GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Ward, Rachel
Titel Numbers - Den Tod im Blick
Übersetzer / Originalsprache Gutzschhahn, MichaelEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-551-52007-4 Reihe
Verlag Carlsen, Hamburg, 2010
Seitenzahl 363 Preis 13,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Wenn Jem anderen Leuten in die Augen sieht, taucht in ihrem Kopf eine Zahl auf. Seit dem Drogentod ihrer Mutter ist ihr auch klar, was diese Zahl bedeutet: Es ist das Todesdatum ihres Gegenübers. Diese Gabe ist ihr Geheimnis und isoliert sie von anderen Menschen. Doch dann tritt Spinne in ihr Leben und stellt es komplett auf den Kopf. Nur leider bleibt ihnen nicht mehr viel gemeinsame Zeit...
Beurteilungstext Jem hatte mit ihren 15 Jahren schon viel Leid erleben müssen. Nach dem Tod ihrer Mutter durch eine Überdosis ist sie in vielen Heimen und Pflegefamilien gewesen. Ihre momentane Pflegemutter Karen bemüht sich redlich, Zugang zu Jem zu bekommen, doch Jem lässt niemanden an sich ran. Das ändert sich als Spinne in ihr Leben tritt und gar nicht daran denkt, sie in Ruhe zu lassen. Auch Spinne kommt aus schwierigen familiären Verhältnissen und beide habe kaum eine Perspektive auf eine bessere Zukunft. Als sie gemeinsam einen Ausflug zum London Eye machen, passiert etwas, dass ihrer beider Leben verändert: Die Menschen um sie herum haben alle dieselbe Zahl und Jem weiß, etwas Schreckliches wird jeden Augenblick passieren. Da die beiden eh schon in Schwierigkeiten mit der Polizei stecken, fliehen sie aus London. Eine aufregende Reise nach Weston beginnt, auf der sich die beiden näher und näher kommen. Doch je mehr Jem Spinne in ihr Herz lässt, umso schmerzlicher wird ihr bewusst, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt. Denn das Datum, dass sie sieht, wenn sie Spinne anblickt, ist in wenigen Tagen...

Rachel Ward schreibt unglaublich spannend, atmosphärisch dicht und in einer glaubwürdigen Jugendsprache. Aus der Perspektive der 15-jährigen Jem geschrieben, erhält der Leser Einblick in ihr zerrüttetes Seelenleben, lernt ihre Ängste und Sehnsüchte kennen. Die Autorin lässt ihre Hauptfigur zwischendurch direkt in Kontakt mit dem Leser treten, in dem sie ihn direkt anspricht und so zu einer Stellungnahme herausfordert. So gelingt es dem Leser leicht, sich in Jem hineinzufühlen, kann ihre anfängliche Wut und Ablehnung verstehen und erlebt hautnah mit, wie ihre abweisende Haltung bröckelt und sie sich öffnen kann. Tiefsinnig und mitunter philosophisch wird die Geschichte an den Stellen, an denen sich Jem mit ihrer “Gabe” auseinandersetzt und die Frage aufkommt: Wenn wir unseren genauen Todestag kennen würden, was würde sich in unserem Leben verändern? Würde sich überhaupt etwas verändern? Ist es sinnvoll, den eigenen Todestag zu kennen? Oder ist es besser, nicht zu wissen, wann man sterben wird? Aufgelöst wird dieser Konflikt mit einer flammenden Rede an das Leben von Jem, in dem sie dazu auffordert, das Hier und Jetzt zu genießen und das Beste aus jedem geschenkten Tag zu machen: “Wir wissen, dass für uns alle eines Tages das Ende kommt, aber wir sollten uns davon nicht unterkriegen lassen. Wir sollten nicht zulassen, dass uns das vom Leben abhält” (S. 335).

Leider leidet die ansonsten wirklich hervorragende Geschichte an ihrem Ende. Hier wäre weniger mehr gewesen. Das letzte Kapitel mit dem Zeitsprung 5 Jahre später hätte besser restlos gestrichen werden sollen. Jem’s charakterliche Gradwanderung mag man ihr nicht so recht abnehmen und die Überfrachtung an Harmonie und Glück passt so gar nicht zu dem Rest der Geschichte. Dass Jem ihre “Gabe” dann auch noch an ihren Sohn weiter gegeben hat, wirkt nur noch absurd und macht die ansonsten wirklich stark geschriebene Geschichte leider zunichte. So bleibt der Leser irgendwie mit dem unbefriedigenden Gefühl zurück, um ein ebenso starkes Ende wie die Geschichte selbst betrogen worden zu sein. Wirklich schade.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 Krisp, Nordrhein-Westfalen

  in der AJuM Datenbank Ja
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