GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Gößling, Andreas
Titel Opus - Das verbotene Buch
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-414-82211-6 Reihe
Verlag Boje, Köln, 2009
Seitenzahl 507 Preis 18,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Roman
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Spannende Geschichte, historische Wirklichkeit der Welt um 1500: Amos muss das geheime, das "verbotene" Buch des Eremiten zum Auserwählten bringen, wer immer das sein mag. Dabei ist ihm die Inquisition auf den Fersen und die Zensurbehörde, denn der Inhalt des Buches wird den, der die vier Geschichten in sich aufnehmen kann, zum "Magier" machen. Eine gelungene Mischung von Spannung, Abenteuer, Liebe und Wissen.
Beurteilungstext Die Zeit um 1500 ist die Zeit der Umbrüche. Der unmündige Mensch erwacht, die Kunst entdeckt die Perspektive, es gilt nicht mehr das Wort der Kirche mit Ausschließlichkeits-Anspruch. Die Erde rückt aus dem Zentrum der Welt in eine Umlaufbahn um die Sonne, der Humanismus holt die alten Fragen der Griechen der Antike wieder hervor, und die Antworten werden nicht in der Bibel und erst recht nicht in der Kirche gesucht. Und zu allem Unglück für die, die Wissen bisher geheim hielten für sich, entsteht durch den Buchdruck mit beweglichen Lettern so etwas wie ‚Öffentlichkeit'.
Dass die Kirche den Machtverlust nicht kampflos hinnimmt, ist verständlich, aber die Mittel sind absolut die nicht die, die einer Lehre der Liebe angemessen wäre. Hochnotpeinliche Verhöre auf Streckbett und mit Daumenschraube, vergessene Gefangene in Kerkern. Alles und jeder, der sich mit der Vergrößerung des eigenen Wissens beschäftigt, ist verdächtig.
In diese Zeit stellt Andreas Gößling seinen 15-jährigen Auserwählten, lässt Amos in der Burg seines Onkels im Fichtelgebirge aufwachsen. In neun große Kapiteln gliedert er die fast 500 Seiten starke Geschichte, in der Amos der Hüter des Buches wird, an dem Valentin Kronus (nicht zufällig ein "sprechender" Name; Chronos = Gott der Zeit in der griechischen Mythologie) arbeitet. Es ist dies "verbotene Buch, das im Untertitel genannt wird, ein gefährliches Buch für den Schreiber wie für jeden Besitzer, denn es widerspricht dem Glauben des Christentums, enthält es doch die Kerne aller bedeutenden mystischen und magischen Werke. Wer immer diese Inhalte, gegliedert in vier scheinbar einfache Geschichten aufgenommen hat, wird selbst Teil um Teil zu einem Wesen mit "wunderlichen Fähigkeiten"
Als die Inquisition in den Personen des Inquisitors Leo Cellari und des Zensurbeamten Jan Skythis aus Nürnberg aktiv werden gegen Valentin Kronus. Der übergibt rechtzeitig das Buch an Amos, und für den beginnt ein völlig neues Leben. Er wird gehetzt, und während er das Buch liest, immer mehr zum Wissenden. Bald wird klar, wer der Auserwählte wohl ist, für den das Buch bestimmt ist.
Die Grausamkeiten dämpft Gößling in seinem Buch so, dass sie vierzehnjährige Leser durchaus ertragen können. Sie sind Teil der damaligen Wirklichkeit, in der - wie später auch - die Wissenden und die, sich nicht nur auf andere verlassen, von den Mächtigen gefürchtet werden, weil sie nicht Mitglied einer Schafherde sind, sondern Fragen stellen und nach Antworten suchen. Das "Buch" ist hier ein wunderbares Symbol für das, was die Unterdrücker zu fürchten haben.
Um so lebendig wie möglich zu bleiben, darf den Lesern auch eine Liebesgeschichte (Amos und Klara) zugemutet werden, denn ganz allein kann niemand in diesem Alter kämpfen, wenn ihm noch nicht einmal alle Bedingungen klar sind.

Ein tolles Buch, ein Roman, der neben der spannenden Handlung sehr viel historische Wahrheit transportiert (und einen 20-seitigen Anhang mitliefert). Wermutstropfen: Der zweite (und letzte) Band erscheint erst im November 2010.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 uhb, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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