GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Kooij, Rachel van
Titel Eine Handvoll Karten
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-7026-5817-5 Reihe
Verlag Jungbrunnen, Wien, 2010
Seitenzahl 270 Preis 16,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Historische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Eine jüdische Familie in den Niederlanden während der deutschen Besatzung.
Beurteilungstext Wie eine Postkarte wirkt das Titelblatt dieses Romans: vorgezeichnete Linien für Adressat und Anschrift, ein Foto als Briefmarke, Poststempel und als Textteil der Titel "Eine Handvoll Karten". Im Vorwort erzählt die Rachel van Kooij von der Entstehungsgeschichte des Romans. Als Achtjährige entdeckt sie bei ihren Großeltern in Breda/NL ein vergilbtes Album mit Ansichtskarten und erhält die Auskunft: "Dieses Kartenalbum gehört Leny. Leny war eine Freundin, und sie wurde ermordet." Viele Jahre später entsteht aus diesen Karten der jetzt vorliegende Roman. Im Anhang befindet sich eine Chronologie, und so lässt die Autorin den Leser nicht nur an der Entstehung teilhaben, sondern unterstreicht auch den Wahrheitsgehalt des Erzählten.

Auch der Aufbau des Romans ist ungewöhnlich. Er beginnt mit den Kapiteln "Das Ende" und "Die letzten Minuten". Leny, ihre Mutter und ihre Schwester werden im KZ Birkenau umgebracht. Die Zeitleiste, jeweils rechts auf der Seite, reicht von 1929 bis 1942, von Lenys Geburtsjahr bis zu ihrem Tod. Der Leser hat also bereits viele Informationen und dennoch muss er geradezu atemlos weiterlesen.

Leny wächst in einer ganz normalen Familie auf, die Stammbäume der beiden jüdischen Familien Goldstein und Egger finden sich im Anhang. Die Welt ist nicht immer heil, aber die Familie gibt viel Sicherheit. Hitlers Machtergreifung in Deutschland spielt kaum eine Rolle. Dann der Überfall auf Holland. Die Familie erlebt, wie die französischen Soldaten vor den Deutschen kapitulieren, aber Lenys Eltern glauben, dass der Spuk bald ein Ende haben wird. Sie lehnen eine Flucht oder ein Untertauchen ab, und lange Zeit gelingt es ihnen, sich "einzurichten". Aber dann gibt es für sie keinen Schutz mehr. Niemand aus der Familie überlebt.

So diszipliniert wie die Mitglieder der Familie sich verhalten, so diszipliniert erzählt Rachel van Kooij ihre Geschichte. Ein ganz wichtiges Buch, das hoffentlich viele Leser findet und unbedingt in eine Bücherkiste zum Thema "Leben im Nationalsozialismus" gehört.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 TB, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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