GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Brodersen und Dammann, Ingke und Rüdiger
Titel Zerrissene Herzen - Die Geschichte der Juden in Deutschland
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Ensikat, Klaus
ISBN 978-3-596-16236-9 Reihe
Verlag Fischer Schatzinsel, Frankfurt, 2006
Seitenzahl 232 Preis 10,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart broschiert Gattung  Sachbuch
Zielgruppe 16-17
ab 18
14-15
Inhaltsangabe Die Autoren breiten die Geschichte der Juden in Deutschland aus, indem zum besseren Verständnis die Anfänge des Judentums aufgrund biblischer Überlieferung und römischer Geschichtsschreibung im Überblick dargestellt werden und nachfolgend die politisch-religiöse Lage im Europa des frühen Mittelalters geschildert wird, bevor der Blick sich vollends auf die Situation der Juden auf dem Gebiet des jetzigen Deutschlands ab 1000 n. Chr. richtet. Die Geschichte wird bis in die Gegenwart ausgeleuchtet.
Beurteilungstext Brodersen und Dammann legen mit dem Sachbuch zur Gechichte der Juden in Deutschland ein beeindruckend gut gemachtes Sachbuch nicht nur für interessierte Jugendliche vor, das keine Geschichtskenntnisse voraussetzt und doch anspruchsvoll ist. Den Autoren gelingt es, die wesentlichen Daten und Zusammenhänge, die für ein Verständnis der Lage der Juden in Deutschland durch die Jahrhunderte wichtig sind, in komprimierter und spannender Form so zu präsentieren, dass man den Band nicht aus der Hand legen kann. Längst vergangene Zeitalter werden lebendig, gleich ob es sich um das römische Reich zur Zeit des Geschichtsschreibers Flavius Josephus oder das Deutschland der Aufklärung handelt. Die Geschichte der Juden wird immer in den Kontext gebettet, man sieht das spezielle Schicksal der Juden vor dem geschichtlichen Hintergrund. Sowohl die Unterschiede im Weltverständnis zwischen den einzelnen Epochen werden dem Leser eindrücklich nahgebracht als auch die oft durch Vorurteile belastete Beziehung nicht-jüdischer Bürger zu jüdiscen Mitbürgern durch die Jahrhunderte.
Durch die deutsche Geschichte ist die Geschichte der Juden in Deutschland sicher ein Thema, das von deutschen Autoren mit besonderer Sorgfalt behandelt werden muss. Dammann und Brodersen gelingt es, die Vermittlung von Daten und Fakten in den Vordergrund zu stellen und gleichzeitig die Voreingenommenheit der Mitwelt aufzuzeigen und die Herkunft dieser Voreingenommenheit, wie alogisch sie sein mag. Wichtig für die Zukunft ist dies deshalb, um nicht in alte, irrationale Verhaltensmuster zu verfallen, sondern sie als solche zu erkennen. In dieser Hinsicht betreiben die Autoren politische Aufklärung mit Leidenschaft.
Die vorgebrachten Argumente sollten reichen, dieses Buch als unbedingt empfehlenswert jedem ans Herz zu legen, der geschichtlich interessiert ist und/oder mehr über jüdische Religion und Kultur erfahren will. Jugendliche wie ältere Leser gleichermaßen erfahren viele interessante Zusammenhänge, der Stil der Autoren eignet sich für ein breites Publikum.
Doch gehen die Texte darüber hinaus eine perfekte Symbiose mit den Illustrationen Ensikats ein. Die kolorierten Tuschzeichnungen verleihen einerseits den historischen Figuren, die tragende Rollen im geschichtlichen Ablauf spielen, ein Gesicht, andererseits lockern sie den Text auf, bieten dem Auge Gelegenheit entspannt auf den detailreichen Illutrationen zu verweilen und immer Neues zu entdecken. Immer wieder erwachsen szenische Illustrationen aus dem Text (z.B. Krieg Preußen/Frankreich, S. 92). Ensikats Illustrationen verhelfen dem Text zu mehr Anschaulichkeit. Objekte, die in jüdischer Religion und Kultur eine große Rolle spielen, genauso wie Symbole zieren als kleine Illustrationen die Seiten.
Damit nicht genug, gesellt sich noch ein weiterer Aspekt zu den vorgenannten: zu Beginn eines jeden Kapitels stellt Ensikat in einer ganzseitigen Illustration die Atmosphäre des beschriebenen Zeitalters dar, er bindet wesentliche Motive nebeneinander in die Illustration ein, macht ein kohärentes aber gleichzeitig symbolisches Ganzes aus den Bruchstücken der geschichtlich relevanten Momente. Dies verleiht den Zeichnungen etwas Surreales, wobei dennoch klar ist, dass Geschichte immer real ist. Allerdings erscheint die Geschichte der Juden auch wieder auf schreckliche Weise surreal, richtet man den Blick auf ihre Benachteiligung und Verfolgung.
Komplettiert wird dieser schöne und spannende Band durch ein kurzes Glossar zu den wichtigsten geschichtlichen Daten und Begriffen zum Judentum sowie die wichtigsten Begriffen zur Zeitrechnung nach dem jüdischen Kalender. Dies kann zwar nur ausschnitthaft und beschränkt auf wenige Schlüsselwörter geschehen, dennoch hilft es beim Zurechtfinden in diesem komplexen Thema. Einzig eine Liste weiterführender Literatur, die der Leser bei Interesse zu Rate ziehen kann, fehlt.
Die übersichtliche Kapiteleinteilung mit Inhaltsangabe zu Beginn erleichtert das Nachschlagen einzelner Daten und Begebenheiten, sodass man den Band nicht nur mit Interesse in einem Stück lesen, sondern ihn auch immer wieder als Referenzwerk zur Hand nehmen kann.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 EHU, Schleswig-Holstein

  in der AJuM Datenbank Ja
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