GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Ruby, Laura
Titel Good Girls
Übersetzer / Originalsprache Gallus, ChristineEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-414-82118-8 Reihe
Verlag Boje, Köln, 2010
Seitenzahl 288 Preis 14,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 14-15
16-17
Inhaltsangabe Audrey wird auf einer Party in einer recht eindeutigen Situation fotografiert – das Bild macht die Runde in der Schule, und plötzlich ist die Einserschülerin als Schlampe verschrien. Der Roman schildert, wie sie um ihren Ruf kämpft und ihr Leben wieder in den Griff bekommt.
Beurteilungstext Die Umschlaggestaltung führt in die Irre: Auf den ersten Blick sieht der Roman aus wie eine lustige Jungmädchengeschichte, in der es um die erste Liebe und viel Spaß geht. Auch der Klappentext “beschönigt” die tatsächliche Handlung des Buchs ein wenig. Hier heißt es “Seit Audrey den coolen Luke auf einer Party geküsst hat ...”. Auf dem Foto, das jemand heimlich von Audrey und Luke gemacht hat, ist allerdings viel mehr zu sehen als ein harmloser Kuss.
Die Autorin schildert aus der Sicht der Protagonistin, wie sich ihr wohlgeordnetes Leben von einem Moment auf den anderen ändert. Plötzlich gehört die Musterschülerin nicht mehr zur “Elite” der Schule und wird zu einer Außenseiterin. Sticheleien und Gekicher hinter vorgehaltener Hand gehören nun zu ihrem Alltag. Selbst die Lehrer verhalten sich nicht so wie man es von ihnen erwarten sollte. Der Autorin Laura Ruby gelingt es, die verzweifelte Situation Audreys für den Leser regelecht spürbar zu machen. Sie stellt die Enttäuschung der Eltern (die zu allem Überfluss auch ein Foto zugeschickt bekommen) und den wachsenden Abstand zum Vater authentisch dar; sie macht begreiflich, wie sehr sich das Mädchen nicht nur von den Eltern, sondern auch von der besten Freundin verlassen fühlt, die sie scheinbar plötzlich auch für eine Schlampe hält.
Durch das Foto ändert sich aber auch Audreys Blickwinkel: Sie bemerkt, wie schnell man mit einem Stempel versehen werden kann, ohne etwas dafür zu können. Als sie sich mit Pam und Cindy anfreundet, die sie selbst immer als “Schlampen” bezeichnet hat, erlebt sie eine Überraschung ...
Trotz des schwierigen und teilweise sehr unter die Haut gehenden Themas gelingt es der Autorin, Audrey immer wieder selbstironisch und auch witzig erzählen zu lassen. So nimmt sie dem beklemmenden Thema die Schwere, ohne es auf die leichte Schulter zu nehmen.
Der Roman unterhält, ist aber auch problembewusst und appelliert an die Toleranz der Leserinnen. Die klare Botschaft des Buchs ist: Man sollte sich nicht immer auf das verlassen, was man hört oder sieht, sondern sich zu jedem Menschen sein eigenes Bild machen. Toleranz muss groß geschrieben werden; Fehler sind menschlich.
Bis auf den etwas unpassenden Umschlag ein empfehlenswertes Buch, das kein Blatt vor den Mund nimmt und deutliche Worte für das Geschehene findet.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 StD, Nordrhein-Westfalen

  in der AJuM Datenbank Ja
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