GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Till, Jochen
Titel sturmfrei
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-473-58359-1 Reihe
Verlag Ravensburger, Ravensburg, 2010
Seitenzahl 182 Preis 6,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Erzählung
Zielgruppe 14-15
16-17
Inhaltsangabe Bennys Eltern sind für ein paar Tage weg und Benny nutzt mit Einverständnis der Mutter die "sturmfreie Bude" für eine Party. Er hat alles gut geplant, überlegte Einladungen ausgesprochen, die Oma für Verpflegung engagiert und doch verläuft alles ganz anders. Aus der Sicht von vier Partygästen wird das Geschehen dokumentiert.
Beurteilungstext Dankbar diese Jugendzeit überstanden zu haben, legt ein erwachsener Leser das Buch aus der Hand. So unsicher, so überheblich, so realitätsfremd und so verletzlich ist man nicht mehr. Und die Sache mit der Sexualität hat man endlich auch im Griff. Aber Denise, Benny, Lea und Nico - die stecken mitten drin im Chaos. Denise ist die Schöne, die glaubt allein mit ihrer sorgsam zur Schau gestellten Attraktivität jeden überwältigen zu können. Selbst Nico, der überzeugt ist, jede flachlegen zu können und darauf sogar mit seinem Freund eine Wette eingeht. Denise geht nur zur Party um sich mit der Eroberung von Nico zu beweisen, wie toll sie ist. Benny hat die Party organisiert um Denise zu gewinnen. Er ist blind und glaubt, sie könnte sich in ihn verlieben, allmählich mit Gefühl und für immer. Lea hat sich von dem ganzen albernen Zicken- und Gockelgehabe ausgeschlossen. Durch ihre Kleidung, ihr Verhalten setzt sie sich bewusst abseits. Aber Benny, mit dem sie joggt, den könnte sie mögen und ist ein wenig verliebt in ihn. Am Ende der Party sind alle von ihren Schienen gehoben. Nichts wurde so, wie geplant. Alles ist in Alkohol zerbröselt. Nico hat seine Wette nicht gewonnen, Lea hat ihn lächerlich gemacht. Denise benutzt Benny um Nico herauszufordern. Die Szene im Ehebett von Bennys Eltern ist entwürdigend und verstört nicht nur Benny. Allein Lea geht gefestigt aus dem Geschehen heraus. Sie weiß, ihre Entscheidung da nicht mitzumachen, war richtig.
Die unterschiedlichen Perspektiven zeigen dem Leser sehr genau, was da vor sich geht. Till lässt seine Helden viel reden, Dialoge zeigen den Handlungsverlauf. Die Jungen und Mädchen reden so, wie man es kennt. Der Leser schaut in die vier Jugendlichen hinein. Er versteht sie und muss sich mit ihnen auseinandersetzen. Hinter all dem lockeren Geschrei und Geprahle erkennt man Unsicherheit und Planlosigkeit. Und alle müssen einem schrecklich Leid tun. Man möchte eingreifen, warnen, zurückreißen und trösten. Eine unterhaltsame Lektüre, die dem jugendlichen Leser einen grotesk verzerrenden Spiegel vorhält und ihm damit echten Einblick gibt.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 Pfn, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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