GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Adler-Schäfer, Christina
Titel Vom kleinen Spatz, der nicht fliegen wollte
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Kopnarski, Dagmar
ISBN 978-3-941870-01-7 Reihe
Verlag Robert Schäfer, Viernheim, 2010
Seitenzahl Preis 19,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Bilderbuch
Zielgruppe 0-3
4-5
6-7
Inhaltsangabe Das großformatige Bilderbuch (38 x 27,5 cm) erzählt in kurzen Sätzen und großformatigen, großflächigen Bildern die Entwicklung des kleines Spatzenkindes, das erst spät - nach innerem Antrieb - zu fliegen beginnt. Ein Buch, das sich mit seiner Botschaft - gebt jedem Kind die eigene Entwicklungszeit - besonders an Eltern und Erzieher wendet und für Kleinkinder Identifikationsmöglichkeit bietet.
Beurteilungstext So großformatig das Buch ist, so eindrucksvoll sind auch die Protagonisten in der Darstellung: Allen voran der kleine Spatz, die Schnecke, die schwarze Spinne, die Blattläuse. Die seitenfüllenden, farbenfrohen, weich abgestuften Farbflächen mit den darüber gemalten Akteuren, die mit ihren Proportionen dem Kindchenschema folgen, machen Freude beim Anschauen und fördern das Mitschwingen. Die Vögel sind stark vereinfacht dargestellt mit rundlichen Körperformen, ohne Federkleid, lediglich mit zartem Flaum. So kann sich der Betrachter auf das Wesentliche konzentrieren.
Die wenigen Texte wurden zwischen die Bilder gestreut. Die Sätze können überwiegend von Kindern ab drei Jahren verstanden werden. Lautmalerische Ausdrücke wie Hmm, Uuuaaahhh oder Huiii machen die Geschichte lebendiger. Ein Spannungsbogen entsteht durch die Erwartung, wann der kleine Spatz nun endlich fliegen will.
Auf den ersten Blick ein anrührendes Bilderbuch, dessen Absicht sehr erstrebenswert ist: Die Erkenntnis bei Erwachsenen zu wecken, dass jedem Kind die eigene Zeit zur Entwicklung gegeben werden sollte. Also: Ein Buch an die Eltern? Mit Sicherheit. Kinder der Zielgruppe werden durch Identifikation aber wohl nicht zu diesem Fazit kommen, können sich jedoch mit dem kleinen Spatz identifizieren und beim späten Erfolg mitschwingen.
Leider vernachlässigen die Autoren in diesem Buch die gewünschte abwartende Haltung; denn die ZEIT, auf die mehrmals in der Geschichte hingewiesen wird, kommt im Ablauf der Geschichte an entscheidender Stelle zu kurz: Nach dem Satz “Die Lust aufs Fliegen war dem kleinen Spatz jetzt ganz und gar vergangen” folgt auf der nächsten Doppelseite bereits der Zeitraffersatz, dass “irgendwann einmal ... etwas geschah”. Der kleine Spatz beginnt urplötzlich zu fliegen, während der Leser bzw. Betrachter noch dieses “ganz und gar vergangen” im Sinn hat. Da wird also eine innere Entwicklung total verkürzt bzw. nicht spürbar gemacht. Das hätte durch zwei bis drei Seiten verdeutlichst werden können, auf denen gezeigt wird, was der kleine Vogel sonst so alles kann und tut. Unstimmig zeigen sich auch einige rationale Dinge. Wie kommt die Schnecke hinauf ans Spatzennest? Wieso lassen sich die Eltern ausgerechnet von einer Elster beraten, die Nestlinge als Futter betrachtet? Der an und für sich lustige “Flug-o-mat” wird fragwürdig, wenn Kinder rätseln: Wie kommt der kleine Spatz da hin?
Wer diese realen Bezüge für fiktive Geschichten als unwichtig erachtet, der mag - ganz emotional und großzügig - dieses liebevoll gemalte Bilderbuch wohlwollend betrachten, vorlesen und die Botschaft verinnerlichen.
Das Buch in dem etwas unhandlich großen Format hätte durch geringere Maße nichts eingebüßt.
Eine eingelegte Broschüre der Autorin und Diplom Psychologin kommentiert auf 12 Seite, wie Kinder am besten begleitet werden, um sich in aller Ruhe gesund zu entwickeln. Ein direkter Bezug zum Buch wird nicht hergestellt.
Bewertung

 eingeschränkt empf.

Rezensent

 RSchV, Nordrhein-Westfalen

  in der AJuM Datenbank Ja
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