Der LesePeter
des Monats
März 2007

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Anna Mieszkowska

 
      für das Sachbuch  
      Die Mutter der Holocaust-Kinder  
         
         
         
         
     

Anna Mieszkowska: Die Mutter der Holocaust-Kinder
Irena Sendler und die geretteten Kinder aus dem Warschauer Ghetto
München: Deutsche Verlagsanstalt dva  2006
318 Seiten, geb., 22,90 €
 

 
 

 

Erst spät wird die außergewöhnliche Geschichte von Irena Sendler bekannt und die Frau, die über 2500 Kinder aus dem Warschauer Ghetto vor dem sicheren Tod gerettet hat, für ihre Tat  geehrt, die ihr fast selbst den Tod gebracht hätte. Ihre Geschichte und das Geschehen um den Holocaust werden in diesem aufwühlenden Buch veröffentlicht.

Dieses Buch ist keine romanhafte Erzählung, es schildert vielmehr die Geschehnisse in Warschau zur Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg anhand von Augenzeugen und Dokumenten, wie es der jungen Polin Irena Sendler und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter Lebensgefahr gelang, Kinder unter schwierigsten und gefährlichsten Bedingungen aus dem Warschauer Ghetto vor dem sicheren Tod zu retten. Als Krankenschwester hatte sie Zugang zum Ghetto und holte Kinder in Säcken und Kisten durch Abwasserkanäle und Keller aus dem Ghetto und versorgte sie mit echten gefälschten Papieren, um ihnen eine neue Identität zu geben.

1965 wird Irena Sendler als “Gerechte unter den Völkern” mit der höchsten Ehrung des Staates Israel ausgezeichnet.
Irena Sendler, die heute 96-jährig in Warschau lebt, berichtet selbst und ihre Darstellungen der Geschehnisse berühren den Leser tief. Neben ihr kommen auch ihre Mitarbeiter und viele der geretteten Kinder, die heute in aller Welt verstreut leben, zu Wort. Viele von ihnen leiden noch heute unter den schrecklichen Ereignissen. Sie haben sich zu der Vereinigung der Holocaust-Kinder zusammengeschlossen und versuchen durch die Veröffentlichung von Berichten und Erinnerungen ihr Leben zu meistern. “Obwohl erst später, im Laufe des zunehmend »normalen« Lebens, geschrieben, haben die beschriebenen Ereignisse nichts von ihrer Dramatik verloren.
Fest steht auch, dass man vor den eigenen Erinnerungen nicht fliehen kann. Die Erlebnisse mit anderen Menschen zu teilen, hilft den Schmerz ein wenig zu lindern.” (Seite 198)

Und Irena Sendler äußerst sich zu den Kindern: “Sie leiden am Drama ihrer Kindheit und können sich mit dem Verlust ihrer Angehörigen nicht abfinden. Sie haben ständig das Gefühl, eine gespaltene Identität zu haben.” (Seite 238)

“Nach vielen Jahren stellte man Irena Sendler die Frage, ob sie aus religiösen Gründen währen des Zweiten Weltkriegs Juden gerettet habe. »Nein. Es war mir ein Herzensbedürfnis.« Und auf die Frage, was denn im Leben eines Menschen am wichtigsten sei, antwortet sie: »Liebe, Toleranz und Demut.« Seiten 276/277)
 

Das beeindruckende Sachbuch zeigt schonungslos die Gräuel und menschenverachtenden Verbrechen, die die deutschen Besatzer an unschuldigen Menschen begangen haben.
Wegen der Authentizität und der Offenheit ist dieses erschütternde Buch - besser als jede noch so genial erzählte Geschichte - geeignet, jungen Menschen vor Augen zu führen, was geschieht, wenn Menschen - oder ein ganzes Volk - die Achtung vor der Würde des Menschen verliert.
Die vielen abgebildeten Fotos und Dokumente sowie ausführliche Anmerkungen und ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis machen das Buch besonders wertvoll und helfen jungen Menschen, die sich über die jüngste deutsche Geschichte weiter informieren wollen.

"Auf der Grundlage persönlicher Aufzeichnungen und Erinnerungen der mittlerweile 96-jährigen Irena Sendler erzählt die Journalistin Anna Mieszkowska deren bislang fast unbekannte Geschichte". (Aus dem Klappentext)

Die Autorin:

Anna Mieszkowska, geboren 1958, ist Theaterwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin. Sie lebt in Warschau.

 

 

 

(gas für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

  (avn)
Jugendbuch     (02/06/10)   (pfg)
Sachbuch     (03/07/11)   (gas)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
 
         
     

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel

     

Impressum: AJuM der GEW  *  c/o    Ulrich H. Baselau  * Osterstr. 30  * 26409 Wittmund * ulrich.baselau [ad] ajum.de * 04462 -- 943611
Zur Datenschutzerklärung