GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Oates, Joyce Carol
Titel Unter Verdacht
Übersetzer / Originalsprache Kollmann, BirgittAmerikanisch
Illustrator
ISBN 978-3-423-62216-5 Reihe Reihe Hanser
Verlag dtv, München, 2009
Seitenzahl 304 Preis 6,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Jugendroman
Zielgruppe 14-15
16-17
Inhaltsangabe Matt wird in Polizeigewahrsam genommen, da er eine Bombendrohung gegen seine Schule vorgebracht haben soll. Seinen Beteuerungen, dass dies eine Unterstellung ist, wird erst Gehör geschenkt, als Mitschülerin Urusla, dies bezeugt. Trotz Entlassung aus dem Gewahrsam verändert sich sein Leben drastisch. Ursula stellt sich hinter Matt, eine Freundschft entwickelt sich, die durch die Entscheidung von Matts Eltern belastet wird, einen Wiedergutmachungsprozess gegen die Schule anzustrengen.
Beurteilungstext Oates nimmt einen Aspekt der jüngsten Amokläufe in amerkanischen Colleges zum Ausgangspunkt ihrer Handlung: die Paranoia und das Misstrauen gegen jemanden, welche durch üble Nachrede und unbedachte Äußerungen entstehen und das tägliche Leben einer Familie oder Gemeinschaft aus dem Gleis werfen können. In kühlem, fast sachlichen Stil beschreibt und analysiert Oates durch die Augen der Protagnoistin Ursula die Vorgänge in einer reichen Vorstadt New Yorks, in der Bürokratie, Paranoia, religiöser Eifer, Neid und Eifersucht zu Beschuldigungen führen, die auch nach ihrer Entkräftung nicht zur Wiederherstellung der alten Zustaende führen: die Dinge entwickeln eine Eigendynamik, Voreingenommenheit und mangelnde Einsicht in andere Perspektiven führen zum immer größeren Zerwürfnis innerhalb der Familie und in der Schule.
Diese Perspektive wird ergänzt durch die emotionale Schilderung Matts als Ich-Erzähler. Beide Perspektiven wechseln sich kapitelweise ab. Der Leser kann sich sowohl in Matts Dilemma versetzen als auch in Ursulas Ansichten, die denen von Matt manchmal zuwiderlaufen, größtenteils jedoch von ihrer eigenen Zerrissenheit künden: sie möchte zwar geliebt und von ihrer Familie/Klassengemeinschaft anerkannt werden aber nicht um den Preis, den sie als falsche Angepasstheit identifiziert. Sie muss entscheiden, wie sie sich selbst treu bleibt und wo die Grenze verläuft zum Sichausgrenzen.
Die beiden Perspektiven bilden auch zwei Handlungsstraenge ab, die immer wieder durch das Oberthema "Angepasstsein" in das Plot gewoben werden. Sowohl Matt als auch Ursula erkennen durch die Ereignisse, welche Seiten an ihnen gut sind, welche Seiten an ihnen zu Problemen führen und sie lernen, wie sie sich überwinden können, um schwierige Aufgaben zu meistern.
Der Roman ist nicht nur als Enwicklungsroman lesenswert, man kann ihn auch als Beschreibung der Gesellschft im 21. Jahrhundert und der Tendenzen sehen, die durch falsch verstandene Freiheit, mangelnde Zivilcourage und Paranoia ihre Existenz langfristig aufs Spiel setzt.
Empfehlenswert, aber NICHT als Schullektüre. Der Roman hat einen eigenen Stil, viele innere Prozesse der Protagonisten werden geschildert. Die Handlung scheint fast statisch, wenn man nicht genauer mit dem Amerika der Gegenwart vertraut ist. Der Leser muss sich Zeit nehmen, um diese inneren Ereignisse nachzuvollziehen. Das ist im eigenen Tempo und mit eigenem Interesse sinnvoller als im Rahmen einer Schullektüre, zumal das Thema zwar universell, die konkrete Umsetzung jedoch sehr auf amerikanische Verhaeltnisse zugschnitten ist. Um wirklich einen Eindruck zu hinterlassen, macht diese Lektuere eine gründliche Vermittlung von Landeskunde, politischen Verhältnissen und Kenntnis des amerikanischen Schulsystems notwendig (trotz der dankenswerterweise vorhandenen Fußnoten). Die Originalausgabe im Englischunterricht der Oberstufe wäre eine Möglichkeit zur Lektüre, da hier die sprachliche Seite interessant ist und Anknüpfungspunkte zur Vermittlung gesellschaftspolitischer Aspekte bietet, die über die amerikanischen Verhältnisse hinaus auf Gesellschaft als solche übertragen werden können.
Als Lektüre generell vermisst man bei der guten Übersetzung das amerikanische Original nicht. Der moderate Preis macht das Buch erschwinglich, auch für Jugendliche auf der Suche nach zeitgenössischer Literatur. Es kann bei Gefallen eine Heranführung an aemrikanische Gegenwartsliteratur sein, zu deren Exponenten Oates definitiv zählt.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 EHU, Schleswig-Holstein

  in der AJuM Datenbank Ja
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