GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Owen, James A.
Titel Die Suche nach dem Roten Drachen
Übersetzer / Originalsprache Link, MichaelaAmerikanisch
Illustrator Owen, James A.
ISBN 978-3-570-13663-8 Reihe Die Chroniken des Imaginarium Geographica
Verlag cbj, München, 2009
Seitenzahl 429 Preis 16,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Hardcover Gattung  Fantasy-Roman
Zielgruppe 10-11
12-13
Inhaltsangabe Nach 9 Jahren ruft das Imaginarium Geografica John, Jack und Charles als seine Hüter wieder auf den Plan. Jemand hat einen Hilferuf aus dem Archipel der Träume an sie gesandt, der durch Laura Leim überbracht wird, doch niemand weiß, was er zu bedeuten hat. Alle Kinder des Archipels scheinen verschwunden und sie sollen sie wiederfinden. Doch die drei brauchen Hilfe, um zum Archipel zu gelangen, da auch die Drachenschiffe verschwunden sind.
Beurteilungstext Der im zweiten Band der drei bisher erschienenen "Imaginarium"-Reihe von Owen aufs neue entfaltete Kosmos des Archipels der Träume ist vielfältig und verwirrend. Das Verweben von Peter Pan, biographischen Elementen seines Schöpfers James Barrie, altgriechichen Sagen und Autoren als auch zahlreicher anderer, meist vor allem im englischsprachigen Raum bekannter Werke (z.B. "At the Back of the Northwind"/Charles Williams, "Narnia"-Bände/C.S. Lewis) ergibt eine große phantastische Erzählung, bei der man nach gewisser Zeit Mühe hat zu folgen. Zu eklektisch ist der Cocktail, der rote Faden geht verloren. Die verschwundenen Kinder zu finden und das Verändern der Geschichte zu beenden als Ziel der Handlung scheint für den Autor fast nicht mehr als ein Vorwand zu sein, um all die Bruchstücke von Autorenbiographien, Figuren und Handlungen aus anderen Werken einbauen zu können. Vieles ist zweifellos unterhaltsam (wenn Peter Pans Schatten auf Abwegen wandelt, um Peter zu retten oder Jack, der Professor, innerlich zum Kind wird und sich auch so benimmt, obwohl er sich äußerlich nicht verändert). Auch liest man das Buch mit Interesse, um zu erfahren, wer die Kinder entführt hat und warum.
Die Tusche-Illustrationen in schwarz-weiß, die beinahe wie Radierungen wirken, eine Buchseite einnehmen und jedes Kapitel einführen, unterstreichen das Phantastische, die Welt des Irrealen, in die die Protagonisten Charles, John und Jack eintauchen. Detailreich verbildlichen sie einen für das jeweilige Kapitel ausschlaggebenden Charakter oder ein wichtiges Motiv. Die dargestellte Handlung und ihre Personen scheinen oft wie eingefroren, was zusammen mit der dargestellten phantastischen Welt des Archipels der Träume eine surreale Wirkung ergibt. Owen macht auch hier deutlich, dass das graphische Darstellen für seine Arbeit wichtig ist.
Für Jugendliche mag bereits der Rahmen, der die phantastische Erzählung einfasst, mysteriös und so unbekannt wirken, dass er selbst zum Teil der phantastischen Gschichte wird: die Rahmenhandlung spielt in den 1920er Jahren in England, einer Zeit, die jungen Lesern eventuell noch nicht einmal im Geschichtsunterricht begegnet ist. Die Protagonisten haben alle drei den ersten Weltkrieg erlebt, sind teils dadurch traumatisiert, teils durch die Erlebnisse, die sie zu den Hütern des Imaginariums haben werden lassen. Der Autor verwebt geschickt geschichtliche Realität und fantastische Geschehnisse zu Beginn, doch verliert sich diese Komponente zunehmend im Dickicht des "name dropping" (z.B. Daedalus, Artus, Nemo, Peter Pan, Plato, Virgil, Arthur Conan Doyle, Houdini). Anspielungen wie auf den Wettstreit zwischen den Universitätsstädten Oxford und Cambridge (S. 48) sind auch nicht unbedingt Zwölfjährigen verständlich, manches Mal schreibt der Autor vielleicht über die Köpfe seiner Leserschaft hinweg. Die Bezüge sind oft vage, die Handlung in vielen Windungen um das aus Literaturzitaten bezogene Figurenarsenal gestrickt. Man überliest schließlich vieles, da das Nachvollziehen des "wer, wo, wann, was, wieso?" zu unübersichtlich wird. Sicher nicht die Wirkung, die der Autor erzielen wollte.
Die Idee, historische und literarische Figuren, Sagen und Legenden in einer neuen Handlung interagieren zu lassen, ist zwar keine schlechte. Doch das Buch beweist, dass sie nicht leicht umzusetzen ist.
Die Übersetzung ist nicht schlecht gelungen, obwohl man an manchen Stellen die englische Wendung oder den Satzbau heraushört. Doch da dies nicht allzu oft zutage tritt, stört es nicht.
Der Preis scheint angesichts der sorgfätigen Aufmachung der illustrierten, gebundenen Ausgabe und auch im Vergleich zu anderen Jugendromanen angemessen.
Bewertung

 eingeschränkt empf.

Rezensent

 EH, Baden-Württemberg

  in der AJuM Datenbank Ja
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