GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Wilde, Oscar
Titel Der selbstsüchtige Riese
Übersetzer / Originalsprache N.N.Englisch
Illustrator Zwerger, Lisbeth
ISBN 978-3-86566-116-6 Reihe
Verlag Minedition, Kiel, 2010
Seitenzahl 25 Preis 14,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Märchen
Zielgruppe 4-5
6-7
Inhaltsangabe Der Garten des Riesen steht leer, er wird von den Kindern erobert. Als der Riese aber nach 7 Jahren heim kommt, verbietet er den Kindern den Zutritt. Hinfort weicht der Winter nicht mehr aus dem Garten, Jahre lang. Schnee und Frost triumphieren. Erst als die Kinder durch ein Loch im Zaun kriechen, zieht an dieser Stelle der Frühling ein. Jetzt schmilzt das Herz des Riesen, als er einen kleinen Knaben sieht, der nicht auf den Baum kommt. Er hilft ihm und erkennt Jesus in ihm - und stirbt.
Beurteilungstext Das Märchen ist für mich etwas arg rührselig und moralisierend, für Kinder aber wohl einfach zu verstehen - sofern sie auch nur irgendwie vom Christentum gehört haben oder hören sollen. Die großzügigen Illustrationen Lisbeth Zwergers heben das Bilderbuch weit über die Geschichte hinaus: weite Flächen, ganz weiß oder in hellen Pastellfarben gehalten zeigen Schnee und Kälte, aber auch den großen Abstand vom Riesen zum Kind. Auf einmal wird klar, was das für ein Riese ist: ein aus der Sicht der kleinen Kinder riesiger Mann - alles ist relativ. Dieser einsame Mann sieht sich von den Kindern gestört und ebenso wohl auch von anderen Menschen. Dass er sieben Jahre zu Besuch bei seinem Freund, dem Menschenfresser von Cornwall war, ist ebenfalls so zu verstehen: Er ist Gegner der Kinder, also eigentlich wohl auch selbst ein Menschenfresser, also kann er nur bei einem Menschenfresser zu Besuch gewesen sein, wen könnte so einer denn sonst zum Freund haben. Und “sieben Jahre” sind mystisch zu verstehen: eine endlos lange Zeit. Lisbeth Zwerger lässt den Riesen schrumpfen zu einem langen, alten Mann, der nichts für Kinder übrig hat, wohl aber erkennen kann, was sein Verbot erreicht. Also ändert er seine Einstellung. Dass nun das kleinste Kind gerade Jesus sein muss - nun ja.
Ein wenig erinnern Zwergers Bilder an den Jugendstil. Aber Heinrich Vogelers Illustrationen zu Wildes Märchen (Insel, 1910) sind rein ornamental, vom horror vacui geprägt (und der Riese ist wirklich ein Riese), und haben nichts von der Ruhe und Großzügigkeit der Zwerger. Deren Bilderkinder traut man einfach keinen Lärm, der einen Riesen stören könnte, zu.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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