GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor BELITZ, Bettina
Titel Splitterherz
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-8390-0105-9 Reihe
Verlag Script 5, Bindlach, 2010
Seitenzahl 632 Preis 19,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Fantasy
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
12-13
Inhaltsangabe Die 17-jährige Elisabeth zieht mit ihren Eltern von Köln auf das Land in den Westerwald. Für sie eine trostlose Situation, bis sie in der Sporthalle auf einen sonderbaren jungen Mann beim Karatetraining trifft. Irgendwie lässt er sie nicht mehr los und sie kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur.
Beurteilungstext Die von Stephenie Meyer angekurbelten Liebesgeschichten zwischen Menschenmädchen und überirdisch schönem „Monstermann“ gehen in eine neue Runde. Aber zum Glück ist es kein Vampir, den Bettina Belitz als Zielobjekt ihrer Ich-Erzählerin ausgewählt hat, sondern der 128 Jahre alte, aber wie jugendliche 20 aussehende Colin Blackburn, seines Zeichens ein „Nachtmahr“. Dieser macht alsbald, nachdem Elisabeth dahinter gekommen ist, dass ihn ein Geheimnis umgibt, auf ironische Weise ziemlich deutlich, was er von den in der neuesten Jugendliteratur glorifizierten Vampiren hält: „Ach, ihr mit euren ewigen Vampiren. […] Immer diese Verherrlichung der Blutsaugerei. […] Außerdem gibt es Wichtigeres als – Blut.“ (S. 232). Und dieses sind für die Nachtmahre die schönen Träume der Menschen, obwohl es so ganz ohne Blut auch nicht geht, wie der schöne Mahr andeutet.
Damit es aber nicht bei einer nur von kleinen – selbstverständlich durch den Unterschied Mensch/Nachtmahr bedingten – Unstimmigkeiten und ansonsten harmonischen Annäherung bleibt, muss freilich noch ein passender Gegenspieler her. Da ist einerseits Elisabeths Vater als das kleinere Übel. Erst durch den Kontakt mit Colin erfährt Ellie von dem dunklen Familiengeheimnis, das ihr viele offene Fragen zu den Eltern und dem Bruder beantwortet: Als junger Mann wurde ihr Vater in der Karibik Opfer eines Nachtmahrs, konnte sich aber der vollständigen Verwandlung in solch eine Kreatur widersetzen und versucht seitdem als Vermittler zwischen jenen und den Menschen zu agieren.
Andererseits wird durch die glücklichen Gefühle Colins seine Schöpferin und zugleich ehemalige Geliebte Tessa, eine uralte Mahrin, angelockt. Dabei handelt es sich um eine überaus interessant gestaltete Figur, die dank Zauberei auf männliche Wesen überirdisch anziehend wirkt, aber doch eigentlich eine widerwärtige alte Vettel (O-Ton Colin) ist. Mit ihr kommt es zu einem spannend gestalteten Finale, in dem selbstverständlich mit tierischer und menschlicher Unterstützung Colin siegt – allerdings um den Preis, sich von Ellie trennen zu müssen. Wohin der Mahr verschwindet und ob eine Chance auf eine Rückkehr besteht, bleibt offen. Die Verkaufszahlen werden es zeigen...
Alles in allem lässt sich festhalten: Ein durchgehend spannender Roman, der sich trotz Anleihen wohltuend von den häufig Bella und Edward nacheifernden Vampirgeschichten abhebt und – bitte schön – einmal nicht fortgesetzt und unbedingt in einen Mehrteiler ausarten muss. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass Titel und Gestaltung des Einbands alles andere als glücklich gewählt ist: Beide wirken wie platte „Backfischliteratur“.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 str, Nordrhein-Westfalen

  in der AJuM Datenbank Ja
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