GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Fiedler, Ulrike
Titel Das dreizehnte Tagebuch
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-8251-7685-3 Reihe
Verlag Urachhaus, Stuttgart, 2009
Seitenzahl 124 Preis 12,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Abenteuererzählung
Zielgruppe 10-11
12-13
Inhaltsangabe Rico erholt sich von einem Unfall im Museum und ist Zeuge eines Bilderdiebstahls. Das heißt allerdings, er war dabei und hat nichts gesehen. Nur die Erinnerungssplitter kann er im richtigen Augenblick aktivieren und zusammen mit seinen Freunden finden sie den Dieb. Der ist das eigentlich gar nicht und der richtige entführt Ricos Tante und der richtige Krimi beginnt. Etwas verwirrend klingt das, ist aber in sich logisch und spannend erzählt. Das eigentliche Thema aber ist die Kunst.
Beurteilungstext Der Krimi selbst ist nett, allerdings gar nicht harmlos und bietet immer wieder Überraschungen. Dass die Geschichte in Barcelona spielt, ist - bis auf den Hafen - eigentlich ziemlich belanglos, es könnte jede größere Stadt der Welt sein. Auch die Charaktere sind nicht besonders ausgeprägt, Randfiguren richtig schablonenhaft. Fiedlers Sprache ist etwas umständlich korrekt Hochdeutsch, was aber nur ein Vorlesen problematisch acht; und dafür ist dieser Krimi wohl kaum gedacht.
Wirklich interessant aber macht diese Abenteuererzählung die Welt der Kunst. In einem Tagebuch beschreibt der zehnjährige ursprüngliche Besitzer den Werdegang eines Ölgemäldes (Kandinskys Kuppeln,1909, hat Fiedler sich als Vorbild genommen). Das und die Gedanken des Jungen dazu sind ein Kabinettstück an Bildbeschreibung. Fiedler entwickelt dazu den Begriff des “Im Bilde Reisens”, schlüssig beschrieben und auch für junge Leser wohl gut nachvollziehbar. Nur schade, dass die Abbildung im Anhang nicht farbig ist (aber auch Moellers Monografie “Der frühe Kandinsky”, München 1994, verzeichnet nur eine Schwarzweißabbildung). Andererseits beschreibt der Junge die Farben dermaßen intensiv und genau, dass der Betrachter das gar nicht anders braucht.
Und der zweite Aspekt ist mindestens ebenso interessant, wenn auch nur gestreift. Da müsste der junge Leser schon Fragen stellen und die Erwachsenen die richtigen Antworten haben: Der damals 10-jährige Junge bekommt das Bild geschenkt, ist davon überzeugt, dass es dafür geschaffen wurde, im Museum zu hängen um möglichst vielen Betrachtern die Reise in das Bild zu ermöglichen. Er muss fliehen und lässt das Bild zurück (Nazireich und Judenverfolgung werden nicht erwähnt, der Zusammenhang aber ist deutlich) bei einem Freund. Dieser ist dement, als der Junge aus dem Exil zurück kommt, er findet das Bild im Museum. Das wäre alles gut, wenn jetzt, 2009, nicht ein Käufer mit viel Geld aufgetaucht wäre. Kurz: Der Sohn des damaligen Jungen entführt das Bild, es verschwindet und die eigentliche Krimihandlung beginnt, von der ich hier nichts schreiben will. Wer ist nun rechtmäßiger Besitzer: Der Sohn des Ureigentümers? Der Sohn dessen Freundes? Das Museum? Der potentielle Käufer?
Fiedler gibt eine einfache Antwort, ohne die Problematik zur Sprache zu bringen. Aber ein guter Anlass, über Rückübertragung, Urheberrechte und Erbe zu reden bietet dieser an sich einfache Krimi, ebenso könnte man Frucht bringende Gespräche führen über Unrecht, Verfolgung, Juden, Enteignung, Exil und das Verlieren aller Rechte.
Und zusätzlich stellt sich eine grundsätzliche Frage: Sollen Kunstwerke öffentlich sein? Darf man wichtige Kunstwerke einfach in seinem Tresor verschließen? Dazu gibt es keine einfachen Antworten.

Unter dem Deckmantel eines kleinen Krimis tut sich also hier die große Welt des Kunsthandels und des Umgehens mit der Kunst auf.
Eine fantastische Idee.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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