GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Baltscheidt, Martin
Titel Ich und die Kanzlerin
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-414-82225-3 Reihe
Verlag Boje, Köln, 2009
Seitenzahl 144 Preis 14,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
Inhaltsangabe Die 14-Jährige Jasmin Behringer muss ein Praktikum absolvieren. Motiviert durch eine Nachrichtensendung im Fernsehen, ruft sie ihren Onkel in Berlin an, der seinen Einfluss geltend macht und Jasmin ein einwöchiges Praktikum bei der Kanzlerin verschafft. Die junge Praktikantin hat eine Woche Zeit, ihre theoretischen Kenntnisse über das höchste Amt im Land durch praktische Mitarbeit zu vertiefen. Ihre Erlebnisse fließen in einem Bericht ein, den die Schülerin am Ende ihres Praktikums anfertigt.
Beurteilungstext Jasmin Behringer steht an der Wachstation des Bundeskanzleramtes und lässt einen intensiven Check über sich ergehen, um einige Zeit später von Frau Schiller, der Sekretärin der Bundeskanzlerin, empfangen zu werden. Beeindruckt von den Räumlichkeiten und dem Ausblick aus der siebten Etage (Chefetage), von der Stille und der entspannten Arbeitsatmosphäre dämmert Jasmin recht schnell, dass sie die Kanzlerin wohl kaum zu Gesicht bekommen würde. So verliert sie sich - erst einmal auf einen Stuhl verbannt- in Tagträumen, bis Frau Schiller Zeit findet, ihr das Amt zu zeigen. Mehr Einblick in das Zentrum der Macht erhält sie in den folgenden Tagen, in denen sie mit Alwin Pressemappen erstellt, an einer Pressekonferenz teilnimmt, ganz nah an der Tür steht, hinter der das Kabinett jeden Mittwoch tagt, eine Bundestagsdebatte verfolgen darf und wichtige Personen im Bundeskanzleramt kennen lernt.
Getrieben von der Frage, ob es unter dem Gebäude Bunker gebe, findet sich Jasmin am letzten Tag in einem Traum wieder. In einem Kellergewölbe trifft sie auf sechs frühere Kanzler Deutschlands, mit denen sie über Mindestlohn, Weltfrieden und Demokratie diskutiert. Alle Herren sind verwirrenderweise in der Lage, überzeugende Positionen dafür und dagegen zu formulieren, sodass Jasmin zu der Erkenntnis kommt, dass sie nicht zur Kanzlerin tauge und dieser Beruf etwas für Übermenschen sei.
Martin Baltscheit hegt in seinem Nachwort die Hoffnung, dass der Leser mit seinem Buch Lust bekommen habe, sich mit dem Amt, unserer Demokratie und unserer Geschichte zu beschäftigen. Doch zurück bleibt wohl ein etwas frustrierter, zweifelnder und ratloser Leser.
So sind zwar wichtige Themen und interessante Informationen zum Alltag und zur Arbeit im Kanzleramt angeschnitten und durch Fußnoten (zumeist Informationen von Wikipedia) erklärt worden, doch sind die gewährten Einblicke eher begrenzt, manchmal sogar oberflächlich. Die durch Titel und Aufmachung erweckte Erwartungshaltung wird letztendlich nicht erfüllt, da dieser Bericht, wie der Leser am Ende des Buches erfährt, fiktiv ist und die vermeintliche Authentizität als unglaubwürdig empfunden wird.

Bewertung

 eingeschränkt empf.

Rezensent

 kh, Sachsen-Anhalt

  in der AJuM Datenbank Ja
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