GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Ruby, Laura
Titel Good Girls
Übersetzer / Originalsprache Gallus, ChristineAmerikanisches Englisch
Illustrator
ISBN 978-3-414-82118-8 Reihe
Verlag Boje, Köln, 2010
Seitenzahl 284 Preis 14,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 16-17
ab 18
Inhaltsangabe Audrey ist eine der drei besten Schülerinnen der High School. Sie ist verliebt in Luke und auf einer Party passiert´s. Leider macht irgendwer davon ein Foto, das per Handy in Nullkommanichts jeder in der Schule erhält. Und die Eltern. Und die Schulleitung. Und die Lehrer. Ein ganzes Jahr trägt sie an dieser Last, erst beim Abschlussball offenbart sich der Fotograf. Nie hätte sie das vermutet - aber auch keinem anderen hätte sie verzeihen können.
Beurteilungstext Das Titelcover hält, was es verspricht (was äußerst selten ist!): Das Handy spielt eine Hauptrolle und der baumelnde Büstenhalter ist Programm. Für einen US-Roman erzählt die Autorin ungewöhnlich offen und überhaupt nicht nebenbei von Sex und den Gedanken der jungen Mädchen dazu. Ihre Ich-Erzählerin entdeckt sich selbst und ihre Gefühle, mit denen der anderen hat sie noch ihre altersgemäßen Schwierigkeiten. Anfangs drei, später sind es fünf Freundinnen, die sich gegenseitig ärgern, sich amüsieren und sich aufklären, berichten und Abenteuer aushecken. Allesamt sind wunderschön, haben Erfolg bei den Jungs - ihrer Ansicht nach sogar zu viel, nur eben leider nicht bei dem Mann ihrer Träume. Oder das glauben sie jedenfalls, deswegen spielen sie und eifersüchteln. Gleichzeitig aber meistern sie ihr Leben in der Schule, in der Familie, mit den Freunden. Sie sind allesamt nicht dumm und diskutieren kurzweilig über Gott (das eigentlich weniger) und die Welt (das eher mehr, besonders ihre eigene).
Mit Audrey gemeinsam müssen sie feststellen, dass ein Foto, das heutzutage schnell herumgereicht ist, die ganze Welt auf den Kopf stellen kann. Aber Audrey ist fast 17, sehr selbstbewusst und kritisch; sie geht mit der Veröffentlichung des Fotos so souverän um, wie es nur irgend geht und hat bald wieder das Image der Top-Schülerin. Nur mit ihrem Vater ist das anders. Der ist völlig konsterniert, dass a. seine Tochter nicht mehr das kleine Mädchen ist und b. sie sich durch die Unbedachtheit ihre ganze Zukunft verbauen könnte.
Das renkt sich letztlich ein, aber erst spät muss Audrey erkennen, dass das Foto deswegen gemacht und verbreitet wurde, weil sie - wie alle ihre Freundinnen - pubertär quatschend über andere hergezogen ist, Vorurteile weitertratschte und den Ruf anderer ruinieren half. Der Rachezug war dann sehr schmerzlich für sie - gleichzeitig muss sie erkennen, dass ein Mädchen mit einem solch untadeligem Ruf (und konsequentem Verhalten hernach) kaum so in den Schmutz gezogen werden kann wie ein Mädchen, das mit ungleich schlechteren Startbedingungen in den Verruf geriet.

Ein Nebenaspekt dieses Jugendromans ist die Diskrepanz zwischen der US-Öffentlichkeit und der realen Jugendwelt. Audrey wird von ihrer Mutter, die panische Angst um das Mädchen hat, zum Frauenarzt geschleppt. Mit fast 17 Jahren ist sie das erste Mal dort, muss sich ganz ausziehen und bekommt ein Papierkostüm an, unter dem der Arzt ihre Brust abtastet. Er dürfte auf keinen Fall etwas sehen! Und gleichzeitig entdeckt das junge Volk sich selbst auf den Parties, ist neugierig und probiert sich aus - und die Autorin nennt alles beim Namen. Was für Gegensätze.

Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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