zunächst eine kaufmännische Berufsausbildung; 1986 begann er eine Ausbildung als Kindergärtnter; er schreibt (viel in Schweizerdeutsch) seit 1993 Geschichten, Hörspiele, Liedertexte, arbeitet für Bühnenprojekte und übersetzt. 2003 erhielt er den „Österreichischen Staatspreis für Kinderlyrik“. Seine Webadresse is
t http://www.mupf.ch .

 

 

Kathrin Schärer
ist Jahrgang 1969; sie ist studierte Zeichen- und Werklehrerin (Basel) und unterrichtet an einer Sprachheilschule; daneben Arbeit als Illustratorin. Es folgen einige Titel, die zum Teil in der Datenbank unter www.ajum.de oder www.wittmunder-bilderbuchbaer.de rezensiert sind: Wie weihnachtelt man? / Die Stadtmaus und die Landmaus / Wenn Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen / So war das! Nein, so! / mutig, mutig / Bill und Fabienne/Bill et Fabienne ...

(C) Fotos mit frdl. Genehmigung des Atlantis Verlags (bei Orell Füssli)

(uhb für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

  (nn)
Jugendbuch     (02/06/10)   (pfg)
Sachbuch     (03/07/11)   (gas)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
 
         
     

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel...

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