GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Schwalb, Renate
Titel Kinder fördern mit Märchen, Reimen und Geschichten
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Schäfer, Norbert
ISBN 978-3-451-32264-8 Reihe
Verlag Herder / Kerle bei Herder, Freiburg, 2010
Seitenzahl 143 Preis 16,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten für Arbeitsbücherei
Medienart KT Gattung  Fachbuch
Zielgruppe ab 18
Inhaltsangabe Wie unterstützt man als Erzieher/in ganzheitlich und spielerisch Kinder in ihrer Sprachentwicklung? Welche Rolle spielen dabei Bilderbücher, Geschichten, Märchen und Gedichte? Dieses Praxisbuch liefert methodische Anregungen, praktische Beispiele sowie Checklisten und Tipps zum sprachfördernden Einsatz von Kinderliteratur im Kita-Alltag.
Beurteilungstext Ich kann mir kein größeres Glück denken als mit einem Kind zusammen zu sein, das gerade dabei ist, seine Sprache zu entdecken". Dieses Zitat von Astrid Lindgren stellt die Autorin dieses Fachbuches an den Schluss ihres Vorwortes. Und schon in diesem Vorwort wird klar: Die Autorin, die seit mehr als 20 Jahren Erzieherinnen und Erzieher ausbildet, hat erkannt, dass in guter Kinderliteratur ein riesiges Potenzial steckt, Kinder spielerisch und lustvoll an Sprache heranzuführen.
Da praktisches Handeln im Kita-Alltag ohne fachliches Hintergrundwissen wenig professionell bleibt, folgt im ersten Drittel des Buches, das auch für Eltern eine Fundgrube für Anregungen sein kann, ein theoretisches Kapitel zum Thema "Sprache, Spracherwerb und Sprachförderung im Vorschulalter". Denn natürlich wird Sprache nicht nur speziell über Kinderliteratur gefördert. "Überall, im ganzen Alltag, steckt Sprache. Es ist wichtig zu wissen, warum Sprache so bedeutsam für das Kind ist, was ein Kind braucht, um Sprache zu erwerben und was ein Klima ausmacht, in dem Sprache natürlich wachsen kann."
Da "ohne die Umsetzung im praktischen Tun die Theorie grau bleibt, wird Renate Schwalb schon in diesem Hintergrund-Kapitel schnell auch wieder praktisch-konkret, wenn es um die Frage geht, wie SPRACHENTWICKLUNG im Alltag unterstützt werden kann. Drei SÄULEN macht sie aus: SPRACHFREUDE fördern, SPRACHANREGENDE Umwelt schaffen und SPRACHVORBILD sein.

Die folgenden Buchabschnitte: BILDERBÜCHER, GESCHICHTEN, MÄRCHEN, KINDERREIME und KINDERLYRIK haben dann alle die gleiche Struktur, die mit unterschiedlichen Farben gekennzeichnet sind: Sie beginnen jeweils mit einem Beispiel. Im Kapitel Bilderbücher ist es der Klassiker "Freunde" von Helme Heine und die Frage, welche KOMPETENZEN des Kindes bei der Bilderbuchbetrachtung gefördert werden. Das Ergebnis ist: Selbst- ,Sozial-, Sach-, und Lern-/ Methoden-KOMPETENZ. Es folgt Hintergrundwissen über die Literaturform und deren ganzheitliches Förderpotenzial für die Entwicklung und Bildung der Kinder. "Der letzte Teil der einzelnen Kapitel ist der Praxis gewidmet. Hier findet man unter dem Motto GEWUSST WIE Anregungen zur praktischen Umsetzung sowie Checklisten und Kriterienkataloge.

Es zeigt sich, jedes Genre der Kinderliteratur hat seine spezifischen Stärken. Richtig und kompetent eingesetzt sind sie alle unverzichtbare Bausteine für die sogenannte "Literacy-Erziehung" (Förderung von Lese- und Schreibkompetenz). In vielen Kindertageseinrichtungen wird seit 2006 ein Beobachtungsbogen namens SELDAK eingesetzt. Er wurde vor allem für Kinder mit DEUTSCH als Erstsprache entwickelt und bedeutet "Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern".

SELDAK bezieht sich auf

+PHONOLOGISCHE BEWUSSTHEIT: Hat das Kind ein Bewusstsein für Sprachrhythmus und den lautlichen Aufbau von Sprache? "Hier spielen Gedichte, Silbenspiele und Lieder mit Bewegung eine große Rolle, heißt es im Buch.

+WORTSCHATZ: "Hier werden Gesprächsbeiträge der Kinder und ihre Fähigkeiten zum Nacherzählen von Geschichten angeschaut".

+SPRACHVERSTÄNDNIS: Die Fähigkeit, nur sprachlich vermittelte Informationen zu erfassen, die Fähigkeit aktiven Zuhörens und des Sinnverstehens bei längeren und komplexen Texten..., "z.B. bei einer Erzählung oder Diskussion".

GRAMMATIK: Kann das Kind korrekte grammatische Strukturen verstehen und anwenden? "Auch hier hilft das Hören von Geschichten, das Vorlesen".

Dieses Buch legt wesentliche Grundlagen für eine ganzheitliche Sprachförderung in der Kita, aber auch in einer Familie. Es ist klar gegliedert, verständlich und nachvollziehbar in Erklärungen und Beispielen und besonders eindrucksvoll in den Kapiteln über MÄRCHEN und KINDERREIME / KINDERLYRIK.

Kinder wollen spielen, sagt die Autorin, auch und vor allem mit Sprache. Hat das jeweilige Märchen seine persönlichkeitsstärkende Funktion erfüllt, sind Kinder auch offen für Abwandlungen, die sie selber erfinden. Die Ergebnisse und Kreationen am Beispiel von HÄNSEL und GRETEL könnten dann so ähnlich lauten, wie in dem abgedruckten Beispiel von Michael Ende:

Hänsel und Knödel,
die gingen in den Wald.
Nach längerem Getrödel,
rief Hänsel plötzlich: "Halt".

Ihr alle kennt die Fabel,
des Schicksals dunklen Lauf:
Der Hänsel nahm die Gabel
und aß den Knödel auf.

Kinder fördern mit Märchen, Reimen und Geschichten, das ist mit Hilfe dieses Praxis-Buches eine Erziehungsaufgabe, die sich lohnt und die Spaß macht. Man muss es nicht von Anfang bis Ende durchlesen; es lohnt sich aber! Es wird an dieser Stelle sogar sehr empfohlen.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 nb, Bayern

  in der AJuM Datenbank Ja
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