GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Mayer, Gina
Titel Die verlorenen Schuhe
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-522-20073-8 Reihe
Verlag Thienemann, Stuttgart, 2010
Seitenzahl 384 Preis 18,00 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Historische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Zwei junge Mädchen im Alter von 17 Jahren, die Gutsbesitzertochter Inge und die polnische Fremdarbeiterin Wanda,begeben sich, ganz auf sich und ihre gegenseitige Solidarität angewiesen, 1945 auf die Flucht von Oberschlesien nach Baden Würtemberg.
Beurteilungstext Zwei ganz unterschiedliche Mädchen, was ihre Herkunft und ihr soziales Milieu betrifft, sind auf Gedeih und Verderb bei ihrer Flucht 1945 aus Oberschlesien bis Baden Württemberg aufeinander angewiesen. Inge und Wanda finden sich zunächst gegenseitig eher unsympathisch, bis sie schließlich am Ende ihres Weges schwesterliche Liebe verbindet. Beide haben sich zunächst nur flüchtig kennengelernt, denn Inge lebt als Tochter eines schlesischen Gutsbesitzers in Hohenau ,während Wanda mit 17 Jahren als Fremdarbeiterin auf das Gut kam.
Auf den ersten Seiten des Buches führt uns die Autorin in die Lebensumstände und die unterschiedliche soziale Bindung der beiden Mädchen sehr ausführlich ein. Der Leser erlebt aus der unterschiedlichen Perspektive der beiden die Jahre 1944/45 . In der Gutsbesitzerfamilie hofft man immer noch auf den Endsieg durch die Wunderwaffe des Führers. Ingrids Freund, der Gutsbesitzersohn vom Nachbarhof und schneidiger Leutnant der Wehrmacht, stützt diesen Glauben besonders bei Inge. Die polnischen Fremdarbeiter andererseits hoffen auf ihre Befreiung durch die Rote Armee, obwohl viele von ihnen auch den Russen aufgrund der Erfahrungen ihres Volkes nicht trauen wollen. Pflichtbewusst begibt sich Inge nach den Ferien wieder auf ihre Schule in der weit entfernten Stadt. Als dort alles in Auflösung begriffen ist, schlägt sie sich nach Hause durch. Dort aber trifft sie nur noch Wanda an.
Nun beginnt die gemeinsame Flucht der beiden und damit die eigentliche Story des Buches. In einem besonderen Kapitel wird aus der Retrospektive das Geheimnis über die Wahl des Buchtitels gelüftet.Das Schicksal von Menschen auf der Flucht vor der Roten Armee wurde ja schon sehr häufig in Romanen und Filmen thematisiert. Die Originalität dieser Geschichte liegt im Auf und Ab der menschlichen Beziehungen zwischen zwei jungen Frauen in den für sie schicksalhaften Tagen und Wochen während der Flucht. So entwickelt sich in dem Roman nach Ablehnung und Hass der beiden Protagonistinnen zueinander ihr gegenseitiges Verständnis und zum Schluss ihre freundschaftliche Zuwendung zuenander. Das Schicksal der beiden Frauen steht so auch für die sich entwickelnde Freundschaft zwischen dem polnischen und deutschen Volk. Auf den letzten Seiten des Buches begegnet Inge wieder den Eltern von Wolfgang in Westdeutschland . Mit Enttäuschung wendet sie sich von ihnen ab, weil sie nicht gewillt sind , Lehren aus der Geschichte anzunehmen.

Im Anhang findet sich ein Interview mit einer Zeitzeugin und ein Glossar .
Obwohl die 380 Seiten eine zeitaufwendige Lektüre sind, will man das Buch aufgrund seiner besonders einfühlsamen Erzählweise und der spannenden Handlung nicht aus der Hand legen. Der Roman ist allen historisch interessierten Lesern ausdrücklich zu empfehlen.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 Sch, Sachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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