GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Wildner, Martina
Titel Grenzland
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Wildner, Martina
ISBN 978-3-596-85376-2 Reihe
Verlag Fischer Schatzinsel, Frankfurt, 2009
Seitenzahl 319 Preis 19,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 14-15
Inhaltsangabe In der Schule und zuhause langweilt sich die 15-jährige Agnes immer öfter, ihre beste Freundin Jana schweigt sie an und die Familie nervt. Eines Tages kommt Agnes unter seltsamen Umständen zu einem kleinen Messer. Sie fängt an, sich mit dem Messer zu ritzen. Dadurch gelangt sie in eine fantastische Spielewelt. Das Ritzen wird zur Sucht und die Flucht in diese Welt wird zu einem gefährlichen Spiel.
Beurteilungstext Agnes ist mit ihren 15 Jahren mitten in der Pubertät. Alles ändert sich, die Freundschaft zu Jana, mit der sie schon immer befreundet war, existiert plötzlich nicht mehr. Sie haben sich kaum noch etwas zu sagen. Zuhause überfällt Agnes große Langeweile. Doch dann bekommt sie durch mysteriöse Umstände ein kleines Messer. Sie fängt an, sich mit dem Messer in den Arm zu ritzen. Dadurch gerät sie in eine Fantasiewelt, in der sie auf viele Mitschüler trifft, die dort ebenfalls an seltsamen Spielen teilnehmen. Alles ist für Agnes sehr verwirrend, niemand erklärt ihr die Regeln dieser Welt. Klar ist nur, dass sie bei den Wettbewerben als Sieger hervorgehen muss, um dem Ziel näherzukommen. Nur über das Quälen bis zur Erschöpfung kann man gewinnen. Sie ritzt sich immer öfter und tiefer, um im Spiel weiterzukommen. In der realen Welt knüpft sie Kontakt zu Matti, dem Sänger einer Dark-Metal-Band, doch er treibt ein verwirrendes Spiel mit ihr. Auch in der anderen Welt taucht er auf, aber dort ist er wesentlich netter und hilft ihr mit Tipps. Agnes gerät in eine Sucht, aus der sie immer wieder versucht auszusteigen. Sie nimmt sich mehrfach vor, sich nicht mehr zu verletzen, schafft es aber nicht. Und auch andere geraten immer tiefer hinein. Am Ende landet ihre ehemals beste Freundin in der Psychiatrie, denn auch sie verletzt sich selbst, um im Spiel mitzumachen. Sie treibt es in ihrem Wahn, im Spiel über die Ziellinie zu gelangen (was, wie sich später herausstellt, gleichbedeutend mit dem Tod ist) zu weit. Doch Agnes gelingt es, Jana zu finden und zu retten.
Das Buch ist aufwendig gestaltet, wie alle Bücher der Reihe „Bücher mit dem blauen Band“. So ist der Einband aus blauem Leinen und das Buch steckt in einem schön gestalteten Schuber. Der Geschichte sind immer wieder kleine Schwarz-Weiß-Illustrationen der Autorin beigefügt, die das Geschehene wiedergeben und zum Charakter der Geschichte passen. Das Buch ist in der 3. Person geschrieben und gibt die Sicht von Agnes und die erlebten Gespräche wieder. Leider werden keine tieferen Innensichten in die Protagonistin gewährt, die Gefühle und Motivationen bleiben vage. Die Sprache ist glaubhaft und der Zielgruppe angemessen. Leider ist das Buch insgesamt wenig überzeugend. Die Autorin arbeitet das Abgleiten ihrer Protagonistin in die Sucht nicht ausreichend aus. Die Darstellung der Familie, Schule und auch des Spieles sind so ausgeführt, dass sich der Leser ein gutes Bild davon machen kann, doch die Idee, dass sich ein Jugendlicher durch das Ritzen in eine Spielwelt zurückzieht und zwischen den beiden Welten eine Verbindung besteht, vermag nicht zu überzeugen. Es werden zu viele Fragen aufgeworfen und nicht beantwortet. Worin liegt der Reiz dieser Spielewelt? Warum treibt es die Figuren in diese Welt, in der ein Großteil der Aktionen aus Selbstquälereien bestehen? Warum geht Agnes so weit, ohne sich zu wehren? Die Spielewelt und die Erlebnisse, in die sie hineingerät, sind spannend beschrieben, doch das gewisse Etwas fehlt.
Bewertung

 eingeschränkt empf.

Rezensent

 BW-UKL, Baden-Württemberg

  in der AJuM Datenbank Ja
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