GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Hagerup, Hilde
Titel Zeit der Lügen
Übersetzer / Originalsprache Haefs, GabrieleNorwegisch
Illustrator
ISBN 978-3-423-62446-6 Reihe
Verlag dtv, München, 2010
Seitenzahl 172 Preis 8,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe
Inhaltsangabe Jonas war acht, als seine Mutter ins Gefängnis kam, jetzt ist er 14, und er muss überlegen, wie er seiner Mutter nach ihrer Entlassung beibringt, dass nichts von den Briefen, die er ihr über sein Leben geschrieben hat, wahr ist. Überlegen ist aber nicht seine Sache und er rutscht pubertär fantasierend von einer Grenzsituation in die andere. Sein Vater kann noch weniger reden als er, selbst wird er von den Mitschülern auf den Arm genommen und sein Problem ist nicht zu lösen.
Beurteilungstext Bemerkenswert ist die Umgebung des lernbehinderten Jungen geschildert - man versteht, warum auch er nicht in der Lage ist, sein Schicksal zu verstehen oder gar in die Hand zu nehmen. Die Klasse besteht aus Schülern unterschiedlichster Art, die Queen der Klasse sieht er als seine Freundin, was die aber gar nicht weiß. Die Neue tritt zur Queen in Konkurrenz, was wiederum Jonas hoffen lässt und die Neue gibt ihm so viel in die Hand, dass er sich darin bestätigt fühlt, die neue Freundin vor Augen zu haben. Erst die Queen öffnet ihm dann letztlich die Augen.

Eigentlich will niemand Böses für Jonas, Vieles ergibt sich einfach so. Helfen kann ihm auch niemand, schon gar nicht der Vater, der noch nicht einmal sieht, wo das Problem ist. Wenn der helfen will, versagt seine Sprache. Die Klassenfreunde amüsieren sich über Jonas, der sich bewusst von den anderen unterscheiden will und immer im Anzug auftritt, was ihm zwar zeitweise ein gewisses Gerüst gibt, letztlich aber nicht hilft.

Die Sprache ist knapp, 1-3-Wort-Sätze vorwiegend. Differenzierte Äußerungen gibt es praktisch nicht, eine Ausnahme ist der Brief Jonas´ an seine Mutter, in dem er ihr alles erklären will, es aber nur auf seine, ihr unverständliche Art schafft.

So. Für wen ist so ein Buch gedacht? Betroffene lesen (so etwas) nicht. Anderen bringt es nichts. Die Problematik, vielschichtig und differenziert dargestellt, versteht jeder, ist einfach gut beschrieben. Aber das ist doch ein reines Intellektuellen-Problem. Und die brauchen das Buch nicht und ihren Kindern ist es nicht zuzumuten. Denn Hoffnung erweckt es nicht. Es wird für Jonas keine Lösung seiner Probleme geben, es wird immer so weiter gehen, mit anderem Personal, anderen Handlungen, aber gleicher Problematik.
Bewertung

 nicht empfehlenswert

Rezensent

 cjh, Berlin

  in der AJuM Datenbank Ja
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