Alter:
Beliebig
0-3
4-5
6-7
8-9
10-11
12-13
14-15
16-17
ab 18
Gattung:
Beliebig
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Beurteilungstext:
Lan muss mit ihren 14 Jahren weit weg von ihrer Familie deren Einkommen erwirtschaften. Die Schuhfabrik stellt Markenschuhe fĂŒr ein bekanntes deutsches Unternehmen her. Die Arbeitsbedingungen sind völlig indiskutabel: mehr als 10 Stunden Arbeit, meist viele Ăber- und Nachtstunden, wenige Pausen. Es wird viel Duck ausgeĂŒbt, die jungen BeschĂ€ftigten sind zumeist 14, 15 Jahre alt. Oft schlafen sie bei der Arbeit vor Erschöpfung ein. Lan muss beim Familienbesuch ihre 11-jĂ€hrige Schwester mit in die Fabrik nehmen, fĂŒr sie schrecklich, ihrer kleinen Schwester dies zuzumuten. Aber die Familie ist auf das verdiente Geld angewiesen. Lan bekommt Kontakt zu dem Vater des Fabrikdirektors, ĂŒber Schlangen können sie sich gut verstĂ€ndigen, da kennt Lan sich aus. Sie darf Bac-Le bei seiner Schlangenzucht und -pflege unterstĂŒtzen, bekommt dafĂŒr sogar mehr âLohnâ als in der Fabrik. Dort wird sie von ihren Kolleginnen und Kollegen als âVerrĂ€terinâ angesehen. Durch ihren Aufenthalt im âHerrenhausâ erfĂ€hrt sie von einer deutschen Delegation, der deutsche Arbeitsinspektor kommt mit einigen Leuten und seiner Familie. Lan plant mit den Arbeiter/innen aus der Schuhfabrik einen Protest. Diese bekommen es allerdings im entscheidenden Augenblick mit der Angst zu tun. Aber sie besprechen vorher eine Cassette mit ihren persönlichen Geschichten und den Arbeitsbedingungen in der Fabrik. Lan schafft es mit einem Freund die feine Gesellschaft in Chaos zu bringen, und schlieĂlich die Tochter des Arbeitsinspektors mit dem Sohn des Fabrikdirektors in die Schuhfabrik zu fĂŒhren, wo wieder (nach einer âsauberenâ, gestellten, Vorstellung) ganz normal gearbeitet wird. Das deutsche MĂ€dchen ist völlig geschockt ĂŒber das, was es dort sieht, auch dem Sohn des Direktors verschlĂ€gt es die Sprache. Die Cassette wird abgespielt. Lan befĂŒrchtet, dass nun alles vorbei ist, die Deutschen abreisen, der Direktor doch die Plakette fĂŒr besonders faire Arbeitsbedingungen in seiner Fabrik ausgezeichnet wird. Aber sie hat Bac-Le unterschĂ€tzt. Er hat es organisiert, dass Lans Vater, der im Vietnamkrieg gegen die Amerikaner gekĂ€mpft hat, ĂŒbrigens zusammen mit dem Fabrikdirektor, zu jenem Direktor kommt. Ein Erkennungszeichen verbĂŒndet sie als alte WiderstandskĂ€mpfer. Das Ende des Buches ist nicht ganz eindeutig. Aber es wirkt so, dass die Arbeitsbedingungen in der Schuhfabrik auf keinen Fall so bleiben werden, und die Arbeiter/innen nicht ihre ArbeitsplĂ€tze verlieren werden. So findet es doch zu einem guten Ende. Die Autorin beschreibt mit guter Sachkenntnis die Arbeitsbedingungen in einer Schuhfabrik in Vietnam mit einem 14-jĂ€hrigen MĂ€dchen als Hauptfigur. Die Lebenssituation wird so gut nachvollziehbar. Ein Spannungsbogen wird aufgebaut, der sich bis zum Ende hĂ€lt. In Umgangssprache, ohne viel drumherum, wird ein politisches Bewusstsein geweckt fĂŒr Arbeitsbedingungen in der dritten Welt. Vor allem fĂŒr ein Bewusstsein von uns Konsument/innen in der ersten Welt. Wir sollten mehr darauf achten, unter welchen UmstĂ€nden unsere gekauften Produkte hergestellt werden. Wir sollten insgesamt kritischer werden, mehr nachfragen. Wenn dies eine Intention des Buches war, dann ist dies Ziel erreicht worden. Ich wĂŒrde das Buch unbedingt empfehlen fĂŒr Jugendliche, auch fĂŒr den Unterricht (Politik, Deutsch) - natĂŒrlich mit Aufarbeitung.
[Ter Nordrhein-Westfalen]