GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Löbner, Ruth
Titel Papa, Jonas und der Tauschsonntag
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Büchner, Sabine
ISBN 978-3-939944-41-6 Reihe
Verlag Tulipan, Berlin, 2010
Seitenzahl 60 Preis 12,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten für Arbeitsbücherei
Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Erzählung
Zielgruppe 6-7
8-9
Inhaltsangabe Papa ist ein Pechvogel. Immer wenn Jonas am Wochenende bei ihm ist, geht alles schief. Nach einem Samstag voller Pannen hat Jonas eine super Idee. Am Sonntag tauschen sie einfach die Rollen.
Das klappt hervorragend, bis sie an der Eisbude eine Überraschung erleben.
Beurteilungstext Mit den ersten beiden Absätzen entsteht die wichtige Spannung die eine Erzählung haben sollte, um neugierig zu machen. Entweder weil es spannend, witzig oder wie hier einen persönlichen Bezug hat.
Für Kinder mit wechselnden Besuchsregelungen bei Papa und Mama ist diese Buch ein Glücksgriff und als Lesefutter nachhaltig und nicht schnell vergessen.
Es zeigt neue Denkweise und bricht Klischees auf. Doch das Besondere an dieser Vorlesegeschichte ist die Selbstverständlichkeit, mit der in Text und Bild gezeigt wird, wie sich Kinder mit den wechselnden Aufenthaltsorten zurecht finden müssen.
Ein vom Pech verfolgter Papa ist hilfsbedürftig und Jonas übernimmt die Verantwortung ohne überfordert zu werden.
Vater und Sohn tauschen die Rollen, denn was der Vater dem Kind an Sicherheit geben soll, gibt es nicht, also muss das Kind dem Papa Sicherheit und Selbstvertrauen geben. Wie der Autorin dies gelingt ist meisterlich.
Die hängenden Gesichter in den Illustrationen widerspiegeln die gesamte Misere. Bilder, die sanft einladen zum Innehalten, zum Beobachten, Erzählen Beschreiben und Fabulieren.
Das Leben als Papa-Jonas ist gar nicht so schlecht. Sich Sorgenmachen gehört in dieser getrennten Familie zum Tagesgeschäft und drückt "du bist mir wichtig" aus.
Zeigt aber auch wie schwierig es Jonas hat, zwischen seinen beiden Leben hin und her zu wandern und dabei nicht den Überblick zu verlieren.
Der Tag wird beim Drachensteigen so richtig perfekt bis sie Mama knutschend am Eisstand treffen.
In dieser kompromittierenden, deutlichen Situation wird der Perspektivtausch der Figuren mehrdeutig und kompliziert.
Wer sagt was aus welcher Perspektive, wie wird die Verwirrung gefühlt, Papa als Jonas oder Jonas als Papa. Doch die Suche nach dem richtigen Verhalten wird durch dieses Hin- und Her stilistisch bekräftigt.
Jonas Wut auf Raul und Mama darf er rauslassen, und Papa als Jonas kann sich ebenso in der netten Rolle bewegen. Genial gelöst.
Eltern bleiben auch nach der Trennung die Eltern. Trennungs-Kinder brauchen vor allem Personen die sie ernst- und wahrnehmen, die intensiv Zeit mit ihnen verbringen und ihnen Respekt und Würdigung vorleben, um daraus eine Verbundenheit mit der Familie- wie groß diese auch sein mag- zu schaffen.
Sprachlich besticht das Buch durch wundervolle Metaphern, die verstehen auch schon 7jährige Zuhörer und schaffen neue Bilder im Kopf.
Es ist ein aufregendes und feinfühliges Buch, voller Witz und Zuneigung.
Aus der Masse der Vorlesebücher ragt es deutlich hervor, weil es mit Humor und Respekt die Protagonisten behandelt, sie in ihren Schwächen und Stärken liebenswert darstellt ohne zu bagatellisieren.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Han, Nordrhein-Westfalen

  in der AJuM Datenbank Ja
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