GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Schiller, Friedrich
Titel Der Taucher
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Wiesmüller, Dieter
ISBN 978-3-551-51716-6 Reihe
Verlag Carlsen, Hamburg, 2009
Seitenzahl 40 Preis 19,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Bilderbuch
Zielgruppe 8-9
10-11
12-13
14-15
16-17
Inhaltsangabe Schillers bekannte Ballade vom Taucher ersteht in den großflächigen Bildern Dieter Wiesmüllers ganz neu zum Leben und erzählt von Mut und Anmaßung.
Beurteilungstext Der Taucher gehört zum klassischen Stoff der Weltliteratur. Schillers eindrückliche Geschichte vom Edelknaben, der sich der Aufgabe des Königs stellt und einen goldenen Kelch aus den tosenden Wogen des Gezeitenstrudels holt, steht exemplarisch für das menschliche Wesen, seinen Wagemut, aber auch den Widerstreit von Vernunft und tollkühner Selbstüberschätzung. Der Edelknabe schafft es, er findet glücklich den Weg zurück an die Oberfläche, er bringt den Kelch dem König und berichtet von den schrecklichen Wundern des Meeres. Doch die Einsicht "Es freue sich,/ wer da atmet im rosigen Licht!/ Da unten aber ist's fürchterlich,/ und der Mensch versuche die Götter nicht,/ und begehre nimmer und nimmer zu schauen,/ was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen., kann der Versuchung nicht standhalten, denn der König will es nun noch einmal erleben, und er verspricht dem Jüngling seine Tochter, wenn er den Kelch wiederholt aus den Fluten hervorholt. Der stürzt sich noch einmal in die Wogen, und kehrt nicht mehr zurück.
Die geschilderte Tragödie berührt den, der sie hört, noch heute. Denn natürlich ist das Motiv nach wie vor brandaktuell und die menschliche Arroganz den Kräften der Natur und seiner eigenen Begrenztheit gegenüber allgegenwärtig. Grenzerfahrungen haben ihren Reiz. Tragödie und Erfolg liegen aber dicht beieinander.
Nun hat der Illustrator Dieter Wiesmüller diese berühmte Ballade in der ihm typischen und eindrücklichen Art unnachahmlich ins Bild gesetzt. Nachdem das Gedicht auf den ersten Seiten zu lesen ist, finden sich anschließend die großflächigen, doppelseitigen Bilder, die die Handlung pointieren. Dabei greifen die malerischen, gemäldeartigen Illustrationen das heroische Grundmotiv auf, ohne aber auf die emotionale Tragik des Geschehens zu verzichten. Denn zum Ende hin rückt die Prinzessin in den Blick, die sowohl das Begehren als auch die Trauer um das Leben des Jünglings symbolisiert. So interpretiert Wiesmüller die Vorlage Schillers, indem er weniger das moralische, als das individuelle Potenzial der Ballade in den Blickpunkt rückt.
Das Buch ist ein echter Blickfänger und eine interessante Bearbeitung des klassischen Stoffs. Es kann Erwachsenen und Kindern einen Zugang zum Werk Schillers erleichtern und neue Blickwinkel eröffnen.
Bewertung

 empfehlenswert

Rezensent

 mr, Sachsen-Anhalt

  in der AJuM Datenbank Ja
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