GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor WASSERMAN, Robin
Titel Skinned
Übersetzer / Originalsprache Max, ClaudiaAmerikanisch
Illustrator
ISBN 978-3-8390-0106-6 Reihe
Verlag Script 5, Bindlach, 2010
Seitenzahl 376 Preis 16,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Klassenlesestoff
Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Science Fiction
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Die Welt in der Zukunft: Nach einem Autounfall ist der Körper der 17-jährigen Lia nicht mehr „reparabel“. Da die Eltern ihr Kind aber nicht verlieren wollen, lassen sie einen sogenannten Download vornehmen, bei dem die Inhalte des Gehirns in einen künstlichen Körper übertragen werden – für die neue Lia beginnt ein Kampf mit sich und ihrer Umwelt: Wer oder was ist sie? Welche Bedeutung hat sie noch?
Beurteilungstext Angesiedelt in einer – hoffentlich nicht allzu – nahen Zukunft zeigt Robin Wasserman in ihrem Science Fiction-Roman „Skinned“ eine Anti-Utopie des medizinisch-technischen und gesellschaftlichen Fortschritts auf. Aus der Perspektive der 17-jährigen Lia Kahn nimmt der Leser Anteil daran, mit welchen psychischen und sozialen Problemen ein sogenannter „MechHead“ nach einem „Download“ konfrontiert ist: Als Lia nach einem sehr schweren Verkehrsunfall im Krankenhaus aufwacht, kann sie nicht glauben, dass sie noch lebt, das Gleiche gilt für die Menschen, die an ihrem Bett stehen. In einer parataktischen, teils elliptischen Sprache werden eindringlich Lias Gedanken beschrieben, die ihr bei der Rückkehr ihrer Gefühle und später auch körperlichen Empfindungen durch den Kopf schießen. Allerdings erfährt der Leser nicht unmittelbar zu Beginn der Handlung, was mit dem Mädchen passiert ist, denn die beschriebenen Gefühle und physischen Zustände lassen auf eine vollständig gelähmte, später sich langsam regenerierende Figur schließen, die noch vor Kurzem glaubte, tot zu sein. Dann meint der Leser, die Protagonistin sei einer Art Gehirntransplantation unterzogen worden, um in einem gesunden Körper weiterleben zu können. So klärt sich erst nach etwa 30 Seiten, dass Lia gar kein Mensch mehr ist, sondern dass ihre Eltern bei ihr einen sogenannten Download haben durchführen lassen: Dem vom Unfall zerstörten und nicht mehr lebensfähigen Körper wurde das Gehirn entnommen und dessen neuronale Strukturen auf einen Computer „heruntergeladen“, der in einem künstlichen, aber lebensechten Körper steckt. Mit anderen Worten: „Lia Kahn ist tot. Ich bin Lia Kahn.“ (S. 7)
Was sich im Folgenden abspielt, ist einerseits eine sicherlich nicht neue Suche nach einer Identität, wie es in Adoleszenzliteratur üblich ist. Andererseits, und das zeichnet Wassermans Roman aus, liegt eine Verquickung mit philosophischen und ethischen Fragestellungen, die mal direkt, mal indirekt angesprochen werden und deutlich über jugendlichen Weltschmerz hinausgehen. So wird die vordergründige Selbstverständlichkeit der pränatalen Selektion bestimmter Eigenschaften hinterfragt, das Recht auf Sterben, der Stellenwert von Religion, die Technisierung der Gesellschaft, der Umgang mit dem Fremden etc.
Alles in allem ist „Skinned“ ein Buch mit Tiefgang, dass sich in eine Reihe mit Charlotte Kerners Sci-Fi-Romanen stellen lässt und in der Schule viel Anlass zur fächerübergreifenden Diskussion bietet.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 str, Nordrhein-Westfalen

  in der AJuM Datenbank Ja
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