GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Pásztor, Susann
Titel Ein fabelhafter Lügner
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-8337-2579-1 Reihe
Verlag Goya Lit bei Jumbo, Hamburg, 2010
Seitenzahl Preis 14,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Audio-CD Gattung  Roman
Zielgruppe 16-17
ab 18
Inhaltsangabe Lily und ihre Mutter sowie deren Schwester Hannah und Halbbruder Gabor treffen sich in Weimar, um den hundersten Geburtstag ihres verstorbenen Vaters Joschi zu begehen. Das Treffen wird zur Rekonstruktion verschiedener Vater- und Kinder-Bilder, aus denen sich keine einfache Wahrheit extrahieren lässt. War Joschi nun verfolgter Jude oder gab er diese Identität nach Kriegsende aus Versorgungsgründen nur vor? Mit Annahme der gebrochenen Vaterfigur kommen sich auch die ungleichen Geschwister näher.
Beurteilungstext Dies ist eine Geschichte übers Geschichtenerzählen, eingebettet in die historische Geschichte. Es ist aber auch eine Geschichte übers Auslassen und nicht Nachfragen, übers Verschweigen und Umdeuten und über die Bedeutung des Erzählens für Traumatisierte und deren Kinder. Sie beginnt mit Joschis gescheitertem Selbstmord; eine Episode, die auf der vierten CD wieder aufgegriffen und neu erzählt wird, wenn die Familie das sicher Überlieferte in Szene setzt und die Leerstellen mit der eigenen Deutung füllt. Im Laufe dieser Rekonstruktion eines Vater-Lebens gibt es immer wieder witzige und komische Stellen, schließlich gesteigert in die groteske Überhöhung der Gedächtnisfeier für Joschi auf dem Gelände des einstigen KZ Buchenwald.
Die Auseinandersetzung mit ihrem Vater ist für Hannah gleichzeitig die Überwindung von zwanghaften Vorstellungen, für Gabor der Wiedergewinn des bisher abschätzig betrachteten Vaters, für Lily ein Adoleszenzvorgang, an dessen Ende der Abschied vom bisher einzig möglich erschienenen Happy End der Wiedervereinigung ihrer Eltern steht. An deren Stelle erhält sie Gewissheit über die familiäre Herkunft, auch wenn Details weiter im Dunkeln bleiben.
Erzählt wird aus der Sicht der 16-jährigen Lily, Enkelin Joschis. Die Stimmgebung Katja Danowskis ist in Dialogen manchmal etwas zu naiv und kindlich, ihren Höhepunkt erlebt sie, wenn die Geschwister im szenischen Spiel das Treffen der drei Frauen Joschis an dessen Krankenhausbett ausfabulieren. Immer jedoch fühlt man sich als Hörer getragen vom Fluss des Erzählens.

Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 sr, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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