GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Leon, Donna
Titel Schöner Schein
Übersetzer / Originalsprache SchmitzAmerikanisches Englisch
Illustrator
ISBN 978-3-257-06745-3 Reihe
Verlag Diogenes, Zürich, 2010
Seitenzahl 344 Preis 21,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Kriminalerzählung
Zielgruppe 16-17
ab 18
Inhaltsangabe Commissario Brunetti erhält den Anruf eines Carabinieri, der in einem Mordfall um Hilfe bittet, nicht aber mit den notwendigen Informationen heraus rückt. Bevor Brunetti genauer in die Materie einsteigen kann, wird auch der Carabinieri ermordet. Darauf erst dringt er bis zum Täter vor und zu der Verquickung mit einem tragischen Fall, der die Klatsch-Szene Venedigs beschäftigt, weil sie der Sache natürlich nicht auf den Grund geht.
Beurteilungstext Eigentlich steht in diesem Krimi gar nicht ein Mord im Vordergrund - obwohl es deren vier gibt -, sondern das Mafiöse der Berlusconi-Regierung. Da diese aber nicht einmal mit Namen genannt wird, ist dieser Kriminalroman auch wohl noch in 10 oder 20 Jahren lesbar und aktuell. Die Mafia-Strukturen durchdringen die Wirtschaft auch Norditaliens, die Müllmafia strukturiert sich um, Afrika und China sind involviert, die Ausmaße sind gigantisch. Funktionieren tut das Ganze aber nur, weil bis in die persönliche Atmosphäre hinein die Sucht nach Profit das Leben beherrscht.
Für Deutschland unvorstellbare Strukturen im Gesundheitswesen zeitigen kriminelle Handlungen, die weitere nach sich ziehen, und die Verquickung dieser beiden Problemkreise macht die Handlungsstruktur dieses sehr ruhigen Krimis aus.
Etwas völlig anderes aber ist die Sprache der Dialoge Donna Leons. Ich habe noch keinen Krimi gelesen, in dem derart höflich, verhalten und zuvorkommend gesprochen wird. Wenn anderes zur Sprache kommen sollte, wird geschwiegen - wie überhaupt Vieles verschwiegen wird, zurückgehalten wird. Und darin begegnen sich die Mafia-Welt und das Bürgertum Venedigs. Die begüterten Schwiegereltern Brunettis sind die eigentlichen Hauptpersonen, dennoch bleiben sie vornehm im Hintergrund der Handlung. Da der Schwiegervater aber “den Kapitalismus im Blute hat”, scheut er auch vor Investitionen nicht zurück, die humanitärem Geschäftsgebaren nicht entsprechen - so ist der Kapitalismus eben. Geld hat kein Gewissen. Und wenn der Staat nicht regulierend eingreift oder wenigstens die Handlungen untersucht und verfolgt, können die Mafia-Methoden alle Bereiche des Lebens ergreifen.
Die vornehme, Rücksicht nehmende Sprache der Protagonisten ist es, die mich diesen Krimi besonders für junge Leser empfehlen lassen. Davon kann man nur profitieren.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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