GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Asbjørnsen, Peter Christen, Moe, Jørgen
Titel Trolle, Tiere, Taugenichtse Theodor Kittelsens nordische Märchenwelt
Übersetzer / Originalsprache Bresemann, Friedrich/Quam NanaNorwegisch
Illustrator Kittelsen, Theodor
ISBN 978-3-8251-7632-7 Reihe
Verlag Urachhaus, Stuttgart, 2009
Seitenzahl 208 Preis 24,90 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Medienart Audio-Kassette Gattung  Märchen
Zielgruppe 8-9
10-11
12-13
ab 18
Inhaltsangabe Die norwegischen Pendants zu den Gebrüdern Grimm heißen Asbjørnsen und Moe. Thematik und Motivik ihrer gesammelten Märchen ähneln den Grimmschen. Typisch jedoch ist die Figur des Trolls, eines ungeschlachten, bösen Naturwesens. Der Aschenper, ebenfalls sehr typisch, hat seine deutsche Entsprechung in der Figur des jüngsten Sohnes. Erwähnenswert sind auch die kunstvollen Illustrationen des norwegischen Malers Kittelsen, von dem ebenfalls einige Märchen in dem Buch stammen.
Beurteilungstext In Deutschland waren es die Gebrüder Grimm, in Norwegen sind es Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe. Beide Autorenpaare haben Volksmärchen gesammelt und beide Sammlungen genießen nach wie vor hohe Popularität in den jeweiligen Ländern. Allerdings liegt zwischen ihren Veröffentlichungen fast ein halbes Jahrhundert. Die “Noske Folkeeventyr” erschienen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Verlag Urachhaus hat nun ein Auswahl unter dem Titel “Trolle, Tiere, Taugenichtse” herausgebracht mit Illustrationen des norwegischen Malers Theodor Kittelsen, einem etwas jüngeren Zeitgenossen der beiden Autoren. Der Titel der Ausgabe besagt es schon: Die Natur und die Naturgewalten spielen in diesen skandinavischen Märchen eine weitaus größere Rolle als in den Grimmschen Vorläufern. So haben besonders die Märchen für die Kleinsten am Anfang des Buchs eher Fabelcharakter. Hier spielen der Bär und Reineke Fuchs mit ihren gegenseitigen Übertölpelungsmanövern die Hauptrolle. Der Wolf, eine oft auftauchende Figur in den Grimmschen Märchen, tritt überhaupt nicht in Erscheinung.
Der zweite Teil der Sammlung handelt von “Trollen, Taugenichtsen und Königskindern”. Hier lernen wir zwei typische Gestalten des skandinavischen Volksmärchens kennen: Der Troll ist die Verkörperung der ungezügelten Naturgewalt, ähnlich dem Drachen in den uns bekannten Märchen. Er kann zwei Köpfe haben, fliegt bisweilen durch die Lüfte, entführt Prinzessinnen, mästet kleine Kinder wie die berühmte Hexe, weil er sich von Menschenfleisch ernährt. Darüberhinaus gibt es auch die Trollin und die Trolltochter, ebenfalls durch und durch böse Figuren. Dank der großartig-grotesken Illustrationen kann sich auch der “Troll-Unkundige” ein Bild von ihnen machen. Zum Glück sind alle dumm und ungeschlacht, sodass sie stets überlistet werden können. Die Figur des Taugenichts, Aschenper genannt, existiert auch bei den Gebrüdern Grimm. Er ist stets der jüngst Sohn, eher unbeholfen und verträumt im Vergleich zu seinen Brüdern, gewinnt jedoch durch seine besonnene Art letztlich die Hand der Königstochter.
Ansonsten begegnen uns auch hier die bekannten Märchenmotive: beispielsweise das Schneewittchenmotiv, das Brunnenmotiv aus Frau Holle, verzauberte Prinzen und Prinzessinnen, die erlöst werden müssen, Wunschringe, die magischen Zahlen drei, sieben und zwölf u.ä.
Der dritte Teil der Ausgabe nennt sich “Troll-Zauber”. Hier handelt es sich um Texte des Malers Kittelsen, für Erwachsene geschrieben. Da es sich dabei um Kunstmärchen handelt, unterscheiden sie sich stilistisch stark von den urigen Volksmärchen und sind vermutlich als Reverenz gegenüber dem Maler aufgenommen worden. Jedenfalls übertreffen dessen künstlerische Qualitäten bei weiten die literarischen. Immerhin befindet sich ein Teil der großformatigen farbigen Illustrationen als Original-Ölgemälde im Nationalmuseum zu Oslo. Sie sind wahrhaft das Sahnehäubchen dieser Ausgabe. Kittelsens Sinn für das Fantastische, Unheimliche und Groteske belebt auf großartige Weise optisch die Märchen. Das gilt ebenfalls für seine verträumten Landschaftsbilder. Eine ganz besondere Art der Ästhetik, die sich auch dem Hässlichen und Skurrilen nicht verschließt.
Ein ganz und gar ungewöhnliches Märchenbuch für ein ganz spezielles Leserpublikum.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 bifi, Bayern

  in der AJuM Datenbank Ja
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