GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Clay, Susanne
Titel CyberMob
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-401-02749-4 Reihe Arena life
Verlag Arena, Würzburg, 2010
Seitenzahl 246 Preis 6,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 12-13
ab 18
Inhaltsangabe Carmens Klasse will die WestSideStory aufführen und nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft es gut an. Dann bekommt Carmen Emails der übelsten Sorte, sie greifen sie an ihrer empfindlichsten Stelle an und sie verkriecht sich förmlich. Nur ihr Hund und der alte Nachbar stehen ihr zur Seite. Tage später erst erreicht der Nachbar, dass sie sich einem anderen Menschen gegenüber öffnet. Dann löst sich das Problem relativ schnell, der Täter offenbart sich - die Narben der Verletzung aber bleiben.
Beurteilungstext Sehr klug beginnt die Autorin mit einem Nebenschauplatz: dem Streit um die Auswahl des Theaterstücks. Die Schüler greifen alles an, die 50er-Jahre-Szene, die Gattung Musical, die Musik, die Romeo-&-Julia-Dramatik. Und dann beginnt der eine mit der Musik, die andere mit den Kostümen, kurz, alle befreunden sich mit der Auswahl, finden ihre Rollen und steigen zunehmend begeistert ein.
Carmen, die Ich-Erzählerin, ist 16 und eine begnadete Hundebesitzerin. Sie geht klug mit dem Hund um, liebt ihn, kennt die intellektuellen und emotionalen Grenzen und Fähigkeiten ihres Hundes genau - schon alleine die Rolle des Schäferhundmischlings Mikko wäre ein Grund, dieses Buch Jugendlichen zu empfehlen. Es ist nur logisch, dass Carmen ehrenamtlich in einem Tierheim aushilft, so unsentimental habe ich noch nichts über die Kreaturen gelesen, die hier ihres Daseins fristen, fähige Wärter haben, die durchaus mitfühlen können und die sich freuen, wenn eines ihrer Tiere in gute Hände kommt.
Dann platzt die Bombe in Form einer infamen Email.
Gerade hat sich Carmen in ihrer Rolle als Anita der Gruppe vorgestellt und ist auf ungehemmte Begeisterung gestoßen, da greift sie dieser Rocky genau dort an, wo sie sofort verletzt wird. Und sie reagiert viel zu heftig darauf. Susanne Clay beschreibt hier eine Verletzbarkeit so nachvollziehbar, dass die folgende Handlung in all ihrer Unsinnigkeit verständlich ist: Immer mehr zieht Carmen sich in sich selbst zurück, spricht sie anfangs noch mit der Oma, will sie dann gar nichts mehr sehen und hören. Nur ihr logischerweise recht einseitiges Gespräch mit dem Hund bleibt ihr. Bis der alte, sehr alte Nachbar kommt und von sich erzählt: wie er vor langer, langer Zeit seinen besten Freund verleugnet und beleidigt hat und bis heute darunter leidet. Carmen sieht, dass sie aktiv werden muss. Sie erzählt einem Freund, gemeinsam gehen sie zur Polizei und die reagiert behutsam und gut beratend, so dass Carmen keine Anzeige erstatten muss, der Täter sich selbst offenbart und das Leben weiter geht.
Die Verletzung aber hat ihre Narben hinterlassen.
Es wird klar, dass der Täter nur aktiv wurde, weil er von Carmen enttäuscht worden ist - was sie aber gar nicht wissen konnte, weil er nicht in der Lage war, ihr direkt zu erzählen, was er sich so vorstellte. Die Konsequenzen muss er jetzt alleine tragen.

Die meisten Mobbing- und Stalker-Täter im Internet können sich gar nicht vorstellen, was sie bei ihrem Opfer an Reaktionen erzeugen, dass sie im tiefsten Inneren getroffen werden können und dann nicht mehr in der Lage sind, aufzuhören oder sich zu outen, wenn sie derlei Folgen realisieren. So machen sie weiter und sich selber glauben, dass sie gesiegt haben. Alleine schaffen sie den Absprung nicht und die Opfer müssen weiter leiden. Nur die Öffnung nach außen ermöglicht das Ende eines solchen Mobbings. Kaum einer schafft das ohne äußere Hilfe und ein sehr gutes Beispiel dafür liefert diese Erzählung von Susanne Clay.

Ob die Klasse ihre WestSideStory übrigens jemals aufgeführt hat, wird nicht mehr beschrieben. Aber es sieht ganz danach aus, dass sie ein großer Erfolg wird.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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