GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Hesse, Andreas
Titel Schattenglut
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-7941-8090-5 Reihe
Verlag Sauerländer bei Patmos, Düsseldorf, 2009
Seitenzahl 415 Preis 18,00 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Hardcover Gattung  Fantasy-Roman
Zielgruppe 12-13
Inhaltsangabe Die Welt ist durch den Einbruch von Magie ein lebensfeindlicher Raum, in dem das Böse Heerscharen versammelt, um die Macht zu übernehmen. Sonja und Alex, mit besonderen Kräften ausgestattet, stellen sich dem entgegen und verteidigen den letzten Rückzugspunkt, die Goldene Stadt. Als der mysteriöse Ethan auftaucht, wird die Lage verzweifelt. Tore zu anderen Welten müssen aufgestoßen werden, um Verstärkung zur Verteidigung zu holen. Doch die dunkle Seite der Magie scheint stärker.
Beurteilungstext Dieser Roman beweist schlagend, dass es nicht reicht, eine Handlung in einer phantastischen Welt zu verankern und ein Endzeitszenario hinzuzufügen, um einen spannenden, in sich schlüssigen Fantasy-Roman zu erhalten. Innere Logik ist etwas, das auch einem Fantasy-Roman zugrunde liegen sollte. Die mehr als 400 Seiten ziehen sich, die Figuren sind eindimensional und entwickeln sich nicht, trotz der Ereignisse, die sie durchleben, und der Freunde, die sie verlieren. Auch dies fällt unangenehm auf: der "body count" des Romans muss in den Hunderten oder Tausenden liegen, Mord und Totschlag dominieren die Handlung, ohne dass im Hintergrund spürbar wird, was Moral ist. Keine literarischen Mittel zu finden, um zu zeigen, dass das Widerliche dieser Welt nicht gutgeheißen wird, mutet seltsam an.
Der gesamte Band wirkt wie ein Computerspiel, in dem Horrorgestalten in großer Zahl zur Strecke gebracht werden müssen und auf beiden Seiten (Gut und Böse) zahlreiche Opfer fallen. Auch in solchen Spielen wird sicher wenig kommentiert. Das literarisierte Computerspiel hat allerdings keine Graphikkarte, die die Monster plastisch auf der Buchseite erscheinen lässt. Sie werden immer wieder mit denselben Phrasen charakterisiert und genausowenig wie die Protagonisten fassbar. Ein großes Manko für einen Roman.
Die stilistische Unsicherheit, die sich in häufigen Wiederholungen spiegelt, macht den Leser nicht gewogener ("innerhalb weniger Herzschläge" oder "ein paar Herzschläge später" begleiten einen ohne Unterlass bis zum Überdruss; weniger pompöse Ausdrücke mit etwas mehr Variation wären wohltuend). Die Bilderarmut der Sprache, die manchmal eigentümliche Semantik (z.B. S. 45 "Der Lärm dämpfte sich etwas": Lärm kann nur durch ein Agens gedämpft werden, sich aber nicht selbst dämpfen), die einfache Syntax machen 400 Seiten extrem lang.
Auch die Handlung scheint aus Versatzstücken und nicht sehr ausgewogen zusammengesetzt zu sein. Die beiden Handlungsstränge um Sonja, die die Goldene Stadt verteidigt, und ihren Bruder Alex, der auszieht, um dem Bösen zuvorzukommen, sind sehr ungleich gewichtet. Fast scheint es, der Autor habe eine Zeitlang vergessen, dass der zweite Handlungsstrang ebenfalls vorangebracht werden muss. Die Handlung um Alex wird mit langweiliger Ausführlichkeit beschrieben, ohne dass Nennenswertes passiert, während das Geschehen um Sonja an einem Handlungshöhepunkt zu lang unterbrochen wird, ein cliff hanger ist dies nicht mehr.
Würde das Plot mehr um die phantastischen Welten und das Prinzip der untereinander verbundenen, aber normalerweise versiegelten Weltenübergänge, ihre Herrscher und ihre jewiligen besonderen Kräfte kreisen, wäre vielleicht ein interessantes Buch entstanden. Auch wenn all diese Prinzipien nicht neu sind (Pullmans "His Dark Materials"-Trilogie dreht sich um solch verbundene Welten und den Kampf gegen das Böse; "Weltenfürsten" mit speziellen übersinnlichen Kräften gibt es nicht nur in der TV-SciFi-Serie "Heroes" oder SciFi-Filmen), hätte die Mischung den Roman mit solch einem Fokus vielleicht interessant gemacht. Aber dafür ist die Gewalt, das Dunkle, die Bedrohung viel zu sehr im Vordergrund, oft ohne erkennbaren Grund. Sie scheint einzig dazu zu dienen herauszustellen, wie abgrundtief schlecht die böse Seite ist. Wenn der Autor dies nicht auf andere Weise darzustellen vermag, kann man das beklagenswert finden.
Gewalt, die in ihrer Intensität schon wieder langweilig und alltäglich wird, ist sicherlich fragwürdig.
Es macht Mühe, diese Buch von Anfang bis Ende zu lesen. So zäh und platt kann Fantasy sein. Mit 18 EUR ist das Buch außerdem nicht günstig. Wenn denn jemand darauf brennt, die Fortsetzung des ersten Bandes zu lesen, ist Warten auf die preisgünstigere Taschenbuchausgabe angeraten.
Bewertung

 nicht empfehlenswert

Rezensent

 EH, Baden-Württemberg

  in der AJuM Datenbank Ja
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