GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Viola Rohner & Paula Gerritsen,
Titel Von Mimi zu Mama und wieder zurück
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator Gerritsen, Paula
ISBN 978-3-7152-0583-0 Reihe
Verlag Atlantis bei Orell Füssli, Zürich, 2009
Seitenzahl 28 Preis 13,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
für Arbeitsbücherei
Medienart Buch: Hardcover Gattung  Bilderbuch
Zielgruppe 6-7
Inhaltsangabe Als der fünfjährige Jan nach einem Übernachtungsbesuch bei seiner Mutter vom Kindergarten nach Hause gehen will, wird er von den großen Nachbarsjungen eingeschüchtert. Schnell rennt er zur Wohnung seiner Mama und zu Bruno, den großen Hund, zurück. Erst am Abend macht er sich auf den Weg zu seiner besorgten Pflegefamilie.
Beurteilungstext Von Mimi zu Mama und wieder zurück" ist im Atlantis-Verlag, der Kinder- und Jugendbuchsparte des Orell Füssli Verlags aus der Schweiz erschienen. Das Buch wurde in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein Pflegekinder-Aktion Zürich entwickelt. Im Vorsatzblatt werden auf Hintergrundinformationen und An-regungen für Erwachsene auf der Webseite des Verlags hingewiesen. Es handelt sich um eine 20-seitige Broschüre, die die Problematik von Pflegekindern beschreibt und Gesprächsanregungen zu dem Buch gibt.

Jan feiert seinen fünften Geburtstag. Er bekommt Geschenke von seinen Pflege-eltern und seinen Geschwistern. Auch ein kleiner zotteliger Stoffhund ist dabei. Und eine Karte von seiner Mama, dass er sie besuchen und bei ihr übernachten darf. Jan freut sich über die Geschenke, aber den Stoffhund wirft er wütend in den Papierkorb. Er möchte so gerne den richtigen Hund einmal mit in seine Pflegefamilie nehmen.
Der Besuch bei der Mutter greift typische Situationen auf: An Geschenken bekommt er eine Playstation, ein Schwert und eine Schale voller Süßigkeiten. Der Abend wird gemeinsam vor dem Fernseher verbracht mit einem Film, bei dem Jan sich ängstigt und sich zeitweise lieber hinter Bruno versteckt. Am nächsten Morgen muss Jan das Frühstück zubereiten, weil seine Mutter traurig ist und weint. Auf dem Rückweg vom Kindergarten trifft Jan auf die großen Nachbarjungen, die ihn einschüchtern. Schnell macht er kehrt und rennt in die Wohnung seiner Mutter zurück. Seine Mutter ist nicht zu Hause. So schaut Jan mit Bruno fernsehen. Abends entschließt er sich, mit Bruno zu seiner Pflegefamilie zu gehen. Mit Bruno an der Leine traut Jan sich auch an den großen Jungens vorbei, die ihn mittags noch eingeschüchtert haben. Er ist stolz auf den großen Hund. Erleichtert schließt die Pflegefamilie Jan in die Arme. Und nun darf Bruno endlich einmal mit in Jans zweites Zuhause. Glücklich tollt Jan mit ihm in seinem Zimmer herum. Als seine Mutter am nächsten Morgen erscheint um Bruno abzuholen, zeigt Jan ihr seinen kleinen Stoffhund. Er ist nicht mehr zornig über ihn. Bei seinem nächsten Besuch bei der Mutter will Jan dem kleinen Brunino zeigen, wo der große Hund wohnt.

Viola Rohner beschreibt das Dilemma von Jan schnörkellos und klar verständlich. Sie verzichtet auf emotionale Überfrachtung und überlässt es damit ihren kindlichen und erwachsenen Lesern, die Geschichte mit eigenen Erfahrungen abzugleichen und aufzufüllen.
Durch die nüchterne Darstellung eignet sich das Buch auch als Klassenlektüre. Nicht betroffene Leser können sich mit der Problematik eines Pflegekindes auseinandersetzen. Der Hund Bruno dient als Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Familien und bietet eine gute Gesprächsbasis.
Die Figur der Pflegemutter Mirjam, die Jan als Mimi bezeichnet, ist anfangs nicht leicht zu identifizieren, da Jan sie nicht direkt anspricht. Hier bedarf es bei der ge-meinsamen Betrachtung eventuell einer Erklärung.

Die Bilder von Paula Gerritsen sind großflächig und ansprechend gezeichnet. Sie sind dem Erzählstil angepasst: die Gesichter sind flächig und nicht detailreich dar-gestellt. Es geht auch hier nicht darum, sich mit den Figuren zu identifizieren, sondern sie als Folie der eigenen Geschichte zu sehen.

Ich wünsche diesem 24-seitigen Themenbilderbuch viele LeserInnen. Man bekommt damit eine gute Gesprächsgrundlage an die Hand; vielleicht sogar einen Schlüssel zu betroffenen Kindern.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 GI, Niedersachsen

  in der AJuM Datenbank Ja
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