GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Bredsdorff, Bodil
Titel Unter Brüdern
Übersetzer / Originalsprache Zöller, PatrickDänisch
Illustrator
ISBN 978-3-8251-7669-3 Reihe
Verlag Urachhaus, Stuttgart, 2009
Seitenzahl 111 Preis 12,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
ab 18
Inhaltsangabe Nach dem Umzug der Künstlerfamilie in ein altes Landhaus ohne Komfort freunden sich die beiden Nachbarsjungen nach einer handfesten Prügelei miteinander an. Beide tragen und ertragen ihre Familien: den prügelnden Alkoholiker-Vater der eine, den anspruchsvollen Künstler-Vater der andere, auch als dieser die Familie verlässt, weil er den unerwarteten Erfolg seiner Frau nicht verträgt.
Beurteilungstext In manchen Teilen wirkt diese Erzählung wie ein Rückblick auf selbsterlebte Kindheit. Die dänische Autorin lässt uns die Jungenfreundschaft so eindrücklich miterleben, dass wir als LeserInnen Teil haben an den Spielen der Jungen wie an ihrer Verzweiflung über das Verhalten der Erwachsenen. Doch auch Gleichaltrige kommen nicht gut weg. Da ist der unverschämte Große in der Dorfschule, der den Neukömmling schikaniert, bis ihm sein Freund nachdrücklich zu Hilfe kommt.
Beeindruckend werden aus der kindlichen Perspektive die beiden Mütter in ihrem Alltag, ihrer Freundschaft bei aller Gegensätzlichkeit geschildert. Die Frau des Alkolikers, die sich nicht gegen ihren Mann und seine Schläge durchsetzen kann, aber ihn dennoch auffängt, als er nach einem Schlaganfall hilfsbedürftig wird. Daneben die Künstlerin, für den Jungen die Mutter, die das tägliche Leben und Überleben organisiert, durch ihren unerwarteten Erfolg bei einer Ausstellung plötzlich von ihrem Mann als Konkurrentin angesehen wird, was er nicht erträgt. Für sie bedeutet der Weggang des Mannes Befreiung und die Möglichkeit eigenen Erfolges und eines besseren Lebens. Auch sie nimmt den Mann (und Vater) wieder auf, als er mit neuer Einsicht zurückkehrt. Zwei starke Frauen, zwei starke Jungen, zwei Väter, die mit ihren Rollen nicht klarkommen.
Aber diese “Erwachsenen”geschichte steht nicht im Vordergrund, sondern die Entwicklung der Freundschaft zwischen den beiden Jungens. Das macht das Buch für junge wie erwachsene LeserInnen lesenwert und kann bei pubertären Überlegungen zum eigenen Rollenverständnis beitragen.
Der Erzählstil wirkt leicht. Die Autorin bindet Natur und Gesellschaft in einer ländlichen Gegnd geschickt mit ein, was durchaus spannende Elemente wie das Eingeschlossensein bei Schneesturm mit sich bringt.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 uwo, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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