GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Gallego García, Laura
Titel Der Teppich des Dichters
Übersetzer / Originalsprache Giebel-Kruip, RosemarieSpanisch
Illustrator
ISBN 978-3-8369-5250-7 Reihe
Verlag Gerstenberg, Hildesheim, 2009
Seitenzahl 203 Preis 14,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Hardcover Gattung  Märchenroman
Zielgruppe 14-15
12-13
16-17
10-11
Inhaltsangabe Prinz Walid möchte der beste Dichter Arabiens werden: Es wird ein Wettstreit ausgerufen, bei dem Teppichweber Hammad ihn unerwartet schlägt. Walid sinnt auf Wege, den unwürdigen Sieger ruhig zu stellen: er wird als "Belohnung" zum Hofbibliothekar ernannt, dem der Prinz die unmögliche Aufgabe gibt, einen Teppich der Geschichte der Welt zu weben. Hammad vollendet den Teppich und verändert Walids Leben für immer. Walid muss nun die Welt und sich selbst vor dem Untergang zu retten.
Beurteilungstext Laura Gallegeo García schreibt einen Roman, der die Form eines Märchens hat und an historische Ereignisse angelehnt ist. Elemente der Parabel lassen sich ebenso finden: hier sind dies die Lehre, dass die Beseelung von Dichtung nur erfolgt, wenn der Dichter seinen Versen Empfindungen zugrundelegt; allgemein: Nächstenliebe und Toleranz machen einen guten Menschen - und damit auch einen Dichter - aus; wer Menschen nicht kennt und ihnen zuhört, der versteht sie nicht; erst mit seiner Suche nach dem Teppich wandelt Walid sich zum Menschen, der zuhört und auf andere achtet, das wandelt seinen Charakter und macht ihn letztendlich doch zum besten Dichter Arabiens - nach Hammad, den sein Vorbild ist. Zu lesen ist der Roman auf unterschiedlichen Ebenen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Junge Leser, die das Buch als Zuhörer erleben beim abendlichen Vorlesen, sehen wahrscheinlich in erster Linie die spannende Geschichte und exotischen Orte: einen unheilbringenden magischen Teppich, fiktionale Orte irgendwo im arabischen Raum in einer nicht näher bestimmten, aber anscheinend weit zurückligenden Vergangenheit.

Jugendliche sehen wahrscheinlich eher die Abenteuer Walids aufgrund der selbst verschuldeten Verfehlungen, die er bestehen muss, um seine Schuld zu sühnen und zum besseren Menschen zu werden: ein symbolischer Entwicklungsroman, der für jeden stehen kann.
Der Roman erinnert in seiner Eindringlichkeit an Rushdies "Haroun und das Meer der Geschichten" (1990), das Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht. Zwar sind die Märchenelemente bei García zahlreicher und in eine Zeit des "Es war einmal" entrückt, aber die moralische Frage steht trotz allem auch beim "Teppich des Dichters" so klar im Vordergrund, dass die Wirkung auf den Leser sehr ähnlich ist wie die von Salman Rushdies "Haroun".
Trotz der moralisch-ethischen Ebene wird dieses Buch nie langweilig: man möchte es gern am Stück verschlingen, legt es nur sehr ungern aus der Hand und verschiebt alles nicht unbedingt Notwendige, um die Lektüre nicht unterbrechen zu müssen. Ein bisschen Leere und Bedauern macht sich breit, ist das Buch zuende, so spannend und gut erzählt ist die Geschichte um den hochfahrenden Prinzen, der er geläutert wird, als er alles verliert und Menschen zugrunde gerichtet hat.
García spinnt die Handlung mit viel Geschick und wählt die Sprache, den Stil eines Märchens. Das trägt zur Zeitlosigkeit der Geschichte und ihrer Botschaft bei.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 EHU, Schleswig-Holstein

  in der AJuM Datenbank Ja
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