GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Hijuelos, Oscar
Titel Runaway
Übersetzer / Originalsprache Ohnemus, GünterAmerikanisches Englisch
Illustrator
ISBN 978-3-596-85382-3 Reihe Die Bücher mit dem blauen Band
Verlag Fischer Schatzinsel, Frankfurt, 2010
Seitenzahl 349 Preis 19,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 14-15
ab 18
Inhaltsangabe Rico wächst als hellhäutiger Sohn einer schwarzen aus Kuba stammenden Familie in New York auf, irgendwie hat er das als Einziger von seinem Großvater ererbt. Seine Hautfarbe macht es ihm innerhalb des Ghettos noch schwerer, als das Leben inmitten von Gewalt, Drogen und Alkohol ohnehin ist. Mit 15 zieht er zu einem Freund, der es zu einer Farm im Mittelwesten geschafft hat. Er fühlt sich das erste Mal frei und wohl, bald aber sieht er auch dort Gewalt und kehrt zu den Eltern zurück.
Beurteilungstext Der Ich-Erzähler hat Qualitäten, die er - ebenso wie seine Freunde - im Harlem der 60er Jahre nicht so recht nutzen kann. Ein Freund gewinnt im Lotto und mietet sich eine Farm, ein anderer versinkt im Drogensumpf. Auch Rico droht das, alternativ dazu die Militärakademie, in die ihn sein Vater pressen will. So reißt er zusammen mit dem Drogen-Freund, der nach einem Unfall gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurde, aus und beide trampen nach Wisconsin. Auf der Farm erwartet sie eine völlig andere Welt. Der Lotto-Gewinner dilettiert in der Landwirtschaft, Rico bekommt einen Job als Nacht-Tankwart, der Drogenfreund steigt auf Tabletten um und wird später fast clean. Natur und körperliche Arbeit beeinflussen ihn positiv, er lernt ein nettes Mädchen kennen - aber er wird nicht heimisch. Er ist und bleibt eine Stadtpflanze und sehnt sich nach seinen Eltern, so sehr ihm die zuvor auch auf die Nerven gingen.
Dass das Landleben nicht reine Freude ist, erfahren die Kumpane am laufenden Band, es gibt auch dort Lügner und Betrüger, Ganoven und Gewalttätige, denen sie nicht ausweichen können. Nur erkennen sie die nicht so schnell, wie Rico das in Harlem gelang.
Und er muss sehen, wie seine Eltern darunter leiden und kaputt zu gehen drohen, dass er sie verlassen hat.
Also gibt er alles auf und kehrt zurück.
Das Ganze spielt in der Vergangenheit, unsere Gegenwart ist so anders, dass nicht klar ist, ob ein solcher Exkurs heute noch möglich wäre, oder ob er heute ganz anders verliefe.
Gleich wäre aber die Situation eines Pubertären, der sich von Zuhause loslösen will, keine Chance für sich sieht und die sich bietende Gelegenheit nutzt, dem zu entfliehen. Aber Stadtleben und Landleben sind dermaßen unterschiedlich, dass sie nicht vereinbar sind - ein Wechsel wohl aber eine Pause im atemlosen Leben innerhalb eines (inneren oder äußeren) Ghettos bieten kann. Rico entscheidet sich zur Rückkehr in die Familie. Ob er stark genug geworden ist, den Gefährdungen der Großstadt zu widerstehen, wird sich erweisen, Hoffnung darauf kann er berechtigterweise haben.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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