GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Zöller, Elisabeth
Titel Wir hatten trotzdem Glück - Die Geschichte einer Flucht
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-596-80737-6 Reihe
Verlag Fischer Schatzinsel, Frankfurt, 2010
Seitenzahl 224 Preis 6,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Die Geschichte einer Flucht aus Breslau 1945 ins zunächst von Amerikanern, dann von Russen besetzte Erzgebirge- und später ins ländliche Niedersachsen – erzählt aus der Sicht eines dreizehnjährigen Jungen
Beurteilungstext Mai 2010 – 65 Jahre nach Kriegsende - erscheint die Taschenbuchausgabe von „Wir hatten trotzdem Glück - Die Geschichte einer Flucht“.
Elisabeth Zöller *1945, erzählt die authentische Geschichte ihres 13 Jahre älteren Mannes Paul, die er als Jugendlicher erlebt hat, - in der NS-Zeit aufgewachsen, den Zusammenbruch erlebend, sich in feindseliger Umgebung neu einleben müssend.

Im ersten Teil des Buches heißt es „Überleben ist alles“ . In vierzehn Kapiteln werden die dramatischen Ereignisse vor allem des Jahres 1945 geschildert Es wird erzählt von der Flucht in letzter Minute aus der „Festung“ Breslau, dem Wahnsinn der Durchhalteparolen, von „Vaterlandsverrätern“ und „Wehrkraftzersetzung“; vom Bombardierung von Flüchtlingszügen, vom brennenden Dresden, von scheinbarer Sicherheit in ländlicher Umgebung; von Racheakten, Vergewaltigungen, von Neid und Missgunst und von der affirmativen Selbstversicherung der Familie: „Wir hatten trotzdem Glück“.
Der zweiter Teil steht unter der Überschrift „Ein neuer Anfang“. In sieben Kapiteln werden die Mühsal des Einlebens der „Flüchtlinge“ in fremder, feindseliger Umgebung dargestellt ist. Von Misstrauen und Schuld ist die Rede, von Entnazifizierung und Verdrängung, von pfiffigen Überlebenskünsten und deprimierenden Ungerechtigkeiten und von der Unfähigkeit zu Trauern und zu Sprechen.

Elisabeth Zöller erzählt aus der Sicht des Jugendlichen für Jugendliche von heute. (Kursiv gedruckte Informationen zu den Geschehnissen am Ende mehrerer Kapitel dienen dem besseren Verständnis).
Ob ihr Sprechen (für ihren Mann) die Jugendlichen erreicht? Es gibt viele Punkte, an die Jugendliche anknüpfen, die sie interessieren und weiterverfolgen können, sowohl bei den geschilderten Geschehnisse als noch mehr bei der Frage: Wie war das eigentlich in meiner Familie?
Dazu könnte das Buch Anstoß geben. Und was kann für die Entwicklung eines jungen Menschen von größerer Bedeutung sein als Anlass zu geben zum Nachdenken über die eigenen Werte, die eigene Herkunft, den eigenen Weg?
Dass in diesem Buch es ausgerechnet klassische Musik ist, die für die Familie wichtig ist und dass eine ganze Familie zusammen alle Gefährdungen überlebt, ist für die beschriebenen Zeit eine Ausnahme.
Dass es eine wunderbare Legende ist, wie diese Familie zusammenhält, immer auf der richtigen Seite steht und die anderen auf der falschen Seite gegen sich hat, - eine Legende, die zum Überleben nötig war – auch das zu erkennen, kann SchülerInnen von heute von großem Nutzen sein.
Interessierten SchülerInnen ab 13, die auf Fragen von Flucht und Ausgrenzung nicht nur von Deutschen in der Geschichte stoßen, und für unterschiedliche Unterrichtsthemen in Geschichte, Sozialkunde und Religion unbedingt zu empfehlen!
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 , Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
  Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.
 
AJuM der GEW c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund