GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Pausewang, Gudrun
Titel Omi liebe Omi
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Hayes, Stefanie
ISBN 978-3-473-34785-8 Reihe
Verlag Ravensburger, Ravensburg, 2010
Seitenzahl 191 Preis 12,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Erzählung
Zielgruppe 8-9
10-11
6-7
Inhaltsangabe Die achtjährige Liv wohnt mit ihrer Omi in einem Haus mit schönem Garten. Die Mutter ist als Reiseleiterin viel unterwegs. Als Omi stirbt, sucht die Mutter nach einer Lösung, was mit Liv jetzt geschehen soll. Doch Liv will nur, dass Omi wieder da ist! Was auf wunderbare Weise geschieht: Nacht für Nacht besucht die Großmutter sie und macht mit ihr Ausflüge in neue Welten. Dadurch kann Liv Abschied nehmen, wird erwachsener - und akzeptiert schließlich die Lösung, die ihre Mutter vorschlägt.
Beurteilungstext Ein Tod zunächst ohne Abschied: Wie erwachsen sind eigentlich achtjährige Kinder? Würden sie nicht erkennen, dass ein Mensch tot im Bett liegt? Und warum wird dem Mädchen Liv von der Postbotin, die Omis Tod feststellt, nicht gesagt, dass die alte Dame verstorben ist? Da findet eine unerklärliche Schonung statt. Noch schlimmer: Diese altmodische Vorgehensweise, Kindern den Tod vorzuenthalten, macht es Liv unmöglich, Abschied zu nehmen. Sie selbst stellt (am Anfang des zweiten Kapitels) die Frage: "Ist Omi tot?" Endlich ist es ausgesprochen.
Und jetzt setzt Livs Fantasie ein. Wir lesen von der träumerisch-traurigen Sehnsucht nach der verlorenen Großmutter, von den geheimnisvollen Düften des abendlichen Gartens, von dem vage Geahnten im Dämmerlicht. Von dort kommt die Großmutter in Livs Träume zurück, nimmt sie mit zu schwebenden Ausflügen, erklärt ihr, dass sie am Weltlichen kein Interesse mehr hat, dass die Zeit für sie ihre Gültigkeit verloren hat. In dieser Zwischenwelt besprechen sie auch Livs Zukunft, und behutsam erklärt die Großmutter, dass Livs Mutter bestimmt das Beste für sie vorhat. Das passt.
Doch nach den ersten drei nächtlichen Ausflügen findet ein Bruch statt. Wir verlassen die bisherige Welt des Mädchens. Die, nennen wir sie mal "Wissensausflüge, beginnen, die Liv in eine ihr bis dato unbekannte Welt der Fakten entführt. Diese Art von Abschied nehmen kann also nicht aus ihr selbst heraus kommen: Einmal schwebt Liv mit Omi in die Unterwasserwelt des Meeres, dann besuchen sie das Herz und den Blutstrom (was sehr an den alten Klassiker "Näpfli - Das rote Blutkörperchen" erinnert), dann wieder tauchen sie molekülklein in den Mikrokosmos eines Wassertropfens ein. Interessant, aber nicht ganz echt im Kontext des Hauptthemas: In meinen Augen ist das Naturwissenschaftliche dieser Ausflüge nicht stimmig zur Auseinandersetzung mit dem Tod, zum Metaphysischen. Ein verbindendes Element sind dabei jedoch die schwarz/weiß Zeichnungen von Stefanie Harjes. Sie lässt in ihren wunderbar fantasievollen Bildern und Collagen die rätselhaften Elemente und Begebenheiten einfließen, die sich im Text zunächst sehr, dann deutlich weniger finden.
Für dieses Kinderbuch zum Thema Tod und Abschied hat Gudrun Pausewang die auktoriale Sicht gewählt, wobei der Leser durch viele Adverbien sehr nah an Livs Empfindungen dran ist. Die Altersempfehlung des Verlags liegt bei 9-10 Jahren, ich dagegen finde, dass sich das Thema und der schlichte Schreibduktus auch gut für Kinder ab 6 Jahren eignen.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 krä, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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