GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Everwyn, Klas Ewert
Titel Deutzer Freiheit oder Ein Offenbacher in der Unterwelt
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-89502-292-0 Reihe
Verlag Horlemann, Bad Honnef, 2010
Seitenzahl 159 Preis 12,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Historische Erzählung
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
Inhaltsangabe 1799 begibt sich der 19jährige Jude Isaak aus Offenbach an den Rhein und gewinnt dort Anerkennung als Musiker.
Beurteilungstext Erzählt wird hier aus dem Leben des Vaters von Jacques Offenbach. Mit 19 Jahren zieht es den jungen Isaak, der damals noch den von seinem Vater gekauften Namen Eberst trug, in die Welt. Ein jüdischer “Nachrichtenhändler” empfiehlt ihm, nach Deutz an den Rhein zu ziehen; denn dort herrschte ein nassauischer Fürst, der den Juden wohl gesonnen war. Im Jahre 1799 benötigte ein Jude noch den Schutz des jeweiligen Fürsten, der ihm gegen Geld einen Schutzbrief ausfertigte. Es sei denn, man ging ins revolutionäre Frankreich, wo Napoleon Bonaparte den Juden echtes Wohnrecht gewährte. In Deutz lebte eine eingeführte und anerkannte Judengemeinde. Außerdem herrschte dort ein “fröhliches Räuberleben”. In den Gasthäusern konnte ein junger Jude, der die Violine oder die Kniegeige spielte, sehr wohl seinen Lebensunterhalt verdienen. Zur Jahreswende 1801/02 kommt Isaak in Deutz an und findet zunächst eine Unterkunft in dem berüchtigten Gasthaus “Marienbildchen”, wo die gefürchtesten Räuber der Gegend verkehren. Man wird den Musiker gebrauchen können, wenn Marie, das sehr beliebte “fille publique” zurückkehrt, um vor zahlungskräftigen Männern zu tanzen und sie zu beglücken. Auch die jüdische Gemeinde kümmert sich um Isaak. Er wird bei dem Vorsteher einquartiert. Dessen Tochter ist von den musikalischen Talenten des jungen Mannes so begeistert, dass sie in eine Heirat einwilligt. Der Schwiegervater in spe verschafft Isaak wichtige Kontakte zu einflussreichen Leuten. Am Ende darf er dem neuen Fürsten und zur Ehre der Stadt aufspielen. Als Belohnung erwählt er sich den vererbbaren Nachnamen “Offenbacher”, da ihn die Deutzer ohnehin nach dem Herkunftsort “Offenbacher” genannt hatten. - Erzäht wird in der Er-Form. Der Blick richtet sich abwechselnd auf das Schicksal des jüdischen Musikers und das Leben im Gasthaus “Marienbildchen”, von wo aus eine Räuberbande agiert und wo Marie lebt. Mit mildem Spott beschreibt der Autor das beginnende Bedürfnis der Räuber nach einem bürgerlichen Leben mit Familie und einem Brot-
beruf. Sehr geschickt versteht er es, den historischen Kontext zu verdeutlichen und einen lebendigen Eindruck vom alltäglichen Leben der Menschen zu vermitteln. Beachtenswert ist der Versuch, sich der Sprache der Zeit anzunähern. Das könnte allerdings für ungeübte jugendliche Leser eine Barriere sein. Außerdem mangelt es dem Buch etwas an Spannung. Der Held durchlebt keinen echten Konflikt. Zwar ist er für die Reize von Marie nicht unempfänglich, aber er weiß, dass er zu Marianne, der Tochter des Vorstehers gehört. So nimmt er Maries Empfehlungen und Hilfen dankbar an, widersteht aber der Versuchung. Für Leser, die an Geschichte interessiert sind, ist das Buch sehr empfehlenswert. Leider fehlt ein Glossar.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 PF, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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