GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor MacLachlan, Patricia
Titel Edwards Augen
Übersetzer / Originalsprache Kollman, BirgittEnglisch
Illustrator
ISBN 978-3-446-23589-2 Reihe
Verlag Hanser, München, 2010
Seitenzahl 91 Preis 12,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Roman
Zielgruppe
Inhaltsangabe Edward ist das fünfte Kind in der Familie im Nordosten der USA, und ein echter "Sonnenschein". Jeder darf so sein, wie er ist, und die Kinder erziehen sich selbst untereinander mehr als dass die Eltern eingreifen. Zurzeit ist Baseball das wichtigste und hier der besondere Wurf, bei dem sich der Ball während des Flugs nicht dreht, sondern so klar fliegt, dass man die Nähte sehen kann, wenn man diese besonderen Augen hat. Aber dann ist alles plötzlich Nichts.
Beurteilungstext Jake erzählt. Das ist das das vierte Kind von Jack und Maeve, die eine Buchhandlung betreiben. Das Leben findet fast nur vor der Haustür statt oder auf der Veranda. Es ist warm, und wenn die Kinder nach dem Spielen irgendwo sich hinlegen und einschlafen, so decken die Eltern sie zu und lassen sie dort. Zu Beginn der Geschichte ist Jake drei Jahre alt, und die Eltern kommen mit dem neugeborenen Edward, legen diesen Jake auf den Schoß. Jake nimmt ihn an, liebt ihn von Anbeginn an, fühlt sich Eins mit ihm, doch alles, was er herausbringt, ist: "Seine Augen…, denn Jake ist erst drei Jahre alt und schreibt: "… und als ich zu sprechen versuche, gelingt mir nicht, das alles zu sagen."
Das Baseballspiel ist eins der wichtigen Dinge für die heranwachsenden Kinder, und Edward ist nicht nur dort "besonders". Er traut sich alles zu, schöpft seine Befriedigung weder am Miss- noch am Erfolg, sondern am Versuch. Wichtig ist nicht der Sieg, sondern das tolle Spiel. Für den "Knuckleball" übt er Tag um Tag, um den inzwischen 68-jährigen ehemaligen Baseballprofi Albert Groom (und dessen 90-jährigen Vater Trick) zu überraschen.
Das Glück der Familie scheint vollkommen, als sich ein neues Baby ankündigt (Edward besteht auf "Mädchen" und "Sabine"), die Eltern hören James Taylor und Carly Simon und Nanci Griffith, Maeve singt den ganzen Tag, tanzt. Und dann dreht sich Edward auf seinem Fahrrad um, fährt gegen einen Baum und ist einfach tot. Alles ist zu Ende, kein Laut mehr, kein Baseballspiel, stilles Weinen und Selbstvorwürfe. Und dann beschließen die Eltern, Edwards Organe freizugeben, sogar die Hornhaut seiner Augen.
Spätestens jetzt werden Titel und Prolog deutlich. Darf man so etwas machen, fragt sich nicht nur Jake, wenn so viel weg ist von Edward? Was und wo ist er denn jetzt - noch?

Patricia MacLachlan schildert die heile Welt ohne jeden Kitsch. Die Leseseiten fliegen nur so dahin, wir leben fast mit den Kindern und den beiden Alten. Aber als wir mit den Kindern vom Tod Edwards erfahren, wollen wir es ebenso nicht wahrhaben und legen spontan das Buch zur Seite.
Erst viel später sind auch wir bereit darüber nachzudenken, ob es richtig ist, jemand anderem mit Edwards Augen eine neue Chance zu geben. Als Jake in diese anderen Augen schaut, findet er nicht Edward.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 uhb, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Nein
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