GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor MAYER, GINA
Titel DIE VERLORENEN SCHUHE
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-522-20073-8 Reihe
Verlag Thienemann, Stuttgart, 2010
Seitenzahl 384 Preis 18,00 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Kriegsroman
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Spannende Fluchtgeschichte von zwei jungen Frauen aus Schlesien im ausklingenden 2. Weltkrieg Anfang 1945
Beurteilungstext Inge Baken (18) wohnt mit ihren Eltern in Bankau, Schlesien, auf dem Hof Hohenau. Ihr Leben dreht sich in erster Linie um ihre Pferde, die Schule und ihren Verlobten Wolfgang von Brandt vom Nachbargestüt. Wolfgang ist begeisterter Anhänger der Nazis und verspricht Inge noch Weihnachten 1944 den Endsieg der Deutschen. Auf dem Hof Hohenau arbeiten mehrere polnische Fremdarbeiter, so auch die 19-jährige Wanda aus Krakau, die von ihrem Vater - einem Lehrer - früh die deutsche Sprache erlernt hat. Ende Januar 1945 rückt die Rote Armee aus Russland immer näher und sämtliche Höfe werden zur Evakuierung aufgerufen. Inge ist zu der Zeit in der Schule und kommt zu spät zum Hof. Ihre Familie ist bereits weg. Inge trifft nur noch auf die Polin Wanda, die auch übrig geblieben ist. Obwohl die beiden Frauen bis dahin kaum Kontakt hatten, beschließen sie, sich gemeinsam mit einem Pferdefuhrwerk auf den Weg nach Westen zu machen. Zu Beginn ihrer beschwerlichen Reise mögen sie sich nicht, merken aber schnell, dass es leichter ist, zu zweit unterwegs zu sein als alleine. Unterwegs lernen sie viele unterschiedliche Menschen kennen, erleben Enttäuschungen, werden bestohlen, bekommen Lebensmittel geschenkt, entgehen knapp einer Vergewaltigung, übernachten in den verschiedensten Behausungen und freunden sich schließlich an. In Hirschberg arbeiten sie in einer Fabrik, um ein bisschen Geld zu verdienen und bekommen dort die Reisegenehmigung bis Nördlingen (Süddeutschland) ausgestellt. Von Dresden bis Nördlingen reisen sie dann in überfüllten Zügen weiter. Als sie schließlich in Nördlingen ankommen, nehmen sie verschiedene Gelegenheitsjobs an. Der Krieg ist inzwischen verloren. Die Amerikaner besetzen Nördlingen und Inge und Wanda lernen Englisch, um abends im amerikanischen Offizierskasino Klavier zu spielen und zu singen. Obwohl sie alle ihre Familienangehörigen verloren haben, merken sie, dass es ganz allmählich wieder bergauf geht.
Die Fluchtgeschichte von Inge und Wanda bildet den Hauptteil dieses Romans. Einzelne Rückblenden auf die Vergangenheit der beiden jungen Frauen fließen ein. Der Schwerpunkt liegt auf den Erlebnissen während der Flucht. Als Leser ist man gepackt und leidet mit. Plötzlich verbindet man mit dem Wort "Schlesien" menschliche Schicksale und versteht die Ängste und Nöte der Vertriebenen von damals besser. Gina Mayer konzentriert sich auf die Jahre 1945/46, recherchiert viel, fügt ein Interview mit einer Vertriebenen sowie ein Glossar im Anhang an die Geschichte an und schafft es so, diese schreckliche Zeit in Bildern auferstehen zu lassen. Einzig der Titel "Die verlorenen Schuhe" ist meiner Meinung nach unpassend, da die roten Schuhe von Wanda, um die es geht, nicht verloren gingen, sondern gestohlen wurden. Geeigneter wäre also als Titel "Die gestohlenen Schuhe" oder wenn es symbolisch gemeint ist: "Die verlorene Heimat".
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 REI, Nordrhein-Westfalen

  in der AJuM Datenbank Ja
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