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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

       
Autor:
Thomé, Günther  
Titel:
ABC und andere Irrtümer über Orthographie Rechtschreiben LRS / Legasthenie
ISBN:
978-3-942122-23-8  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Orie, D.
Seitenanzahl:
156
Verlag:
ISB, Oldenburg
Gattung:
Fachliteratur
Reihe:
Jahr:
2017
Preis:
14,80 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
Das herausragende, wissenschaftlich fundierte Fachbuch über die deutsche Schriftsprache ist in der vierten, erweiterten und aktualisierten Auflage erschienen - ein Standardwerk, nicht nur für Fachleute.
[uhb Niedersachsen]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Sprache
       
Beurteilungstext:
Ohne Lesen und Schreiben, dem Transport von Wissen und Erkenntnissen nicht über die direkte Begegnung und das Sprechen zwischen Sender und Empfänger, sondern über Zeichen auf Baumrinde, Stein, Papier usw. erst ermöglichte den Fortschritt, wie er für uns heute selbstverständlich ist, auch wenn die digitale Aufzeichnung sich als neues und schnelles Transportmittel auch von Sprache in den Vordergrund drängen will.
Der Autor, Professor, Sprachwissenschaftler und Sprachdidaktiker Günther Thomé beginnt mit einem Experiment, um den Zusammenhang von Lesen und richtigem Schreiben zu klären. Obwohl wir täglich mehrmals auf unsere Uhr schauen, sind wir erstaunt darüber, wie wenige der folgenden Fragen wir beantworten können: Welche Farbe hat das Zifferblatt? Hat die Uhr einen Sekundenzeiger? Stehen Zahlen, Striche oder Punkte für die Stunden? usw. Seine These, dass ein guter Leser ein schlechter Rechtschreiber sein kann, belegt er mit populären Beispielen wie mit harten statistischen Zahlen.
Er versucht uns Leser - Lehrkräfte, Studenten, Eltern, vielleicht auch Schüler -auf ein höheres Niveau zu heben. Das gelingt, zumal er sehr unterhaltsam schreibt und nicht etwa "belehrt", sein Wissen mit vielen Quellenangaben untermauert, Tabellen sprechen lässt und sie nur behutsam selbst interpretiert, eher erläutert.

Das Buch ist in neun Kapitel plus ein Abbildungs- und Tabellenverzeichnis, Literaturangaben, Sachregister und Abkürzungen gegliedert. Die Kapitel befassen sich mit Irrtümern der oben genannten Art, sind also hartnäckig. Sie beziehen sich auf:
Irrtum 1: Rechtschreiben lernt man durch Lesen
Irrtum 2: Früher konnten Schüler auch nicht besser rechtschreiben
Irrtum 3: Das ABC gibt unsere Sprache wieder
Irrtum 4: Gekaufte Unterrichtsmaterialien sind korrekt
Irrtum 5: Außer mir kennen alle die Rechtschreibregeln
Irrtum6: Richtiges Schreiben durch Diktate
Irrtum 7: Je früher Schreiben gelernt wird, desto besser
Irrtum 8: Schreiber können Schreiben vermitteln
Irrtum 9: LRS/Legasthenie gibt es nicht

Günther Thomé belässt es selbstverständlich nicht dabei, die Irrtümer als solche zu entlarven, er belegt sie und vermittelt ganz nebenbei, dass man auch gegen hartnäckige Fehler etwas bewirken kann. Dabei bleibt er im Wesentlichen verständlich und versinkt nicht in Fachsprache, sodass das Buch durchaus für interessierte Laien gut zu lesen ist und auch nach einzelnen Kapiteln mit viel Gewinn beiseitegelegt werden kann. Wer etwas genauer einsteigen will, der wird sich darüber freuen, etwas über die Unterschiede von Phonemen, Graphemen und Buchstaben gelernt zu haben. Sind wir doch der Meinung, dass gerade die deutsche Schriftsprache "so geschrieben wie gesprochen" wird. Mitnichten! Den fünf Vokalen der Buchstaben stehen 16 "Sprachvokale" (Phoneme) plus drei Diphthonge (au / ei-eih-ai / eu-äu) gegenüber. Wer sich genauer informieren will: Auf Seite 52f ist eine gute Übersicht.

In jedem (!) Pädagogikstudium sollte das Buch sowieso Pflichtlektüre sein, und für Menschen, die sich mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) beschäftigen, ist es sehr zu empfehlen. Wie schreibt der Autor gegen Schluss? "Wir lassen die Dinge nicht liegen, / weil sie schwer sind, / sondern weil wir sie liegen lassen, / werden sie schwer." Vielleicht kann der LRS-Schüler irgendwann das "Versager-Image" ablegen, weil er entsprechend behandelt wurde.

[uhb Niedersachsen]
  
       

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