GEW

Eine Buchbesprechung der
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien
der GEW
AJuM

Autor Philipps, Carolin
Titel Träume wohnen überall
Übersetzer / Originalsprache
Illustrator
ISBN 978-3-551-35762-5 Reihe
Verlag Carlsen, Hamburg, 2009
Seitenzahl 176 Preis 5,95 € (D)
Ausführung
Einsatzmöglichkeiten Büchereigrundstock
Klassenlesestoff
Medienart Buch: Taschenbuch Gattung  Adoleszenzroman
Zielgruppe 12-13
14-15
16-17
ab 18
Inhaltsangabe
Sandale lebt am Bahnhof in Bukarest. Im Sommer auf einem Matratzenlager am Bahnhof, bei Regen und Kälte in der Kanalisation. Dort lebt sie schon lange. Zu lange jedenfalls, um von dort wegzukommen. Obwohl sie in dem Haus für Straßenkinder, St. Lazarus, so etwas wie eine neue Familie gefunden hat und eigentlich ganz gerne dort ist, hält sie es ohne diese Freiheit am Bahnhof nie lange aus.
Beurteilungstext Am Bahnhof hat sie Lucian, mit dem sie sich ein schönes, geregeltes Familienleben erträumt, der aber außer für die Beschaffung der täglichen Drogenration nur gelegentlich Interesse an ihr hat. Rauchen, Drogen, Prostitution, ritzen, klauen und in Mülleimern nach Essbarem wühlen ist am Bahnhof die Tagesordnung. Hat man einmal etwas zu Essen auf dem Teller, wird es schnell verschlungen, denn man weiß ja nie, wann man wieder etwas bekommt.

Sandale ist oft in St. Lazarus und findet sich in Tagesabläufe und strenge Regeln ein. Wer klaut oder Drogen nimmt, fliegt raus und bekommt Hausverbot. Essen nur in geduschtem Zustand. Den Betreuern ist aber klar: Helfen kann man nur denjenigen, die sich helfen lassen wollen. Deshalb können die Kinder und Jugendlichen in St. Lazarus kommen und gehen, wie sie wollen - solange sie sich an die Regeln halten, steht die Tür offen.

Sandale hasst ihre Mutter nicht, die sie und ihre Geschwister eines Tages bei den Nachbarn abgegeben hat, um "zum Markt zu gehen". Sie kam nie wieder und bei den Nachbarn konnten die Kinder nicht bleiben. Das war der Beginn der Bahnhofskarriere. Schließlich ist sie ihre Mutter, denkt sie, und man hat doch nur eine - seine Eltern kann man nicht hassen. Das sieht der 19-jährige Martin aus Deutschland ganz anders. Er absolviert ein freiwilliges soziales Jahr in St. Lazarus und ist außerdem der Sohn des Zahnarztes, der ehrenamtlich in St. Lazarus hilft. Den Streit zwischen Vater und Sohn um die Trennung des Vaters von der Familie bekommt Sandale hautnah mit - und auch sonst beginnt sie nach und nach, Verständnis zu entwickeln und Martin nicht mehr ganz so schrecklich zu finden wie am Anfang.

Die Geschichte wirkt sehr authentisch und man merkt ihr die vor-Ort-Recherche der Autorin an. Das Kinderhaus St. Lazarus gibt es wirklich. Als Leser kann man einfach nicht anders als mit Sandale zu fiebern: Wird sie den Absprung weg vom Straßenleben schaffen? Das Ende macht zumindest Hoffnung. Ein hervorragendes Buch, das den Horizont öffnet.
Bewertung

 sehr empfehlenswert

Rezensent

 dk, Bayern

  in der AJuM Datenbank Ja
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