GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Doctorow, Cory
Titel Little Brother
Übersetzer / Originalsprache GutzschhahnEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-499-21550-6 Reihe rororo
Verlag Rowohlt, Reinbek, 2010
Seitenzahl 490 Preis 14,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten für Arbeitsbücherei
Büchereigrundstock
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Erzählung
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Marcus Yallow kämpft gegen die totale Überwachung durch die Heimatschutzbehörde seines Landes.
Beurteilungstext Marcus Yallow ist 17 Jahre alt. Er lebt in San Franzisco und geht dort zur High School. Er ist ein intelligenter eher schmächtiger junger Mann, der mit seinen Freunden Darryl, John und Vanessa an Internetspielen teilnimmt. Er wirkt unauffällig, aber unter der Bezeichnung w1n5to veröffentlicht er schon Beiträge zum Thema angewandte Sicherheits-
forschung. Es gelingt ihm mühelos, das Sicherheitssystem der Schule zu untergraben und sich und seinen Freunden zu unentdecktem Schulschwänzen zu verhelfen und die mannigfältige Bespitzelung durch die Schulbehörde auszutricksen. Er ist ein erfolgreicher “Überwachungskiller” (S. 10), weil er ein ausgeprägtes Gefühl für die Freiheit des Einzelnen
und das Bedürfnis nach Privatsphäre hat. - Als in San Francisco auf die Bay Bridge ein Terroranschlag verübt wird, befinden sich die vier Freunde zufällig in der Nähe. Sie werden von Soldaten der Heimatschutzbehörde (DHS) aufgegriffen , misshandelt und weggeschafft. Die Verhörmethoden sind brutal. “Sie haben mir alles genommen. Erst meine Privatsphäre, dann meine Würde.” (S. 80) Er, John und Vanessa kommen zwar frei, aber es wird den jungen Leuten klar gemacht, dass sie von nun an von der DHS überwacht werden. Darryl, der in den Wirren des Terroranschlags verwundet worden war, bleibt verschwunden. Marcus schwört Rache; er will seinen Freund finden und befreien. Er wird gegen die DHS kämpfen und deren Antiterrorkonzept knacken. “Ich will in einem freien Land aufwachen. Ich will in einem freien Land leben.” (S. 470) - Der Roman ist in der Ich-Form geschrieben. Ein jugendliches Leser kann sich gut in Marcus hineinversetzen und dessen Betroffenheit nachvollziehen. Marcus schreibt von sich in der Sprache der Jugendlichen, benutzt aber keinen Slang und keine Fäkalausdrücke. Der Stil ist insgesamt sachlich. Auch wenn es um Gefühle wie Wut, Scham, Angst, Liebe zu Ange geht, beschreibt er sich distanziert und analysierend. Durch diese große Sachlichkeit wird verhindert, dass der Leser in einen Sog von Angst und Bedrücktheit gerät, denn die Geschichte wirkt authentisch und furchterregend realistisch. Chronologisch wird erzählt, wie für Marcus immer wieder die Gefahr besteht, dass seine Internetidentität entschlüsselt wird, er in die Hände des DHS gerät und das System der totalen Überwachung den Sieg davonträgt. Das ist atemberaubend spannend erzählt. - Der jugendliche Held verfügt über ein großes Fachwissen. Das Buch ist z. T. mit Erläuterungen überfrachtet. Doch man sollte sich davon nicht von der Lektüre abhalten lassen; alle wesentlichen Erkenntnisse wie z. B. die Funktion des Xnets werden verständlich erklärt. Es ist ein wichtiges Buch, auch für Erwachsene, wie damals Orwells “1984” beschwört es die Gefährdung durch einen alles überwachenden “Little Brother” (siehe Titel !).
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 PF, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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