GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Heitmann, Tanja
Titel Schattenschwingen
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-570-16067-1 Reihe
Verlag cbj, München, 2010
Seitenzahl 445 Preis 16,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Fantastische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
Inhaltsangabe Mila schwärmt nun schon seit Jahren für Sam. Dabei hat der sie bisher gar nicht bemerkt. Doch dann passiert das Unglaubliche. Gerade als Mila mit ihrem Schicksal hadert, weil mal wieder eine Mathearbeit ansteht, bietet ausgerechnet Sam ihr Nachhilfe an. Kurz darauf verschwindet er jedoch spurlos. Ist er wirklich über den Klippenrand gestürzt? Das kann Mila nicht glauben. Ihr Sam ist etwas Besonderes, und tot ist er ganz bestimmt nicht. Als er dann aber zurückkehrt, ist er ein anderer geworden.
Beurteilungstext Schattenschwingen ist der erste Teil einer Phantasie-Trilogie.
Die fünfzehnjährige Mila Lavender ist eine kleine Träumerin. Sie lebt im Küstenort St. Martin und sieht dank ihrer künstlerischen Ader manches anders. Seit sie neun Jahre alt ist, schwärmt sie nun schon für den zwei Jahre älteren Samuel Bristol, kurz Sam genannt. Sie himmelt ihn aus der Ferne an. Sam umgibt ein Leuchten, das aber allein Mila auffällt. Seine starke Ausstrahlung entgeht aber keinem. Alle werden von ihm angezogen. Selbst Milas großer Bruder Rufus erliegt dessen Aura und bemüht sich erfolgreich um Sams Freundschaft.
Und bald bemerkt auch der Leser, dass Sam wirklich anders ist. Sam hat eine gestörte Verbindung zur Welt. Er fühlt sich fremd, nicht zugehörig und weiß doch nicht, warum. Er will gerne Teil dieser Welt sein, kann es aber nicht.
Mila selbst ist in einer recht gewöhnlichen Familie aufgewachsen, obwohl ihre Mutter Reza ein rothaariger Hippie und ihr Vater Daniel ein Meeresbiologe ist. Die Lavenders sind eine harmonische Familie. Hier interessiert man sich füreinander. Natürlich ärgert der ältere Bruder die kleine Schwester und man ist nicht immer mit den Anordnungen der Eltern zufrieden, aber wo gibt es denn gar keine Meinungsverschiedenheiten? Bei Sam sieht das ganz anders aus. Er kommt aus einem zerrütteten Familienhaus. Seine Mutter hat ihn und seine ältere Schwester Sina verlassen, der gewalttätige Vater Jonas trinkt.
Die Beziehung zwischen Mila und Sam steht im Mittelpunkt der Geschichte. Beide nähern sich sehr zögerlich aneinander an. Es knistert gewaltig zwischen den beiden, aber Sam und Mila spüren auch ihre Liebe zueinander sehr deutlich. Und darum wollen sie kämpfen. Nicht nur Milas Eltern stehen dem Paar skeptisch gegenüber. Auch von Rufus ist keine Hilfe zu erwarten. Er will einerseits seinen Freund nicht teilen und versucht andererseits, seine Schwester zu beschützen.
Als Rufus dann blutüberströmt von einem Treffen zurückkommt und Sam nicht auffindbar ist, kommt es für die Familie zu einer Zerreißprobe. Aber Mila gibt die Hoffnung nicht auf. Sie glaubt nicht an Sams Tod und sie soll Recht behalten. Und wirklich: Sam kommt an Milas 18. Geburtstag zurück. Aber er hat sich verändert. Er hat seine wahre Natur gefunden und den Ort, an den er gehört. Da sind die schattenhaften Schwingen, die ihn fliegen lassen, er kann die Gedanken der Menschen manipulieren, muss nicht mehr essen, spürt keine Kälte, … er ist ein anderer geworden. Nun beginnt eine ganz neue Geschichte. Alles andere war reines Vorspiel, das Phantastische tritt stärker hervor. Und jetzt erst wird der Buchtitel verständlich, denn Sam ist eine Schattenschwinge. Er lebt in der Sphäre und nimmt Mila dorthin mit. Während diese Welt aber Sams neues Zuhause ist, weiß Mila, dass sie dort nur Gast sein kann. Wo Sam Farbe sieht, ist für sie alles schwarz-weiß. Einzig die Augen der Schattenschwingen haben große Leuchtkraft. Und von den Bewohnern der Sphäre sind auch nicht alle friedfertig. Die Schattenschwingen haben schon lange den Kontakt zur menschlichen Welt verloren, seit einem großen Krieg. Und die Verbliebenen sind nicht alle entzückt über Milas Besuch oder Sams Unruhe, die er in ihre Welt bringt.
Zudem gibt es in der Sphäre eine sehr böse Macht, die sowohl Sam als auch Mila schon mehrfach gespürt haben. Zunächst saß der Schatten im Reich der Träume fest. Wer er ist, lässt sich nur erahnen. Sicher aber ist, dass von ihm eine tödliche Gefahr ausgeht. Nun muss man warten. Aber "Schattenschwingen" ist schließlich der erste Teil einer Trilogie, da sollte auch noch etwas offen bleiben.
Das Buch ist spannend geschrieben und bei den Ereignissen wird es wohl auch spannend bleiben. Ich denke, besonders wegen der Liebesgeschichte ist es eher ein Buch für Mädchen. Aber auch die Freundschaft ist immer wieder Thema. Was muss eine Freundschaft aushalten und was sollte sie nicht erdulden?
Tanja Heitmann arbeitet mit Perspektivwechseln. So wird ein Teil der Geschichte aus der Sicht von Mila, ein anderer aus der Sicht von Sam erzählt. Beide ergänzen sich und es gibt nur kurze Überschneidungen. So ist es ihr gelungen, dass der Leser sich in beide Protagonisten gut hineinversetzen kann. Nicht nur die Gefühlswelt der beiden Akteure, auch die Umgebung wird sehr eindrücklich gezeichnet. Die detaillierten Beschreibungen haben mir jedenfalls gut gefallen.
Verwundert hat mich, dass die letzte Seite von jedem Kapitel immer ohne eine Angabe der Seitenzahl erfolgt. Schade ist, dass sich einige Rechtschreibfehler eingeschlichen haben. So sagt Mila auf Seite 290 zu Sam: "In der Kajüte fliegt garantiert eine Badehose von Rufus herum, aber vielleicht war es ja genau so gemeint?!
Mit der Sphäre hat Tanja Heitmann eine eigene Welt geschaffen. So bleibt offen, was diese Parallelwelt noch alles vorborgen hält. Nicht nur Mila erscheint sie ja anfangs trostlos. Werden Sam und sie es schaffen, die Sphäre auch für Menschen heimisch zu machen oder bleibt diese nur den Schattenschwingen vorbehalten?
Schade ist auch, dass man noch bis Februar nächsten Jahres warten muss, bis der zweite Teil erscheinen soll. Und dann wohl noch ein weiteres Jahr auf den letzten? Der Titel des zweiten Bandes scheint auch noch nicht festzustehen, eine spannende Vorankündigung gibt es hingegen schon. Aber ich denke, dass sich das Warten lohnen wird. Ich möchte auf jeden Fall wissen, wie die Geschichte ausgeht. Spannend war das Buch und ich freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit allen Bekannten aus der Sphäre und aus St. Martin.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 DaGO, Sachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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