GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Doyle, Roddy
Titel Wildnis
Übersetzer / Originalsprache Steinhöfel, AndreasEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-570-13553-2 Reihe
Verlag cbj, München, 2010
Seitenzahl 207 Preis 12,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
12-13
Inhaltsangabe Als ihre Mutter im Schneesturm vermisst wird, lernen Tom und Johnny, sich auf ihren Instinkt zu verlassen. Ein spannendes Abenteuer einer erstaunlichen Reise.
Beurteilungstext Eine Mutter zu sein ist eine Aufgabe. Keine leichte und manchmal eine unerträgliche, oft eine schöne. Schwierigkeiten gibt es im Grunde immer. Wie man mit diesen Schwierigkeiten umgeht, dafür gibt es kein Patentrezept.
Gráinnes Mutter ist gegangen. "Ich wäre sonst gestorben. (...) Du heiratest. Du bekommst Kinder - ein Kind. Du verwandelst dich von einem Menschen in einen anderen. (...) Aber mein altes Ich war immer noch da. Und ich hatte das Gefühl, mein altes Ich umzubringen, und das wollte ich nicht tun." Jetzt, fünfzehn Jahre später, steht sie vor ihrer Tochter.
Auch Gráinnes Stiefmutter ist gegangen. Geflüchtet vor Gráinne, deren Zerstörungswut und Selbsthass die Familie auf eine harte Probe stellt. Gemeinsam mit den beiden Söhnen Tom und Johnny ist sie für eine Woche in den Norden Finnlands gefahren. Eine Woche in der Wildnis. Eine Woche, die für alle Familienmitglieder eine Reise zu sich selbst wird.
Roddy Doyle erzählt in zwei parallelen Handlungssträngen eine Geschichte vom Finden. Eine Geschichte von Vertrauen und Hinhören, von den Weiten der menschlichen Seele. Wir folgen Tom und John gemeinsam mit ihrer Mutter in die unendliche Schneewüste, fliegen mit ihnen blind auf Hundeschlitten sitzend hinter unbeirrbaren Huskys durch die Welt. Reduziert auf den Instinkt, aller Sinne beraubt, bleibt nur das Vertrauen. Als ihre Mutter verunglückt, hilft eben jenes Vertrauen in den Instinkt Johnny und Tom sie im dimensionslosen Raum der Schneelandschaft wiederzufinden.
Und Gráinne. Auch sie begleiten wir auf einer Reise, die jeglichen Orientierungspunkten entbehrt. Zwischen Sehnsucht und Wut taumelnd klammert sie sich an den Wunsch nach einer Mutter. Nach ihrer Mutter. Nach der Wiederherstellung einer Weltordnung, in der Urvertrauen die Basis aller Abenteuer ist.
In einem spannenden, zugleich wunderbar schwebenden Roman gelingt es Doyle, Unaussprechliches in einer kraftvollen, unmissverständlichen Bildsprache lesbar zu machen. Zwischen Schnee und Eis, der Verlorenheit eines Cafés, unbeirrbarem Instinkt und stummer Angst begleiten wir Doyles Figuren auf ihrem Weg zu sich selbst. Ein Jugendroman von unaufdringlicher Tiefe und großer Intensität. Ein Lehrstück über die Macht des Selbst.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 ar, Bremen

  in der AJuM Datenbank Ja
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