GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Balthazar, Nic
Titel Ben X
Übersetzer / Originalsprache Wansleben, EvaFlämisch
Illustrator
ISBN 978-3-596-80898-4 Reihe
Verlag Fischer Schatzinsel, Frankfurt, 2009
Seitenzahl 95 Preis 6,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Klassenlesestoff
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Erzählung
Zielgruppe 14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe Ben, 16 Jahre, hat es schwer, denn er ist anders. Er benötigt Routinen, sein Alltag ist bis auf die Minute genau verplant. Mit Menschen kommt er nicht gut aus, denn er kann ihre Gefühle nicht verstehen, er ist ein Asperger Autist. Neben der Schule verbringt er viel Zeit vor den Computer. Im Onlinespiel „Lethal Assault“ ist er der Größte. Und dann lernt er in einem Chatroom Barbie kennen. Die beiden kommen sich näher, sodass sie ein Treffen verabreden. Doch dann läuft alles aus dem Ruder...
Beurteilungstext „Dreizehn Laternenpfähle links, über acht Zebrastreifen gehen, fünfzehn Laternenpfähle rechts. Sieben Zebrastreifen. Noch sechzehn Laternenpfähle zur rechten Seite. Da war die Bushaltestelle.“ So beginnt das Buch „Ben X“ über einen 16-jährigen Jungen mit Asperger Autismus. Ben versucht, in der normalen Welt zurechtzukommen, doch er funktioniert nicht so wie die anderen Jugendlichen. Seine Welt besteht aus Zahlen, Routinen bieten ihm Sicherheit, ohne seinen gewohnten Tagesablauf, der bis auf die Minute geplant ist, gerät er in Panik. Mit seinen Mitmenschen tritt er ungern in Kontakt, denn er versteht zwischenmenschliche Signale, die andere instinktiv verstehen, nicht. Er kann den tieferen Sinn von Gesagtem und Gefühlen nicht entschlüsseln. Durch sein seltsames Verhalten ist er in der Schule ein Außenseiter, den die Mitschüler gern drangsalieren. Dabei ist Ben nicht dumm, im Gegenteil, er ist sehr intelligent. In einem Onlinespiel - Lethal Assault - welches er täglich spielt, hat er sich eine zweite Welt aufgebaut, in der er sich wesentlich besser zurechtfindet als in der Realität. Und über das Chatten findet er eine weitere Welt, in der er sich vor der grausamen Realität verstecken kann. Dort lernt er Barbie kennen. Mit ihr ist alles einfach. In gereimten Botschaften (welche durchaus recht derb sind) kommen sich die beiden immer näher, bis sie sich in der Realität verabreden. Doch dann gerät alles aus dem Ruder, denn die beiden Peiniger aus seiner Klasse geben keine Ruhe – sie lauern Ben auf, bedrohen ihn und greifen ihn an. Sie treiben ihn immer weiter, so weit, dass er schließlich nur noch an Selbstmord denken kann. Zum Glück ahnt Barbie, was in Ben vorgeht, und gemeinsam finden sie einen Ausweg. Am Ende inszenieren sie seinen Selbstmord und die dazugehörige Trauerfeier. Dieser Schluss ist etwas unrealistisch, doch um die Folgen von unbedachtem Handeln deutlich zu machen, ist dies durchaus angemessen.
Das Buch ist intensiv und dicht geschrieben, das Hineinversetzen in Ben fällt, wenn man sich auf die etwas ungewöhnliche Sichtweise einlassen kann, leicht. Die Denk- und Handelsweisen, in die der Leser durch das Buch Einsicht erhält, sind schlüssig und, wie mir scheint, sehr realistisch. Denn eigentlich ist Ben ein Teenager wie alle anderen auch, mit denselben Hoffnungen und Träumen. Der Leser bekommt eine Ahnung, mit welchen Problemen manch einer zu kämpfen hat und wo doch Gemeinsamkeiten vorhanden sind, denn Ben ist zwar in einigen Bereichen eingeschränkt, doch er ist intelligent und freundlich und hat die gleichen Sehnsüchte wie jeder andere. Zum anderen bekommt der Leser eindrucksvoll vorgeführt, dass es Menschen aus Gedankenlosigkeit einem anderen derart schwer machen können, dass dieser nur noch einen Ausweg sieht. Das ergreifende Buch bietet sich als Klassenlektüre an, denn die Sprache ist einfach und verständlich, es ist dünn, spannend zu lesen, und eignet sich so auch für wenig lesebegeisterte Jugendliche.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 BW-UKL, Baden-Württemberg

  in der AJuM Datenbank Ja
  Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.
 
AJuM der GEW c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund