GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Nicolai, Thomas
Titel Das tapfere Schneiderlein
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Pannen, Kai
ISBN 978-3-8303-1156-0 Reihe
Verlag Lappan, Oldenburg, 2010
Seitenzahl 29 Preis 16,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Märchen
Zielgruppe 8-9
10-11
12-13
6-7
Inhaltsangabe Ein Märchenbuch und eine Hörspielfassung auf CD nach dem Märchen “Das tapfere Schneiderlein” der Brüder Grimm.
Beurteilungstext Hier wird das bekannte Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm erneut präsentiert in einer Kombination aus leicht modernisiertem Text, großen bunten Bildern und einer Hörspielfassung. Märchenerzähler sind die Märchenmäuse Alfons Graufellus und Felix von Katzenschreck, die außer Käse vor allem Märchen lieben. Die lustigen Mäuse halten sich im Wesentlichen an den alten Märchentext, vereinfachen die Sprache etwas, kürzen einige Episoden und fassen sinnvoll zusammen, z. B. wird aus den zwei Begegnungen mit Riesen hier ein großes Abenteuer, das der Schneider listig besteht. Die Motivation zu den Heldentaten ist von vornherein die Bewerbung um die Prinzessin. Das gibt Gelegenheit zur Einführung der beiden Konkurrenten, dem Minnesänger “Werner von der Hundewiese” und den “Schah von Absulbistan”; zwei Figuren, die vor allem das komische und satirische Element des Buches aufleuchten lassen. Witzig und gut gelungen sind auch die schräg gedruckten Unterbrechungen durch die Mäuse, in denen Alfons und Felix das Erzählte kommentieren, bewerten oder sich Gedanken machen über altertümliches Deutsch. Zusammen mit den abgedruckten Liedern und einem “Turbo-Apfelmusrezept” bietet der Textteil des Buches einen abwechslungsreichen und witzigen Zugang zu dem alten Märchentext. - Die comicartigen Zeichnungen bereiten eine Freude für sich. Großformatig, sehr oft über zwei Seiten hinweg, in warmen, lebhaften Erdtönen vermittelt der Illustrator seine Vision von den Hauptfiguren und Ereignissen. Das Karrikierende überwiegt. Übertreibungen in der Mimik und in den Bewegungen weisen auf Wesentliches hin , sind vielleicht auch kritische Seitenhiebe (die bleistiftdünne, geschminkte Prinzessin z. B. ähnelt einem Magermodel).Witzge Details fordern auf zum genauen Hinschauen , unterlaufen das z. T. grausame Geschehen (z. B. : einer der fürchterlich aussehenden Räuber hat einen lila Kuschelteddy im Arm). Insgesamt sind die Bilder geschickt gesetzt und veranschaulichen auf amüsante Weise das Erzählte. - Die Hörspielfassung kann unabhängig vom Buch verstanden werden. Trackhinweise am Rand der Texte ermöglichen aber das parallele Erfassen durch Auge und Ohr. Die Hörspielfassung dramatisiert den epischen Text, indem die vorhandenen Dialoge wesentlich erweitert und ausgemalt werden. Die Mäuseerzähler treten zurück, einige witzige Kommentare von Alfons und Felix fehlen. Komik und Ironie wird erreicht durch die Schauspieler, die es hervorragend verstehen, Personen durch ihre Sprechweise zu charakterisieren. Einen besonderen Spaß bereiten die im Dialekt gesprochenen Partien (u. a. der österreichisch näselnde König und der sächselnde Minnesänger). Musik und Geräusche vermitteln eine angemessene Geräuschkulisse, fördern das Verständnis und deuten eine zurückliegende Epoche an. - Insgesamt handelt es sich um eine gelungene Konzeption, jungen Lesern ein altes Märchen nahe zu bringen. Eltern sollten mitlesen und zuhören, um gemeinsam mit den Kindern das Werk zu genießen und eventuelle Anspielungen zu erläutern.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 PF, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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