GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Mayer, Gina
Titel Die verlorenen Schuhe
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-522-20073-8 Reihe
Verlag Thienemann, Stuttgart, 2010
Seitenzahl 382 Preis 18,00 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Historische Erzählung
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Als sich Inge, Tochter der schlesischen Gutsbesitzer, und Wanda, eine Fremdarbeiterin aus Polen, begegnen, liegen Welten zwischen ihnen. Doch als die rote Armee 1944/45 naht, müssen sich beide ungewollt zusammenschließen und fliehen. Verlassen von der Familie und auf sich allein gestellt, liegt das Überleben der einen in der Hand der anderen...
Beurteilungstext Gina Mayer greift mit vorliegendem Roman ein Thema aus der NS-Zeit auf: die Flucht aus Schlesien. Anlass war eine Fernsehreportage und Grundlage Befragungen von Zeitzeuginnen, welche die Flucht selbst erlebten. Die beiden Protagonistinnen Inge und Wanda sind fiktive Romanfiguren, die jedoch als Verkörperung vieler Mädchen der damaligen Zeit stehen.
Inge, Tochter auf Gut Hohenau in Schlesien, bekommt wenig von den Wirren des Zweiten Weltkrieges mit. Sie ist beschäftigt mit ihrem Abitur, dem Konservatorium und der bevorstehenden Hochzeit mit Wolfgang von Brandt. Die Fremdarbeiterin Wandas Polen, die den Krieg und Verschleppung erlebt hat, nimmt sie kaum wahr, denn sie ist ja ein Untermensch. Anschaulich und einfühlsam werden die gegensätzlichen Welten dieser beiden jungen Mädchen, geschildert.
Doch im Winter 1944/45 rückt die russische Armee nach Schlesien vor. Als Inge eines Tages aus der Schule kommt, ist das Gut verlassen, nur noch Wanda ist da. Obwohl sich beide nicht ausstehen könne, müssen sie eine Zweckgemeinschaft bilden um vor den Russen zu fliehen. Sehr bildhaft, aber sensibel wird die Flucht und die Erfahrungen dabei der beiden beschrieben. Allmählich entsteht zwischen den beiden ein Band der Freundschaft und aus anfänglichem Misstrauen wird Vertrauen. In Rückblenden werden die Lebenswege und Familienhintergründe sowie das handeln der Protagonistinnen aufgearbeitet und verdeutlicht ihr Schicksal. Dadurch erfährt der Leser einiges über die Zeit des Krieges. Sehr deutlich wird das Leid, die Verzweiflung aber auch die Hoffnung während der Flucht transportiert.
Die verlorenen Schuhe - was es mit dem Titel auf sich hat, wird erst spät herausgearbeitet. Doch diese stehen als Symbol für das Schicksal der beiden Mädchen und für das Leben der Menschen, die den Krieg und die Flucht erleben mussten.
Als sie schließlich im Westen, in Württemberg, anlangen ist aus der Notgemeinschaft und Notlüge Wirklichkeit geworden: sie gehören zusammen, sie sind wie Schwestern.
Schade, dass der Roman so plötzlich endet ! Doch nicht nur die junge Leserin ab 14 Jahren kann sich über das weitere Schicksal der beiden Gedanken machen.
Ein wunderbares und ergreifendes Buch, das Mädchen / Frau unbedingt lesen sollte.
Vervollständigt wird der Roman durch ein Glossar, ein Nachwort sowie eine Landkarte des Dritten Reiches mit dem Fluchtweg der beiden Mädchen.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 RPMK, Rheinland-Pfalz

  in der AJuM Datenbank Ja
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