Der LesePeter
des Monats
Mai 2004

 
     

geht an Klaus Knoke

 
      für das Kinderbuch  
      Gottes Wege. Die Bibel  
         
         
         
         
     

Klaus KNOKE: Gottes Wege. Die Bibel.
Frankfurt: F. Bischoff  (Nov) 2003
441 Seiten, geb., 19,90 €
 

 
 

 

Eine Bibel – als Vorschlag für den LesePeter „Kinderbuch“? Der Entscheidung gingen langes Nachdenken und viele Gespräche mit Kollegen voraus, doch bald stand sie unwiderrufbar fest. Was macht gerade diese Buchausgabe so besonders, wo doch der Büchermarkt zurzeit voll ist von Kinderbibeln?
Schon der erste optische Eindruck überzeugt: Ein großformatiges Buch, fast eine DIN A4 Seite im Querformat, mit einer soliden Bindung und einem leinenartig strukturierten Einband in frohen Farben. Eine „konfessionslose“ Bibel, die sich lediglich in der Schreib­weise der Namen an der Lutherbibel orientiert und ansonsten keinerlei Festlegung auf „evangelisch“ oder „katholisch“ erkennen lässt.

An der kaum zu bemerkenden Nahtstelle zwischen den beiden Bibelteilen, dem Alten und dem Neuen Testament, finden sich Prophetenworte eingefügt, die dem verzagten Volk das rettende Geschehen ankündigen – ein Vorgehen, das auch an manch anderen Stellen zu beobachten ist: In die Bibeltexte, die in schlichter, elementarer Sprache der Jetztzeit erzählt sind, fügen sich unter anderem ausgewählte Psalmen, die Zehn Gebote, das Vaterunser, Sprüche des Königs Salomon, Lobgesänge oder Auszüge aus den Briefen des Paulus. Dadurch erhält der Leser einen differenzierteren Einblick in das Geschehen der Heiligen Schrift, ohne dass es dazu eines Kommentars von außen bedarf. Insofern lässt sich diese Bibel eher als eine Art Übersetzung denn als Nacherzählung bezeichnen; erklärende Ausmalungen im Text selbst sind an keiner Stelle zu finden. So entsteht schon für den jüngeren Leser ein recht geschlossener Eindruck von dem, was die Bibel einst war und ist.

 Sind Ereignisse oder Namen im Bibeltext erläuterungsbedürftig oder wird ein nicht erzähltes Geschehen zum besseren Verständnis vorausgesetzt, so fügt der Erzähler dies in Kursivdruck – und daher optisch leicht als nicht originaler Zusatz erkennbar – ein. Häufiger jedoch ist eine eigene abgesetzte Spalte am rechten oder linken Bildrand, die eine Fülle von Sachin­formationen liefert, indem sie Personen, historische Ereignisse, damalige Rechts­vorstellungen oder bestimmte Gegenstände beschreibt; hinzukommen können graphische Zeichnungen, die bestimmte Eigenheiten besser darlegen als Worte es könnten (z.B. Bundeslade, Menora, Schaubrottisch, Rauchopferaltar etc.).

 Diese Sachinformationen stellen das oft als so zeitlos empfundene biblische Geschehen in einen festen zeitlichen Rahmen, verbinden Religion mit ihrer Zeitgeschichte und zeigen die oft enge Verknüpfung auf. Optisch sehr geschickt und eindrucksvoll trägt hierzu auch eine Zeitleiste bei, die sich als Zeitstrahl auf jedem oberen Seitenrand befindet; auf ihr sind die Daten, zu denen sich das biblische Geschehen abspielt, markiert. Zusätzlich werden markante historische Ereignisse eigens benannt.
 Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Während der biblische Text (S. 136/137) die Geschichte erzählt, wie Gott den Israeliten Gideon als Richter gibt, zeigt der Zeitstrahl die ungefähre Jahreszahl 1100 vor Christus, und zu den historischen Ereignissen dieser Zeit heißt es: „Höhepunkt der Bronzezeit in Europa: Die Bronzegusstechnik erlebt eine Blütezeit, es entstehen neuartige Waffen, Geräte und Schmuck. – In China entdeckt man Teilinhalte des pythagoreischen Lehrsatzes.“

 Was besonders an diesem Buch gefällt, ist die Sprache. Vergleicht man sie mit der Sprache des Originals, so erkennt man in beiden eine gewisse Einfachheit und Schlichtheit, die mit dem elementaren Wortschatz der Bibel ebenso zusammenhängt wie mit ihrem einfach strukturierten Satzbau – ein Buch für das Volk, an kein Alter gebunden, das seine Botschaft gerade in dieser Schlichtheit prägnant und unmissverständlich vermittelt. Der Erzähler ist der biblischen Sprachwelt verpflichtet und versucht an vielen Stellen den Originaltext nachzu­empfinden, behält z.B. formel­hafte Wendungen und Wiederholungen bei, die so typisch für den Sprachcharakter der Heiligen Schrift sind und die dem Sprachempfinden gerade (aber nicht nur) des jungen Lesers entgegen kommen.

 Nicht zuletzt lebt diese Bibel von ihrer Illustration, die sich in ihrer schlichten Einfachheit dem leicht verständlichen Erzählstil anpasst. Großflächig und teilweise plakativ angelegt, lassen die farbkräftigen Bilder genügend Spielraum für die eigene Fantasie des Betrachters und fangen doch die uns teils exotisch anmutende Atmosphäre der damaligen Welt mit ihren andersartigen Landschaften, Bauwerken und Lebensweisen ein, die nichts anderes sein kann als eine Art heutiger Interpretation, da kein authentisches Bildmaterial das biblische Geschehen und seine Personen belegt.
 Ein Stichwortverzeichnis zu Sachbegriffen, Orts- und Personennamen trägt zur Benutzer­freundlichkeit bei; zusammen mit dem ausführlichen Inhaltsverzeichnis, in Großgruppen gegliedert, ermöglicht es ein rasches Auffinden und Nachschlagen oder Vertiefen eines Themas.
 Dreiviertel des Buches (298 Seiten) sind dem Alten Testament mit seinen spannenden Geschichten gewidmet, und die Geschehnisse gehen in das Neue Testament über, beginnend bei der Erschaffung der Welt, endend mit der Offenbarung des Johannes: Zwischen diesen beiden Polen – der Erschaffung des Paradieses und der Zukunftsschau eines neuen Paradieses – bewegen sich die Erzählungen aus dem Buch der Bücher, das auch heute noch den Leser mit seinen klaren Inhalten zu faszinieren vermag.

 Ein in vielen Bereichen nutzbares Buch: In der Familie, in der Grundschule und zum Vorlesen teilweise schon im Kindergarten. Kann den schulischen Religionsunterricht begleiten und im Kommunion­­unterricht sowie durch das breit gefächerte Hintergrundwissen auch noch im Konfirmationsunterricht gewinnbringend eingesetzt werden. Neben Kindern und Jugend­lichen werden auch Erwachsene das Buch gern zur Hand nehmen, wie früher die traditionelle Familienbibel.

  

Klaus Knoke (geb. 1937) ist Religions- und Schulpädagoge. Über 20 Jahre war er als Leiter bzw. Rektor von Grundschulen in Niedersachsen tätig. Darüber hinaus arbeitete er mehr als 20 Jahre als Rektor im Ausbildungsdienst für Lehrer in Niedersachsen bzw. als Dozent für Religionspädagogik und Leiter der Aufbauausbildung für kirchliche Religionslehrer der Württembergischen und Badischen Landeskirchen in Ludwigsburg. Zu seinen Werken gehören u. a. „Abraham – Geh in ein Land, das ich dir zeige“ und „Jesus – Ich bin das Licht“.
Er ist zudem ein Autor für elementare Sprache biblischer Texte. Er entwickelt diese Sprache mit Kindern und Lehrern seit über 40 Jahren.

Mirella Fortunato (geb. 1969) schloss 1997 das Studium Kommunikationsdesign an der Fachhochschule für Gestaltung in Mainz mit Erfolg ab. Seitdem ist sie freiberuflich als Illustratorin, Graphik-Designerin und Künstlerin tätig. Im Bischoff-Verlag illustrierte sie u.a. die Bobbi-Reihe, bei der Stiftung Lesen die Geschichten von „Tesalino und Tesalina“. Weitere Werke wurden im Rotbuch Verlag und beim Verlag Moritz Diesterweg veröffentlicht. Mirella Fortunato nahm an zahlreichen Ausstellungen teil und leitet regelmäßig Mal- und Zeichenworkshops für Kinder.

(avn für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

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